Georg-August-Universität Göttingen
Die Arzt-Patient-Beziehung in der ambulanten Schizophreniebehandlung und ihre Bedeutung für die Compliance aus Sicht der Patienten
Abstract
dc:descriptionAusgangspunkt: Schizophrene Patienten werden ambulant meist sowohl durch Psychiater als auch durch Hausärzte betreut. Aus Sicht der Patienten untersuchten wir zum einen die Rolle des jeweiligen Arztes, zum anderen die Einflussfaktoren auf Compliance in der Betreuung. Methode: In Göttingen, Hildesheim, Kassel und Gießen wurden Interviews mit schizophrenen Patienten geführt. Die Patienten wurden gebeten, die Bedeutung der verschiedenen Ärzte für ihre Behandlung, die Merkmale einer guten therapeutischen Beziehung und die Einflussfaktoren auf Compliance aus ihrer Perspektive zu schildern. Die Interviews wurden mit qualitativen Methoden in Anlehnung an den Editing Analysis Style nach Crabtree und Miller analysiert. Ergebnisse: Es wurden insgesamt 20 Interviews geführt und ausgewertet. Die Patienten äußerten genaue Vorstellungen von den Zuständigkeitsbereichen des jeweiligen Arztes: der Hausarzt war überwiegend für die körperliche und der Facharzt für die seelische Gesundheit zuständig. Dennoch nahm der Hausarzt auch in der psychiatrischen Behandlung eine definierte Rolle ein, etwa indem er bei Erkrankungsbeginn als Gatekeeper fungierte oder im Verlauf die vom Facharzt eingesetzte Therapie fortführte. Patientenbezogene Faktoren, Beziehungsaspekte und medikamentengebundene Faktoren beeinflussten nach Meinung der Befragten die Compliance. Eigene Erfahrungen mit positiven Medikamentenwirkungen wurden am häufigsten als stabilisierender Einfluss auf die Compliance genannt. Aber auch negative Folgen von Noncompliance waren manchmal ein wichtiger Beweggrund für die aktuelle Therapietreue. Die Ausbildung einer guten therapeutischen Beziehung war nach Darstellung der Patienten vor allem von kommunikativen Aspekten, der Kompetenz des Arztes und Passung zwischen Arzt und Patient abhängig. Vom Hausarzt wünschten die Patienten eine gute psychiatrische Fachkenntnis, Empathie sowie soziale und kommunikative Qualitäten. Außerdem wollten sie bei therapeutischen Entscheidungen beteiligt werden. Diskussion: Hausärzte nehmen in der Behandlung schizophrener Patienten in erster Linie die Rolle eines "Körperarztes" ein. Bei Erkrankungsbeginn, im Bereich der Früherkennung, der Verordnung (oder Weiterververordnung) antipsychotischer Medikamente und der begleitenden psychosozialen Patienten- und Familienbetreuung sind sie aber für viele Patienten auch medizinischer Fachmann und kompetenter Ansprechpartner. Daraus ergibt sich für Hausärzte die Notwendigkeit profunder Kenntnisse von Früherkennungszeichen, Psychopathologie und Psychopharmakologie sowie einer funktionierenden Kooperation mit psychiatrischen Fachkollegen. Der wiederholt von den Patienten geäußerte Wunsch nach stärkerer Einbindung in den therapeutischen Entscheidungsprozess legt die (ggf. modifizierte) Anwendung des Shared Decision-Modells auch bei der ambulanten Behandlung schizophrener Patienten nahe.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Tenbieg, Anke
- Contributors dc:contributor
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- Rogausch, Anja Dr.
- Himmel, Wolfgang Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 15Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-700
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1518-6
webdoc-1518
60097992X - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AF35-8