Georg-August-Universität Göttingen
Hausärztliche Behandlung des Tinnitus aurium aus der Perspektive von Patienten und Hausärzten
Abstract
dc:descriptionEinleitung und Ziel: Die Versorgungssituation von Tinnituspatienten ist aufgrund mangelnder diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten sowie durch häufig chronische Verläufe mit hohem Leidensdruck der Betroffenen sowohl für Hausärz-te als auch für die Patienten unbefriedigend. Hieraus erwachsende Probleme so-wie mögliche Lösungswege waren bisher nur unzureichend Gegenstand der For-schung. Ein tieferes Verständnis der Erwartungen von Tinnituspatienten an die hausärztliche Versorgung und ein Abgleich mit den hausärztlichen Handlungswei-sen könnte zu einer verbesserten Arzt-Patient-Beziehung und einer effektiveren Versorgung beitragen. Methode: Nach Pilotierung der Interviewleitfäden wurden problemzentrierte Tele-foninterviews mit Hausärzten und Tinnituspatienten aus ihrer Praxis geführt, um Erwartungen, Aufgaben- und Rollenverständnis von Ärzten und Patienten sowie Strategien der Hausärzte bei der Versorgung von Tinnituspatienten zu explorieren. Die Interviews wurden auf Tonband aufgezeichnet, transkribiert, in die Software Atlas.ti übertragen und nach dem Editing Analysis Style von Crabtree und Miller ausgewertet. Ergebnisse: Es wurden 18 Hausärzte und 29 Tinnituspatienten interviewt. Die von den Ärzten beschriebenen Aufgaben und Rollenfunktionen (z.B. Koordination) stimmten größtenteils mit den in dieser Studie explorierten Patientenerwartungen überein. Differenzen zwischen der Perspektive der Ärzte und der Patienten wurden teilweise hinsichtlich der therapeutischen Maßnahmen beim chronischen Tinnitus deutlich. Angesichts hier nicht zu erfüllender Erwartungen reagierten einige Ärzte mit negativen Emotionen (z.B. Ohnmacht oder Erfolgsdruck). Diese resultierten zum Teil in Strategien, die den Patientenanforderungen bzw. den eigenen emotionalen Reaktionen Rechnung trugen (z.B. Polypragmasie). Als effektive Strategien erwiesen sich die vermehrte Patientenbeteiligung mit Förderung der Eigeninitiative (z.B. geteilte Verantwortungsübernahme) sowie die behutsame Vorbereitung auf eine mögliche Chronifizierung der Ohrgeräusche. Sowohl die befragten Ärzte als auch die Patienten betonten den Stellenwert einer qualitativ hochwertigen Arzt-Patienten-Beziehung zur Unterstützung der Patientenmitarbeit. Schlussfolgerung: Die hohen Erwartungen vieler Patienten mit Tinnitus können bei Hausärzten angesichts begrenzter Therapieoptionen zu negativen Emotionen und Anwendung vielfältiger Strategien zur Bewältigung dieser Situation führen: Günstig erscheinen Strategien wie die von mehreren Hausärzten verwirklichte und von vielen Betroffenen erwünschte aktive Patientenbeteiligung, die behut-same Vorbereitung auf eine mögliche Chronifizierung und die Vermittlung realisti-scher Lösungsmöglichkeiten.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Wübker, Silvia
- Contributors dc:contributor
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- Kochen, Michael M. Prof. Dr.
- Ellies, Maik PD Dr.
Subjects
dc:subject × 13Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
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https://dx.doi.org/10.53846/goediss-701
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1524-9
webdoc-1524
576959235 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AF36-6