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Georg-August-Universität Göttingen

Arzt des Vertrauens: Präferenzen schizophrener Patienten für ihre haus- und fachärztliche Betreuung

Abstract

dc:description

Hintergrund: Unterschiedliche und teils nur bedingt voraussehbare Verläufe der Schizophrenie, die oft lebenslang erforderliche Medikation und die Dauerbetreuung der Patienten machen diese Erkrankung für die Betroffenen und die Behandler zu einer ständigen Belastung und Herausforderung. In der Literatur wird die kooperative Betreuung der Patienten durch Haus- und Nervenärzte postuliert. Ziel der Arbeit war es, zu untersuchen, mit welchen Erwartungen Patienten zum Haus- und Facharzt gehen und inwieweit sie mit ihrer derzeitigen Behandlungssituation zufrieden sind. Methode: Patienten mit Schizophrenie sollten in Form von Einzelinterviews mit einem standardisierten Fragebogen zu den Wünschen an den Haus- und Nervenarzt und zu der Bewertung dieser beiden Arztgruppen befragt werden. Der Fragebogen bestand aus 44 Fragen zu den Wünschen an den Arzt und 44 Fragen, in denen die Befragten ihre derzeitige Betreuung durch Hausarzt und Psychiater bewerten konnten. Vier offene Fragen sollten darüber Auskunft geben, in welchen Situationen die Patienten zu welchem Arzt (Hausarzt/Nervenarzt) gehen, ihre Gründe hierfür und welche Eigenschaften bzw. welches Verhalten Hausärzte und Nervenärzte haben sollten. Die Erhebung fand im Raum Eisenach bzw. Bad Driburg statt. In Eisenach wurden die Patienten über ambulante Haus- und Nervenarztpraxen, über Behindertenwerkstätten, Tageskliniken und Ambulanzen zur Befragung eingeladen, in Bad Driburg über eine Behindertenwerkstatt, eine Tagesklinik und die Ambulanz. Ergebnisse: Es wurden 111 schizophrene Patienten (Teilnahmequote 49 %) befragt. Für 97 % der 111 Befragten war der Nervenarzt der Hauptansprechpartner für seelische Probleme, für 3 Personen der Hausarzt und 22 % der Betroffenen ließen sich gelegentlich vom Hausarzt wegen der psychischen Erkrankung mitbehandeln. Als Hauptgrund für die Bevorzugung des Nervenarztes nannten 46 (42 %) der Betroffenen die fachliche Kompetenz. Im Hausarzt sahen 69 % der Befragten vorwiegend den Arzt für körperliche Probleme. Bei beiden Fachgruppen war den Patienten die Arzt-Patienten-Beziehung besonders wichtig, ebenso das Einhalten der Schweigepflicht und persönlicher Respekt. Die meisten Befragten waren mit beiden Arztgruppen in fast allen Bereichen sehr zufrieden, was überwiegend Noten von 8 und mehr auf einer 10-Punkte-Skala belegten. Tendenziell erhielt der Hausarzt in den für ihn typischen Aufgabengebieten wie Hausbesuche und körperliche Untersuchung um 3 Punkte bessere Noten als der Nervenar! zt. Der Nervenarzt erhielt dagegen als psychiatrischer Ansprechpartner eine positivere Bewertung (Notenunterschiede im Durchschnitt ebenfalls um 3 Punkte). Handlungsbedarf zur Verbesserung sahen die Patienten vor allem in der Früherkennung der Erkrankung, in der Erreichbarkeit und bei der Beratung und Information zum Krankheitsbild (Noten zwischen 3 und 6). Schlussfolgerung: Die in den letzten Jahren entstandene Arbeitsteilung zwischen Hausarzt und Facharzt bei der Betreuung von Schizophreniepatienten wird von den Be-troffenen größtenteils positiv bewertet. Der Hausarzt übernimmt vorrangig die Behand-lung der körperlichen Beschwerden, ist aber dennoch bei einem Teil der Patienten in die Behandlung der psychiatrischen Erkrankung involviert. Das legt eine Optimierung der hausärztlichen Ausbildung im Bereich der Psychiatrie nahe, z.B. durch Verlängerung des Ausbildungsabschnittes Psychiatrie oder durch patientennahe Fortbildungen. Besonders wichtig sind hierbei aus Sicht der Patienten vor allem die Früherkennung der Erkrankung und das rechtzeitige Erkennen eines Rezidivs sowie eine bessere Informationsgestaltung und Beratung der Patienten in sozialen Fragen. Gerade in diesen letztgenannten Bereichen sahen Patienten auch Handlungsbedarf für die nervenärztliche Betreuung.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Kühmel, Kirstin
Contributors dc:contributor
  • Himmel, Wolfgang Prof. Dr.
  • Falkai, Peter Prof. Dr.

Subjects

dc:subject × 14

Rights

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Language dc:language
ger

Identifiers

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Identifier
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-705
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1563-6
webdoc-1563
588957127
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AF3A-D

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source
Harvested from
Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Kühmel, Kirstin. Arzt des Vertrauens: Präferenzen schizophrener Patienten für ihre haus- und fachärztliche Betreuung. 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-AF3A-D