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Universität Tübingen

Clonidin als Adjuvans zur perioperativen Stressabschirmung während mikrolaryngoskopischer und panendoskopischer Eingriffe in der HNO

Abstract

Dok. 1: Komplettversion mit Text und Anhang (Graphiken im Anhang schlecht lesbar) Dok. 2: Textversion ohne Anhang Dok. 3: Anhang mit besser lesbaren Graphiken ************************************************************* Hintergrund der Studie: Die Narkoseführung bei mikrolaryngoskopischen Eingriffen in der HNO ist bezüglich der hämo-dynamischen Stabilität und der betroffenen Patienten, die häufig kardiale und pulmonale Vorerkrankungen haben oft eine Herausforderung für den Anästhesisten. Unzureichende medikamentöse Stressabschirmung führt zu tachykarden und hypertensiven Phasen, die bei dafür prädisponierten Patienten zu perioperativen myokardialen Ischämien führen können. Es handelt sich um kurze, meist diagnostische Eingriffe, bei denen Phasen maximaler Stimulation durch die endoskopi-schen Operationsinstrumente mit Phasen geringer Reizintensität wechseln. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, welches von 4 TIVA-Verfahren (Totale IntraVenöse Anästhesie) die beste perioperative hämodynamische und endokrine Stabilität für diese Eingriffe bietet. Patienten, Material und Methoden: In einer klinisch-prospektiven und Placebo-kontrollierten Studie wurden 56 Patienten (ASA I-III, 18-75 Jahre), die sich einem elektiven mikrolaryngoskopischen oder panendoskopischen Eingriff in der HNO unterziehen mussten untersucht. Die Patienten wurden nach einer Blockrandomisierung auf 4 Studiengruppen mit ver-schiedenen TIVA-Kombinationen verteilt. Alle TIVAs wurden mit Propofol als Hypnotikum durchgeführt. Als Opioide ka-men entweder Alfentanil oder Remifentanil zum Einsatz. Die Patienten der Verumgruppe erhielten 30 Minuten präoperativ eine Kurzinfusion von 4µg/kg/KG Clonidin; den Placebopatienten wurden 100 ml NaCl verabreicht. Daraus ergibt sich ein 4-armiges Studiendesign mit den Variablen Remifentanil, Alfentanil, Clonidin und Placebo. Für den perioperativen Zeit-raum erfolgte eine kontinuierliche Online-Aufzeichnung des invasiv gemessenen arteriellen Blutdrucks und der Herzfre-quenz. An vorher im Studienprotokoll definierten Zeitpunkten wurde den Patienten Blut entnommen, um eine anschlie-ßende Bestimmung der Plasmakatecholamine mittels Hochdruck-Flüssigkeitschromatographie (HPLC) durchzuführen. Zusammenfassung der Ergebnisse: Remifentanil bietet im Vergleich zu Alfentanil einen deutlich besseren Schutz vor tachykarden und hypertensiven Episoden in der intraoperativen Phase. Die Kombination aus Clonidin und Remifentanil verhinderte Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg bei der Intubation am effektivsten; ebenso war die endokrine Stressab-schirmung in dieser Studiengruppe am ausgeprägtesten. Die Patienten der Placebo-Alfentanil-Gruppe waren sowohl hä-modynamisch als auch endokrin am schlechtesten abgeschirmt. Auch hier konnten wir eine Verbesserung der Stresspro-tektion durch die adjuvante Clonidingabe feststellen. Die Effektivität der CR-Kombination konnte jedoch nicht erreicht werden. Die Remifentanilpatienten zeigten in Relation zu ihren Ausgangswerten vermehrt Blutdruckabfälle während der intraoperativen Phase. Kritische Blutdruckabfälle waren hingegen nicht häufiger zu verzeichnen, als in den anderen Stu-diengruppen. Die adjuvante Gabe von Clonidin führte in der Kombination mit Remifentanil nicht zu stärkeren Blutdruckab-fällen. Während der Extubations- und frühen postoperativen Phase waren die Patienten der Placebo-Remifentanil-Gruppe (PR) hämodynamisch am schlechtesten abgeschirmt. Durch die Zugabe von Clonidin können jedoch hypertensive und tachykarde Phasen, sowie erhöhte Noradrenalin-Plasmakonzentrationen auch in dieser Phase deutlich reduziert werden. Schlussfolgerungen: In der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass bei mikrolaryngoskopischen Eingriffen Remifentanil als analgetische Komponente einer TIVA besser als Alfentanil geeignet ist tachykarde und hypertensive Epi-soden während der intraoperativen Phase zu reduzieren. Das kurzwirksame Remifentanil ermöglicht eine ideale Anpas-sung der Opioidabschirmung an die schnell wechselnden Phasen mit sehr intensiven Stimulationen gefolgt von nahezu völlig reizfreien Perioden. Auch bei unvorhergesehenem frühen Ende des Eingriffs, oder einer zusätzlichen Kontrolle vor OP-Ende durch einen erfahreneren Operateur, kann durch Remifentanil eine adäquate Stressprotektion bis kurz vor Ende des Eingriffs gewährleistet werden. Durch die Kombination von Clonidin und Remifentanil können hyperdyname Kreis-laufsituationen und Anstiege von Plasmakatecholaminen weiter reduziert werden. Während der Extubation und frühen postoperativen Phase schneidet die Kombination aus Placebo und Remifentanil bezüglich der Stressprotektion allerdings am schlechtesten ab. Obwohl die untersuchten Patienten in der Regel keine postoperativen Schmerzen hatten, zeigte vor allem die PR-Gruppe ausgeprägte sympathikoadrenerge Stressreaktionen in der frühen postoperativen Phase. Durch die adjuvante Gabe von Clonidin konnte in dieser Phase die Stressreaktion deutlich reduziert werden. Nach unseren Ergeb-nissen ist somit die Kombination aus Clonidin und Remifentanil für diese Eingriffe das am geeignetste Narkoseverfahren. Wenn Clonidin in der hier verwendeten Dosierung gegeben werden soll, muss im Sinne der Patientensicherheit über den Infusionszeitraum ein kontinuierliches Monitoring der Herz-Kreislauffunktion bestehen und auf eine ausreichende Flüssig-keitssubstitution geachtet werden, um unerwünschte kritische Blutdruck- und Herzfrequenzabfälle zu vermeiden.

Author and committee

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Author
  • Kieber, Thomas

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Identifier
hdl:10900/44409

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Last updated
2026-08-21
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Kieber, Thomas. Clonidin als Adjuvans zur perioperativen Stressabschirmung während mikrolaryngoskopischer und panendoskopischer Eingriffe in der HNO. 2003.