Freie Universität Berlin
Neuronale Autoantikörper bei Patienten mit malignem Melanom und deren Einfluss auf kognitive Funktion und neurologischen Status
Abstract
dc:description.abstractHintergrund: Neuronale Autoantikörper können bei klassischen paraneoplastischen neurologischen Syndromen, jedoch auch außerhalb von Tumorerkrankungen auftreten. Sie können gegen intra- oder extrazelluläre Antigene gerichtet sein und unterscheiden sich im Pathomechanismus, der Tumorassoziation und dem Therapieansprechen. Antikörper gegen extrazelluläre neuronale Oberflächenproteine wurden bei einer großen Anzahl von Patienten mit Tumorerkrankungen, einschließlich dem malignem Melanom, gefunden. Ihr Auftreten war dabei mit kognitiven Defiziten assoziiert und es fanden sich insbesondere Antikörper gegen N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren (NMDAR) vom IgA- und IgM-Isotyp. Bisher wurden diese Antikörper bei Patienten mit unklassifizierten Demenzen, aber auch bei gesunden Kontrollprobanden und bei anderen neurologischen Erkrankungen beschrieben. Prospektive systematische Untersuchungen über deren Auswirkungen auf kognitive Funktionen liegen bislang nicht vor. Methodik: In dieser Querschnittsstudie sollte an 157 Patienten mit malignem Melanom die Seroprävalenz neuronaler Autoantikörper untersucht werden. Zur Testung auf neuronale Antikörper im Serum wurden Zell-basierte Immunfluoreszenz-Verfahren mit Human-Embryonic-Kidney(HEK)293-Zellen und neuronale Gewebsfärbungen verwendet. Ein Teil der Patienten erhielt zudem eine detaillierte neurologische und neuropsychologische Untersuchung, wobei Patienten mit potentiellen Störfaktoren für die kognitive Leistung (Hirnmetastasen, Depression oder Schlaganfall) ausgeschlossen wurden. Ergebnisse: Neuronale Antikörper konnten bei 22,3% der Melanom-Patienten nachgewiesen werden. Insgesamt traten bei 17,8% der Patienten Antikörper gegen neuronale Oberflächenantigene auf. Am häufigsten lagen Antikörper gegen NMDAR vom IgA- und IgM-Isotyp vor (bei insgesamt 15,9%). Antikörper gegen intrazelluläre Antigene fanden sich bei 6,5% der Patienten. Nach den Kriterien der International Cognition and Cancer Task Force (ICCTF) hatten 36,9% der 84 neuropsychologisch getesteten Patienten eine kognitive Beeinträchtigung. Interessanterweise zeigten Antikörper-positive Patienten häufiger eine kognitive Beeinträchtigung gegenüber Antikörper-negativen Patienten (57,1% vs. 30,2%, Odds Ratio: 3,1, 95%CI: 1,1-8,6; p=0,037). Antikörper-positive Patienten wiesen darüber hinaus im Vergleich zu Antikörper-negativen Patienten signifikant häufiger Defizite in kognitiven Untertests sowie einen signifikant geringeren kognitiven Gesamtscore auf. Betroffene kognitive Domänen waren dabei das visuelle Gedächtnis, das Arbeitsgedächtnis sowie Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktion. Ähnliche Ergebnisse folgten aus einer Subgruppenanalyse mit den NMDAR-Antikörper-positiven Patienten. Bei diesen Patienten wurde zusätzlich eine Titer-abhängige Zunahme des Auftretens kognitiver Beeinträchtigungen erkennbar. Eine positive Anamnese für Autoimmunerkrankungen war signifikant häufiger mit einem NMDAR-Antikörper-Nachweis assoziiert. Auch wiesen Patienten unter der Therapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Ipilimumab signifikant häufiger neuronale Antikörper auf. Antikörper gegen intrazelluläre Antigene waren dagegen mit Auffälligkeiten in der neurologischen Untersuchung verbunden. Schlussfolgerung: Zusammenfassend zeigte sich, dass neuronale Antikörper einen möglichen Faktor in der Pathogenese von Tumor-assoziierten kognitiven Defiziten darstellen. Außerdem lässt sich schlussfolgern, dass bei kognitiven und neurologischen Auffälligkeiten bei Melanom-Patienten eine neuronale Antikörperdiagnostik in der diagnostischen Aufarbeitung erwogen werden sollte.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Strönisch, Timo
Subjects
dc:subject × 4Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-27494