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Freie Universität Berlin

Inklusion und Bildungsstandards – gegensätzliche Anforderungen für Unterricht und Leistungsbeurteilung?

Abstract

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In deutschsprachigen Schulsystemen treffen aktuell die Reformansätze der Inklusion und der Bildungsstandards aufeinander, wodurch ein vielschichtiger bildungswissenschaftlicher Diskurs um deren Vereinbarkeit ausgelöst wurde. Jedoch liegt kaum Evidenz dazu vor, ob und inwiefern Lehrkräfte mit diesen aktuell bedeutsamen Reformen unterschiedliche oder gar gegensätzliche Anforderungen verbinden. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde unter Rückgriff auf sozialpsychologische und erziehungswissenschaftliche Theorien empirisch untersucht, wie sich in der Literatur diskutierte potentielle Gegensätze zwischen Inklusion und Bildungsstandards aus der Sicht von Lehrkräften darstellen. Dabei wurden Aspekte der Unterrichtsgestaltung (Studie 1) ebenso betrachtet wie Aspekte der Leistungsbeurteilung (Studie 1 und Studie 2) und Konsequenzen, die mit der Hervorhebung unterschiedlicher Beurteilungsmaßstäbe im Kontext beider Reformen für die Leistungsbeurteilung bestimmter Schülergruppen verbunden sein können (Studie 3). Die experimentell angelegte Studie 1 untersuchte auf Basis der theoretischen Unterscheidung von Sicht- und Tiefenstrukturen des Unterrichts (Oser & Baeriswyl, 2001) und der Theorie der Bezugsnormorientierung (BNO, Rheinberg, 1980) an einer Stichprobe von N = 135 Lehrkräften im Vorbereitungsdienst, inwiefern diese mit Inklusion und Bildungsstandards eine jeweils andere Unterrichtsgestaltung und Leistungsbeurteilung verbinden. Dabei wurden zwei Perspektiven der Unterrichtsbeschreibung (Selbst- und Fremdeinschätzung) kontrastiert. Die Ergebnisse zeigten, dass sich aus Lehrersicht inklusiver Unterricht von standardorientiertem Unterricht hinsichtlich der Umsetzung zentraler Merkmale von Unterrichtsqualität und hinsichtlich der darin auftretenden BNO bei der Leistungsbeurteilung unterscheidet. Berichtete Unterschiede waren zum Teil auf Einstellungen zu und Erfahrungen mit beiden Reformen sowie diesbezügliche Selbstwirksamkeitserwartungen seitens der Lehrkräfte zurückzuführen und variierten mit der Perspektive, aus der Unterricht beschrieben wurde. Davon ausgehend, dass Inklusion und Bildungsstandards unterschiedliche Bezugsnormen bei der Leistungsbeurteilung (Rheinberg, 1980) implizieren, untersuchte die experimentell angelegte Studie 2 anhand einer Stichprobe von N = 57 Lehrkräften im Vorbereitungsdienst, inwiefern eine Auseinandersetzung mit Bildungsstandards oder Inklusion in Abhängigkeit von den Einstellungen zu diesen Reformen zur Anwendung unterschiedlicher Bezugsnormen führt. Die Auseinandersetzung mit Bildungsstandards zog bei Lehrkräften mit einer positiven Einstellung zu diesen eine schwächer ausgeprägte individuelle BNO sowie tendenziell eine stärker ausgeprägte soziale BNO nach sich, während diese bei Personen mit einer negativen Einstellung zu Bildungsstandards zu einer stärker ausgeprägten individuellen BNO und tendenziell zu einer schwächer ausgeprägten sozialen BNO führte. Die Auseinandersetzung mit Inklusion beeinflusste die BNO hingegen nicht, weder bei positiver noch bei negativer Einstellung zu Inklusion. Da im Kontext beider Reformen unterschiedliche Maßstäbe der Leistungsbeurteilung hervorgehoben werden, untersuchte Studie 3 mögliche Konsequenzen der Anwendung subjektiver und objektiver Beurteilungsskalen für die Leistungsbeurteilung stereotypisierter Schülergruppen, wobei die sozialpsychologische Shifting-Standards-Theorie (z.B. Biernat, Manis & Nelson, 1991) zugrunde gelegt wurde. Die Studie gliederte sich in zwei experimentelle Vignettenstudien, wobei Teilstudie 1 (N = 115 Lehramtsstudierende) negative Stereotype gegenüber Mädchen in Mathematik fokussierte und Teilstudie 2 (N = 265 Lehramtsstudierende) negative Stereotype gegenüber türkischstämmigen Schülern in Deutsch. In beiden Teilstudien wurde jeweils das Mitglied der stereotypisierten Schülergruppe bei gleicher Leistung auf der objektiven Beurteilungsskala negativer eingeschätzt als das Mitglied der nicht stereotypisierten Schülergruppe, während sich auf der subjektiven Beurteilungsskala kein Unterschied in der Einschätzung beider Schülergruppen zeigte. Die Ergebnisse der drei Studien weisen auf bedeutsame Aspekte hin, hinsichtlich derer aus der Sicht von Lehrkräften unterschiedliche Anforderungen mit Inklusion und Bildungsstandards verbunden sein können, und tragen somit Erkenntnisse zur wahrgenommenen Vereinbarkeit beider Reformen in Bezug auf Unterrichtsgestaltung und Leistungsbeurteilung bei. Abschließend werden aus den Ergebnissen Vorschläge für die pädagogische Praxis sowie weitere Fragestellungen für die zukünftige Forschung abgeleitet.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Holder, Katharina

Subjects

dc:subject × 8

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Language dc:language
ger, eng

Identifiers

dc:identifier.*

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Harvested from
Freie Universität Berlin
Base URL
refubium.fu-berlin.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Holder, Katharina. Inklusion und Bildungsstandards – gegensätzliche Anforderungen für Unterricht und Leistungsbeurteilung?. 2019. https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/24135