Georg-August-Universität Göttingen
Evaluation neuroprotektiver Strategien am Beispiel ausgewählter neurodegenerativer Erkrankungen: Amyotrophe Lateralsklerose und Alkoholabhängigkeit
Abstract
dc:descriptionTrotz hoher Prävalenzraten und ungünstiger Prognosen liegen für neurodegenerative Erkrankungen aktuell keine vielversprechenden kurativen Behandlungen vor. Auch für die nahe Zukunft erscheint deren Entwicklung als unwahrscheinlich. Aus diesem Grund rücken neuroprotektive Therapieansätze verstärkt in den Vordergrund des Interesses. Dabei wird unter erfolgreich induzierter Neuroprotektion der Erhalt oder die Wiederherstellung einer möglichst hohen Integrität zellulärer Interaktionen im Gehirn bzw. die Aktivierung oder Verstärkung endogener Schutzprogramme verstanden.Die vorliegende Dissertation dokumentiert anhand zwei veröffentlichter Originalarbeiten unterschiedliche neuroprotektive Vorgehensweisen am Beispiel der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und der Alkoholabhängigkeit.Die erste Publikation untersucht mit einem klassischen pharmakotherapeutischen Add-on-Ansatz das neuroprotektive Potential von Melatonin, einem multipotenten Antioxidanz, bei ALS. Im präklinischen Untersuchungsteil vermindert eine Melatoninbehandlung antioxidativ in vitro glutamat-induzierten Tod motoneuronaler NSC 34-Zellen und zeigt sich in vivo im SOD1G93A-Mausmodell hinsichtlich Krankheitsprogredienz und Überlebenswahrscheinlichkeit einer Placebobehandlung überlegen. In der klinischen Sicherheitsstudie bei sporadischer ALS erweist sich eine rektale Hochdosis-Melatoninapplikation als gut verträglich und sicher. Innerhalb dieser offenen Studie liefert die Analyse im Serum zirkulierender Protein-Carbonyle als Marker für oxidativen Stress erste Hinweise zur Effektivität der Behandlung: Es zeigt sich eine Normalisierung initial erhöhter Protein-Carbonyl-Level unter chronischer Melatoninbehandlung. Für den endgültigen Wirksamkeitsnachweis steht eine doppelblinde, randomisierte und placebo-kontrollierte Studie noch aus.In der zweiten Studie wird das psychotherapeutische Behandlungsprogramm ALITA (Ambulante Langzeit-Intensiv-Therapie für Alkoholkranke) als neuroprotektive Strategie eingesetzt, da durch die psychotherapeutisch unterstützte Abstinenz eine Regeneration alkohol-induzierter kognitiver Schäden ermöglicht wird. Anhand einer neuropsychologischen Therapiebegleitstudie kann gezeigt werden, dass die Mehrheit alkoholabhängiger Patienten initial tatsächlich von einer spezifischen, mit dem Hippocampus assoziierten, kognitiven Beeinträchtigung betroffen ist, die sich erst nach zwei Jahren strikter und kontrollierter Abstinenz zurückbildet. Patienten ohne Beeinträchtigung bleiben auf einem stabilen, normalen Niveau, während eine weitere Patientengruppe mit zusätzlicher hirnorganischer Schädigung trotz Langzeit-Abstinenz weiter unterdurchschnittliche Leistungen aufweist. Aufgrund einer schlechteren Prognose hinsichtlich der Abstinenzwahrscheinlichkeit erhält diese Hippocampus-Dysfunktion klinische Relevanz.Mit der Optimierung dieser und sich entwickelnder neuroprotektiver Behandlungsstrategien muss über die Ziele höherer Überlebenswahrscheinlichkeit, Verlangsamung von Krankheitsprogredienz oder Verbesserung singulärer Funktionen der Fokus vor allem auf hohe Verträglichkeit der Behandlung zum Erhalt der Lebensqualität gelegt werden und eine schnelle Umsetzbarkeit in die klinische Praxis möglich sein.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Bartels, Claudia
- Contributors dc:contributor
-
- Ehrenreich, Hannelore Prof. Dr. Dr.
- Kröner-Herwig, Birgit Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 59- 150 Psychologie
- Psychologie
- Neuroprotektion
- Amyotrophe Lateralsklerose
- klinische Sicherheitsstudie
- Melatonin
- Motoneurondegeneration
- oxidativer Stress
- reaktive Sauerstoffverbindungen
- transgene Modelle
- Alkoholabhängigkeit
- Neuropsychologie
- Hippocampus
- Abstinenz
- Regeneration
- Psychotherapie
- Neuroplastizität
- neuroprotection
- amyotrophic lateral sclerosis
- motoneuron degeneration
- oxidative stress
- reactive oxygen species
- transgenic models
- human safety trial
- alcoholism
- alcohol dependence
- neuropsychology
- psychotherapy
- abstinence
- neuroplasticity
- 44.90 Neurologie
- 44.91 Psychiatrie
- Psychopathologie
- 44.38 Pharmakologie
- 44.60 Medizinische Spezialfächer: Allgemeines
- 77.70 Klinische Psychologie
- 77.75 Verhaltenstherapie
- 77.71 Behandlung
- Rehabilitation: Allgemeines
- 77.74 Kognitive Psychotherapie
- 77.82 Rehabilitation
- 77.34 Lernpsychologie
- 77.31 Kognition
- MED 351: Pharmakologie
- MED 353: Pharmakotherapie
- MED 530: Neurologie - Allgemein- und Gesamtdarstellungen
- MED 550: Psychiatrie
- MED 611: Rehabilitation {Medizin}
- MED 541: Medizinische Psychologie
- FH 000: Klinische Psychologie
- FHA 100: Klinische Diagnostik, Psychotherapeutische Diagnostik {Klinische Psychologie}
- FHB 100: Neurologische und neuropsychologische Störungen, Sprachstörungen {Psychopathologie}
- FHB 400: Sucht - substanz- und nichtsubstanzgebunden, Suchtverhalten, Drogenabhängigkeit {Psychopathologie}
- FHC 400: Psychosoziale Versorgung, Gemeindepsychiatrie und -psychologie {Klinische Psychologie: Vorbeugung}
- FHD 000: Psychotherapie, Behandlung, Rehabilitation: Allgemeines {Psychologie}
- FHD 400: Verhaltenstherapie {Psychotherapie}
- FHD 450: Kognitive Therapie, Rational-emotive Therapie, Kognitive Verhaltenstherapie {Psychotherapie}
- FHD 950: Rehabilitationspsychologie, Rehabilitation
- FGG 000: Diagnostik allgemeiner Leistungen und spezieller Fähigkeiten, Eignungsdiagnostik {Psychologische Diagnostik}
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-212
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1496-8
webdoc-1496
550645640 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AC5D-4