Georg-August-Universität Göttingen
Kathodale transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) bei Gitarristen mit fokaler Dystonie
Abstract
dc:descriptionDie Musikerdystonie ist eine aufgabenspezifische Bewegungsstörung, die in einer schmerzlosen Beeinträchtigung der Feinmotorik besteht. Häufig tritt sie nach Phasen intensiven Übens auf. Bei der Pathophysiologie dieser fokalen Dystonie (FD) geht man von einem Mangel an Inhibition auf verschiedenen Ebenen des zentralen Nervensystems aus. Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist ein nicht invasives Verfahren zur Erzeugung von Neuroplastizität im menschlichen Kortex. Durch kathodale Stimulation wird die Erregbarkeit des Kortex vermindert. Wir gingen der Frage nach, ob eine kathodale tDCS über dem primärmotorischen Kortex bei Gitarristen mit FD in der Lage ist, gesteigerte kortikale Erregbarkeit (mangelnde Inhibition) zu reduzieren und damit eine fokussiertere neuronale Aktivität zu ermöglichen. Wir applizierten zehn von der FD betroffenen professionellen Gitarristen eine kathodale tCDS (2mA, 20 min) über dem primärmotorischen Kortex kontralateral zu der betrof! fenen Hand. Standardisierte Übungen mussten zu verschiedenen Zeitpunkten (vor, unmittelbar nach und 60 min nach Stimulation) gespielt und sowohl subjektiv als auch objektiv beurteilt werden. Die objektive Beurteilung erfolgte durch drei unabhängige Rater, die Videomitschnitte der einzelnen Probanden anhand verschiedener Kriterien zu beurteilen hatten. Die statistische Auswertung erfolgte mithilfe einer zweifaktoriellen Varianzanalyse [Faktor 1: Stimulationsbedingung (tCDS und Placebostimulation), Faktor 2: Zeitpunkt (vor, unmittelbar nach und 60 min nach Stimulation)] und einem gepaarten T-Test. Betrachtet man den Mittelwert aus allen Probanden zu den unterschiedlichen Zeitpunkten, muss man zusammenfassend sagen, dass es unter kathodaler tDCS keinen deutlich positiven Effekt auf die Spielfähigkeit gab. Auch die gemittelte Selbsteinschätzung der Probanden bestätigt dies. Betrachtet man die Probanden einzeln, war Proband 1 der einzige unter kathodaler tDCS profitierende! Gitarrist. Ihn unterscheidet eine weniger fokale, den gesamte! n Untera rm betreffende Form der Dystonie von den übrigen Probanden. Neben den Ergebnissen zur kathodalen tDCS ergab eine Erhebung der Ängstlichkeit der Probanden mithilfe des State-Trait-Angstinventars nach Laux et al. eine gesteigerte Ängstlichkeit (Trait) unserer zehn Probanden gegenüber der Normalbevölkerung. Dies bestätigt die Ergebnisse früherer Studien von Altenmüller und Jabusch (Jabusch und Altenmüller 2004, Jabusch et al. 2004b), wonach eine gesteigerte Ängstlichkeit ein Triggerfaktor bei der Entwicklung einer FD ist. Auch die Erhebung der kumulativen Übezeit zeigt, dass der Zeitpunkt des Auftretens der FD häufig während oder unmittelbar nach Phasen sehr intensiven Übens ist.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Weidenmüller, Matthias
- Contributors dc:contributor
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- Nitsche, Michael Prof. Dr.
- Zirn, Birgit PD Dr. Dr.
- Oppermann, Martin Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 18- 610 Medizin, Gesundheit
- Medicine
- Musikerdystonie
- fokale Dystonie
- kathodale transkranielle Gleichstromstimulation
- Neuroplastizität
- Ängstlichkeit
- State-Trait-Angstinventar
- kumulative Übezeit
- musician's dystonia
- focal dystonia
- cathodal transcranial direct current stimulation
- neuroplasticity
- anxiety
- state-trait-anxiety-inventory
- cumulative practice-time
- 44.90 Neurologie
- MED 530 Neurologie
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-898
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2727-2
webdoc-2727
645051187 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-B161-6