Georg-August-Universität Göttingen
Erklärung von Rechtschreibleistungen durch phonologische und auditiv-sensorische Informationsverarbeitungskompetenzen: Eine Untersuchung mit lese-/rechtschreibgestörten Kindern
Abstract
dc:descriptionDie hier beschriebene Arbeit hatte zum Ziel, eine zukünftige Nutzbarkeit des MMN-Paradigmas als physiologisches Frühdiagnostikum der Lese-/Rechtschreibschwäche zu prüfen. Zu diesem Zweck wurden Indikatoren der auditiv-sensorischen Verarbeitung (EEG-Paradigma der Mismatch Negativity; MMN) und Indikatoren der phonologischen Verarbeitung (kognitionspsychologische Konstrukte: phonologisches Arbeitsgedächtnis, Abruf aus dem Langzeitgedächtnis, phonologische Bewusstheit) bei lese-/rechtschreibschwachen Kindern erfasst und auf Gemeinsamkeiten hin untersucht. Es gelang der Nachweis einer weitreichenden Überschneidung von Varianzen beim Vergleich der Vorhersageleistung der MMN-Variablen mit der Vorhersageleistung der kognitionspsychologischen Konstrukte auf die Rechtschreibleistung. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen jedoch keine Verbesserung der Vorhersageleistung durch die Analyse der MMN-Variablen erkennen, da die Überschneidungen derart gestaltet sind, dass das Prädiktionspotenzial des ohnehin deutlich vorhersageschwächeren- EEGs vollständig in jenem der kognitionspsychologischen Konstrukte aufgeht. Die MMN-Variablen könnten eine Vorhersage der Rechtschreibleistung durch kognitionspsychologische Konstrukte somit zwar teilweise ersetzen, keinesfalls jedoch verbessern. Als frühes Diagnostikum der Lese-/Rechtschreibschwäche oder auch als eines, welches den aus den kognitionspsychologischen Konstrukten abgeleiteten Paper-Pencil-Tests als Alternative gegenüberstehen würde, kann das MMN-Paradigma zum aktuellen Stand der Forschung daher nicht betrachtet werden. Diesbezüglich gilt es jedoch, in Folgeversuchen einige vielversprechende Verbesserungsmöglichkeiten des EEG-Paradigmas zu berücksichtigen.Das Muster von MMN-Variablen, welches die Verarbeitungsschwächen von lese-/rechtschreibschwachen Kindern im Vergleich zu gesunden Kindern aufdeckt, lässt weiterhin Rückschlüsse auf die der Lese-/Rechtschreibschwäche zugrunde liegenden auditiv-sensorischen Defizite zu. Die Ergebnisse der Studie deuten diesbezüglich eher auf die Bedeutsamkeit eines auditiven Defizits bei der Verarbeitung rasch aufeinanderfolgender Reize ( temporal processing deficit , Tallal, 1980) hin, als auf den Einfluss eines Defizits der spezifisch sprachlichen Verarbeitung oder der auditiven Verarbeitung generell. Weiterhin fallen auf beiden Verarbeitungsebenen (auditiv-sensorische Ebene; kognitionspsychologische Ebene) Befunde auf, die als Mangel der Verarbeitungspräzision gedeutet werden müssen. Diese Befunde stehen im Einklang mit der von Kujala et al. (2000) formulierten Überlegung, ein Zeitfenster zur Integration einzelner Gedächtnisspuren zu einer Gesamtrepräsentation sei bei lese-/rechtschreibschwachen Personen verlängert und verwische auf diese Art und Weise deren Höreindruck.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Ulrich-Brink, Anette
- Contributors dc:contributor
-
- Banaschewski, Tobias PD Dr.
- Hasselhorn, Marcus Prof. Dr.
- Rothenberger, Aribert Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 25- 150 Psychologie
- Psychologie
- Lese-/Rechtschreibschwäche
- Legasthenie
- Mismatch Negativity
- MMN
- Arbeitsgedächtnis
- phonologische Bewusstheit
- phonologischer Speicher
- Verarbeitungspräzision
- temporal processing deficit
- auditiv-sensorische Verarbeitung
- Frühdiagnostik
- dyslexia
- spelling
- working memory
- phonological awareness
- phonological store
- processing accuracy
- auditory sensory processing
- early diagnosis
- 77.53 Entwicklungspsychologie: Allgemeines
- FCK 400 Sprachstörungen
- Teilleistungsschwächen
- Lernschwächen
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-542
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-361-0
webdoc-361
479002134 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AE54-6