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Georg-August-Universität Göttingen

Untersuchung des CFL-Phänotyps ("congenital fused labia" ) in dem Neuweltaffen Common Marmoset (Callithrix jacchus) unter demographischen, physiologischen und zytogenetischen Gesichtspunkten

Abstract

dc:description

Die vorliegende Dissertation befasst sich mit dem Phänotyp der verschlossenen Vulva (congentital fused labia; CFL-Phänotyp) in jungen und erwachsenen weiblichen Weißbüschelaffen. Beim CFL-Phänotyp handelt es um einen Verschluss der beiden Labia majora durch ein bindegewebiges Häutchen in verschiedenen Ausprägungen. Im Deutschen Primatenzentrum Göttingen (DPZ) tritt solch ein Phänotyp in einer hohen Frequenz auf. Bis zum Zeitpunkt dieser Studie gab es nur sehr wenige wissenschaftliche Publikationen, die sich mit den Ursachen dieses Phänomens beschäftigt haben. So wurde von einigen Autoren vermutet, dass es sich hierbei um einen pathologischen Prozess handelt, der mit einer Maskulinisierung weiblicher Tiere einhergeht. Es war das Ziel der vorliegenden Arbeit, die Ursachen herauszufinden, die den CFL-Phänotyp hervorrufen. Dazu wurden Untersuchungen an 146 Weibchen auf anatomischer, genetischer, physiologischer, demographischer und zellulärer Ebene durchgeführt. Zunächst wurden die weiblichen Genitalien mit Hilfe eines einheitlichen Maßsystems gemessen und die charakteristischen Merkmale des CFL-Phänotyps dokumentiert, definiert und je nach Verschlusslänge der Vulva in 4 unterschiedliche Ausprägungsgrade (CFL-Grade) eingeteilt. Zur Evaluierung der genetischen und stammesgeschichtlichen Ursachen erfolgte eine Analyse der Populationsentwicklung in Gefangenschaft mit Hilfe von Stammbaumanalysen. Dabei konnte weder eine genetische Ursache für den CFL-Phänotyp gefunden werden, noch konnte nachgewiesen werden, dass der CFL-Phänotyp von einer externen Kolonie ins Deutsche Primatenzentrum Göttingen integriert worden war. Im Gegensatz dazu ergaben die physiologischen und demographischen Untersuchungen, dass das Körpergewicht sowohl der Mütter als auch der Töchter eine entscheidende Rolle bei der Ausprägung des CFL-Phänotyps spielt. Weiterhin ergaben Hormonanalysen, dass es eine signifikante Korrelation zwischen dem Androstendionspiegel und dem CFL-Grad gibt. Der Androstendionspiegel hängt wiederum signifikant von dem Gewicht der CFL-Weibchen ab. Je höher das Gewichtsniveau bei den Tieren war, desto höher war auch der Androstendionspiegel. Auf zellulärer Ebene wurde der natürlich vorkommende Cross-sex-Chimärismus (XX/XY) bei dieser Spezies im Hinblick auf eine mögliche Maskulinisierung und den dadurch hervorgerufenen CFL-Phänotyp untersucht. Dazu wurden sowohl klassische zytogenetische Methoden, wie die Giemsa- und DAPI-Färbung, als auch die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung für den Einsatz bei C. jacchus-Affen modifiziert und zur Untersuchung des Chimärismus etabliert. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ergab, dass bei einem erhöhten XX/XY-Chimärismus Weibchen auch ein höheres Gewichtniveau und einen erhöhten CFL-Grad aufwiesen. Die übergeordnete Instanz für alle diese Veränderungen scheint der Habitus der Mutter in Form eines metabolischen Syndroms, das die Gewichtsentwicklung und damit auch die Physiologie der Töchter beeinflusst. Auch der Cross-sex-Chimärismus in den Töchtern scheint vom Gewicht der Mutter beeinflusst zu sein. Der CFL-Phänotyp an sich gehört wahrscheinlich zu der normalen Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane bei C. jacchus-Weibchen, deren Vulvae sich normalerweise in der prä-pubertären Phase öffnen. Die eigenen Ergebnisse haben gezeigt, dass durch physiologische und zelluläre Veränderungen in Gefangenschaft dieser Prozess verhindert oder verzögert wird und es zu individuell unterschiedlichen Öffnungszeiten kommt. Mit zunehmender Zahl an Generationen in einer Primatenkolonie steigt der Anteil an geschlossenen Weibchen an. Es ist ein kumulativer Effekt, da mit jeder weiteren Generation der Habitus der Mütter extremer wird.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Wedi, Edris
Contributors dc:contributor
  • Michelmann, Hans Wilhelm Prof. Dr.
  • Bartels, Iris Prof. Dr.
  • Virsik-Köpp, Patricia Prof. Dr.

Subjects

dc:subject × 11

Rights

dc:rights
Language dc:language
ger

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-832
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2568-9
webdoc-2568
634455893
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AFBB-D

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source
Harvested from
Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Wedi, Edris. Untersuchung des CFL-Phänotyps ("congenital fused labia" ) in dem Neuweltaffen Common Marmoset (Callithrix jacchus) unter demographischen, physiologischen und zytogenetischen Gesichtspunkten. 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-AFBB-D