Georg-August-Universität Göttingen
Prädiktion von Therapieerfolg und Verlauf psychiatrischer Komorbidität bei prognostisch benachteiligten Alkoholkranken
Abstract
dc:descriptionDie vorliegende Arbeit umfasst zwei Originalartikel, die sich mit Prädiktion von Therapieerfolg und Verlauf komorbider psychiatrischer Störungen bei schwer alkoholabhängigen Patienten beschäftigen.Originalartikel 1Hintergrund: Der Begriff CMA soll Aufschluss geben über Schwere der Abhängigkeit, Behandlungsbedarf und Prognose von Suchtkranken. Empirische Nachweise für die Validität dieses Konstruktes fehlen weitgehend.Fragestellung: Die vorliegende Studie untersucht Reliabilität und Validität von drei CMA-Checklisten, wobei der Fokus auf die prädiktive Validität gelegt wird.Methode: 112 alkoholkranke Patienten, ALITA-Teilnehmer, wurden mit drei CMA-Checklisten (AG-CMA, BML, GAD-Liste) eingeschätzt. Die Instrumente wurden hinsichtlich Itemkennwerte, Cronbachs alpha, kriterienorientierter Validität und Konstruktvalidität analysiert. Zur Bestimmung der prädiktiven Validität wurde überprüft, ob CMA unter Kontrolle der Schwere der Abhängigkeit, der Chronizität der Suchtkrankheit und der psychiatrischen Komorbidität die kumulative Abstinenzwahrscheinlichkeit während eines vierjährigen Zeitraumes vorhersagen kann.Ergebnisse: Reliabilität und Validität der drei CMA-Instrumente sind unbefriedigend, kriterienbezogene Validität und prädiktive Validität unzureichend. Während keine der CMA-Listen sich als signifikanter Prädiktor der kumulativen Abstinenzwahrscheinlichkeit erwies, zeigten die Variablen "Mindestens eine komorbide Persönlichkeitsstörung" (p < 0,01) und "Chronizität der Suchtkrankheit" (p < 0,05) einen hohen prädiktiven Gehalt.Schlussfolgerungen: Das Konstrukt CMA sollte zugunsten einer alternativen Schweregradbestimmung aufgegeben werden: als prognostisch benachteiligt werden Alkoholkranke bezeichnet, die eine komorbide Persönlichkeitsstörung und/oder einen Chronizitätsindex über 0,5 aufweisen. Sie haben erhöhten Bedarf an intensiver, umfassender und langfristiger Behandlung.Originalartikel 2Fragestellung: Es ist noch unerforscht, wie sich komorbide psychiatrische Störungen während der Suchttherapie verändern. Die vorliegende Studie untersucht zwei Fragestellungen: (1) den Verlauf komorbider Achse-I-Störungen bei chronisch alkoholkranken Patienten unter kontrollierter Abstinenz während der zwei Therapiejahre von ALITA; (2) den prädiktiven Wert von komorbiden Achse-I-Störungen und Achse-II-Störungen bei der Vorhersage des Rückfallgeschehens während eines Vier-Jahreszeitraumes.Methode: Es wurden umfassende psychiatrische, suchtassoziierte und soziodemographische Variablen von 89 Patienten zu Behandlungsbeginn (t1), nach sechs Monaten (t2), nach 12 Monaten (t3) und nach 24 Monaten (t4) erhoben. Abstinenz und Substanzkonsum wurden durch regelmäßige Analyse von Urin- und Blutproben während des gesamten Vier-Jahreszeitraumes überprüft. Die statistische Auswertung der Daten erfolgte mit speziellen nonparametrischen Tests für Langzeituntersuchungen an kleinen Stichproben und mit Überlebensanalysen.Ergebnisse: Zu Therapiebeginn wiesen 61.8% der Patienten mindestens eine Achse-I-Störung und 63.2% mindestens eine Achse-II-Störung (d.h. Persönlichkeitsstörung) auf. Die Häufigkeit von Achse-I-Störungen sank von t1 (59.0%), über t2 (38.5%), t3 (28.2%) zu t4 (12.8%) (p<.0001). Angststörungen remittierten eher langsam von t1 (43.6%) zu t3 (20.5%, p=.0086). Affektive Störungen fielen durch einen frühen Rückgang zwischen t1 (23.1%) und t2 (5.1%, p=.0387) auf, zeigten jedoch einen leichten Wiederanstieg zu t3 (10.3%). Während des vierjährigen Untersuchungszeitraumes betrug die kumulative Wahrscheinlichkeit, nicht rückfällig zu werden, .59. Zwei Prädiktoren haben einen starken negativen Einfluss auf die Abstinenzwahrscheinlichkeit: die Anzahl früherer stationärer Entgiftungsbehandlungen (p=.0013) und das Vorliegen von mindestens einer Persönlichkeitsstörung (p=.0106).Schlussfolgerungen: Die vorliegende Studie zeigt einen deutlichen Rückgang komorbider Achse-I-Störungen bei abstinenten chronisch alkoholkranken Patienten während der langfristigen und umfassenden Behandlung bei ALITA. Im Gegensatz zu Achse-I-Störungen, die keinen prädiktiven Gehalt für den langfristigen Rückfallverlauf aufweisen, können komorbide Persönlichkeitsstörungen und die Anzahl an früheren Entgiftungen das Rückfallgeschehen im vierjährigen Untersuchungszeitraum klar vorhersagen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Wagner, Thilo
- Contributors dc:contributor
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- Ehrenreich, Hannelore Prof. Dr. Dr.
- Kröner-Herwig, Birgit Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 21- 150 Psychologie
- Biologie
- Alkoholabhängigkeit
- ambulante Alkoholismustherapie
- Chronizität
- chronische psychische Störungen
- CMA;chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke
- komorbide Persönlichkeitsstörungen
- psychiatrische Komorbidität
- Schwere der Abhängigkeit
- Addiction severity
- Alcohol dependence
- chronicity
- chronic multimorbid addicted patients
- chronic psychiatric illness
- comorbid personality disorders
- outpatient alcoholism treatment
- prognosis
- psychiatric comorbidity
- 77.70 Klinische Psychologie; 77.75 Verhaltenstherapie; 77.71 Behandlung
- Rehabilitation: Allgemeines; 77.82 Rehabilitation
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-174
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-135-5
webdoc-135
484999710 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AC36-B