Universität Potsdam
Die Umsetzung einer dekolonialen politischen Bildung im Unterricht
Abstract
dc:description.abstractDie politische Bildung steht vor der Herausforderung, koloniale Machtstrukturen und rassistische Denkweisen, die tief in gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten verwurzelt sind, kritisch zu hinterfragen. Obwohl die Relevanz dekolonialer Perspektiven zunehmend anerkannt wird, bleibt ihre praktische Umsetzung im Schulunterricht häufig eine theoretische Forderung. Lehrkräfte sind dabei zentrale Akteur*innen, die durch ihre Unterrichtsgestaltung entweder zur Reproduktion von Ungleichheiten oder zur kritischen Reflexion und Transformation beitragen können. Jedoch fehlen bisher ausreichende empirische Untersuchungen, wie dekoloniale Ansätze im Unterricht konkret realisiert werden können. Die Masterarbeit untersucht die Implementierung dekolonialer politischer Bildung im Unterricht und stützt sich auf leitfadengestützte Interviews mit fünf Lehrkräften aus Berlin und Brandenburg. Durch leitfadengestützte Interviews mit einer Dauer von 45 bis 60 Minuten wurden Begriffsdefinitionen, Motivationen zur Thematisierung dekolonialer Inhalte, Unterrichtsgestaltung sowie Herausforderungen und Wünsche der Lehrkräfte erhoben und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Umsetzung dekolonialer Ansätze maßgeblich durch individuelle Motivationen, institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Kontexte beeinflusst wird. Besonders der post-migrantische Raum Berlin wurde als prägend hervorgehoben, da viele Schüler*innen von Rassismus betroffen seien und die Lehrkräfte bestrebt sind, deren Lebensrealitäten in den Unterricht zu integrieren. Ein Lernarrangement auf Augenhöhe, unterstützt durch Authentizität, Reflexivität und starke Beziehungsebenen, wurde als zentrale Gelingensbedingung identifiziert. Die Lehrkräfte fordern strukturelle Maßnahmen und eine stärkere institutionelle Unterstützung, um dekoloniale Bildung breiter zu verankern. Sie betonen, dass dekoloniale Ansätze ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sind und wünschen sich eine intensivere Auseinandersetzung mit Positioniertheit sowie eine stärkere Integration in die Lehramtsausbildung und -fortbildung. Ziel ist es, ein diskriminierungsfreies und empowerndes Lernumfeld zu schaffen, das Macht- und Herrschaftskritik mit anderen Themenbereichen verbindet und intersektionale Perspektiven einbindet. Die Arbeit bietet praxisorientierte Handlungsempfehlungen, um Machtverhältnisse und Wissensstrukturen im Bildungsbereich kritisch zu hinterfragen und diskriminierungsfreie, empowernde Lernumfelder zu schaffen.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- master
- Grantor dc:publisher
- Universität Potsdam
- Year
- 2024
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Schmidt, Vanessa
- Contributors dc:contributor
-
- Girnus, Luisa
- Dannemann, Udo
Subjects
dc:subject × 10Rights
dc:rights- Statement dc:rights
-
- CC-BY-NC - Namensnennung, nicht kommerziell 4.0 International
Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://publishup.uni-potsdam.de/frontdoor/index/index/docId/66951
- OAI identifier oai:identifier
- oai:kobv.de-opus4-uni-potsdam:66951