Georg-August-Universität Göttingen
Zur Bedeutung des Hippocampus bei Schizophrenie und bipolaren affektiven Störungen - Eine magnetresonanzvolumetrische Untersuchung
Abstract
dc:descriptionHINTERGRUND: Aufgrund der Symptomatik und der kognitiven Defizite, mit denen bipolare affektive Störungen und Schizophrenie einhergehen, wird eine funktionelle Beteiligung der Hippocampusformation an den Pathomechanismen dieser Erkrankungen angenommen. In Hinblick auf hippokampale Volumenveränderungen finden sich in der Literatur jedoch inhomogene Angaben. Eine mögliche Erklärung dafür ist in heterogenen Patientenkollektiven zu vermuten. Daher ist es notwendig, neben der jeweiligen Diagnose, weitere Variablen als mögliche Einflussfaktoren der Hippocampusvolumina zu untersuchen.METHODIK: Für die Auswertung hochauflösender MRT-Scans kam ein neu entwickeltes Messprotokoll zum Einsatz. Die Hippocampusvolumina sowie das Gesamtvolumen der grauen Substanz von 38 Patienten mit einer Bipolar-I-Störung, 41 Patienten mit der Erstmanifestation einer schizophrenen Psychose und 53 gesunden Kontrollprobanden wurden ermittelt und miteinander verglichen. Die drei Gruppen wurden parallelisiert nach Alter, Geschlecht, Händigkeit und Bildungsdauer. Für alle Patienten sowie für die gesunden Kontrollprobanden wurden Informationen über Krankheitsverlauf, Medikation sowie neuropsychologische Testergebnisse generiert. Anschließend wurde die Korrelation zwischen diesen Informationen, den Testergebnissen und den ermittelten Volumina untersucht.ERGEBNISSE: Das Messprotokoll zeichnete sich durch eine hohe Intra- und Interraterreliabilität aus. Für die Patienten mit einer Bipolar-I-Störung wurde keine signifikante Volumenabweichung der Hippocampi nachgewiesen. Im Rahmen der neuropsychologischen Testung konnte eine schwächere Lernleistung festgestellt werden. Innerhalb der bipolaren Patientengruppe zeigte sich keine Korrelation zwischen Patienteninformationen und Hippocampusvolumina. Das überraschende Fehlen einer Korrelation zwischen Hippocampusvolumina und Einflussfaktoren wie etwa Einnahme von Lithium oder Neuroleptika oder Vorhandensein psychotischer Symptome könnte durch ungenügende Subgruppengrößen b edingt sein. Die Patientengruppe mit einer schizophrenen Erstmanifestation zeigte ein Volumendefizit des linken Hippocampus. Sie erreichte signifikant schwächere Testergebnisse in nahezu allen Bereichen der neuropsychologischen Testung, wobei eine Korrelation zwischen dem linken Hippocampusvolumen und der Lernleistung nachgewiesen wurde. Zudem konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Hippocampusvolumina und der Bewertung anhand der Positiv- und Negativ-Syndrom-Skala (PANSS) festgestellt werden.FAZIT: Lediglich für die Patientengruppe mit der Erstmanifestation einer Schizophrenie konnte ein signifikantes Volumendefizit des linken Hippocampus nachgewiesen werden, nicht jedoch für die Bipolar-I-Patienten. Für die Schizophreniepatienten wurde zudem eine Korrelation zwischen Hippocampusvolumina, Lernleistung und Punktwert auf der PANSS nachgewiesen. Diese Ergebnisse weisen auf eine Beteiligung des Hippocampus an der Pathogenese der Schizophrenie hin. Zudem verdeutlichen sie einen Zusammenhang zwischen dem verbalen Gedächtnis und der hippocampalen Integrität bei Patienten mit Schizophrenie. Unsere Resultate legen die Notwendigkeit einheitlicher Patientenkollektive für die Untersuchung hirnmorphologischer Veränderungen nahe. Die fehlende Korrelation zwischen Einflussfaktoren wie etwa Einnahme von Lithium oder Neuroleptika oder Vorhandensein psychotischer Symptome und den Hippocampusvolumina für manisch-depressive Patienten sollten in nachfolgenden Studien, an größeren Probandenkollektiven, weitergehend untersucht werden.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Heimes, Janina
- Contributors dc:contributor
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- Falkai, Peter Prof. Dr.
- Knauth, Michael Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 13Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
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https://dx.doi.org/10.53846/goediss-943
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2831-9
webdoc-2831
659039559 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-B19F-B