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Georg-August-Universität Göttingen

Untersuchungen zu Spinnengemeinschaften in Kakaoagroforstsystemen in Indonesien: Diversität, Netzdichte und räumlich-zeitlicher Artenaustausch

Abstract

dc:description

Hauptgrund f¨¹r den R¨¹ckgang des tropischen Regenwaldes mit seiner hohen Biodiversität ist die Ausdehnung landwirtschaftlicher Anbauflächen. Traditionelle Kakaoagroforstsysteme in Indonesien werden an Waldrändern etabliert und beherbergen eine Vielfalt an Schatten- und Fruchtbäumen. Somit stellen sie ein zusätzliches Einkommen der lokalen Bevölkerung bereit und können durch ihre multiple Stratenausprägung zu einem bedeutungsvollem Maß zum Erhalt der Biodiversität und den damit verbundenen Ökosystemleistungen beitragen. Jedoch f¨¹hren gegenwärtige Bewirtschaftungsmaßnahmen wie Abholzung von Naturwaldbäumen, Umwandlung in Monokulturen und intensiver Einsatz von Herbiziden und Pestiziden zu einer Habitatsimplifizierung und zum Artenverlust. Die Spinnengemeinschaften von 42 unterschiedlich bewirtschafteten Kakaoagroforstsystemen am Rande des Lore Lindu National Parks in Zentral Sulawesi, Indonesien wurden zur Verifizierung von Landschafts- und Bewirtschaftungseffekte auf Spinnendichte und Artenvielfalt untersucht. Im ersten Schritt wurde die Spinnennetzdichte von f¨¹nf netzbauenden Spinnengilden an insgesamt 420 Kakaobäumen (10 Bäume/Plot) im Hinblick auf Baum- bzw. Plantagenbewirtschaftung (Gehölzschnitt, Schattenbaumkultivierung) sowie auf Landschaftsebene (Höhenlange, Entfernung zum Wald) analysiert. Hinsichtlich Intraguilden Interaktionen wurde die Netzdichte der einzelnen Spinnengilden mit der Anwesenheit einer aggressiven Ameisengattung (Philidris sp.) korreliert. In einer weiteren Untersuchung wurde in 12 Kakaoplantagen die Spinnenfauna aus der Streu- und Krautschicht sowie aus den Baumkronen von Kakaobäumen hinsichtlich Abundanz, Diversität und Habitatanspr¨¹che untersucht. Diese Daten zur Grundlage nehmend, wurde im letzten Schritt räumliche und zeitliche Veränderungen in der Diversität im Hinblick auf Wechselbeziehung zu Habitatstrukturen, Schattenbaumdichte, Krautschichtdiversität und Entfernung zum Wald analysiert. An 420 Kakaobäumen konnten insgesamt 5147 Spinnennetze dokumentiert werden, wobei die einzelnen Spinnengilden in ihrer Netzdichte variierten und unterschiedlich auf Habitat- und Baumeigenschaften reagierten. Neben einzelnen Fangfäden, traten die radnetzspinnenden Familien wie Araneidae, Tetragnathidae und Uloboridae dominant an Kakaobäumen auf. Die gesamte Netzdichte war positiv korreliert mit der Öffnung des Kronenraumes aber auch mit der Anzahl an Schattenbäumen in einem Kakaoplot. Zudem ist die Höhenlage ein bestimmender Faktor f¨¹r die Verteilungsmuster der netzbauenden Spinnen. Es wurde keine intragildspezifische Konkurrenz zwischen der Ameisengattung Philidris und den netzbauenden Spinnen nachgewiesen, jedoch war eine erhöhte Besiedlungsdichte an Radnetzbauern an Kakaobäumen mit Ameisen auffällig. Ein Vergleich der Spinnenfauna der Streu-, Kraut- und Baumkronenschicht zeigte einerseits eine geringe Überschneidung des Artenspektrums und ferner eine hohe Variabilität der Spinnenzönose der Krautschicht. Kakaoplantagen mit einer ausgeprägten Krautschicht wiesen eine vielfältigere Spinnengemeinschaft sowie eine erhöhte Spinnenabundanz auf. In Kakaoplantagen mit einer dichten Streuauflage war jedoch eine Abnahme der Spinnendichte zu beobachten. Anscheinend haben vorhergehende Behandlungen der Kakaoplantagen mit Pestiziden und Herbiziden zu einer Abnahme an Destruenten wie Collembola gef¨¹hrt, welche eine der wichtigsten Komponenten im Streuzersetzungsprozess darstellen aber auch zum Beutespektrum von Spinnen zählen. Obwohl es mit der Entfernung zum Wald zu einer Verschiebung von Artdominanzen zu Gunsten von Generalisten kam, wies der Parameter Waldnähe keine Effekte auf die Diversität der Spinnengemeinschaften auf. Analysen zum zeitlichen und räumlichen Artenaustausch von Spinnen konnten zeigen, dass die Umsätze auf beiden Skalen hauptsächlich durch Parameter auf Plotebene beeinflusst worden und der Abstand zum Wald keine Auswirkung auf die Artenumsatzraten hatte. Hierbei war der Artenaustausch ¨¹ber die Zeit in Spinnengemeinschaften der Streu- und Baumkronenschicht signifikant positiv mit der Diversität der Schattenbäume korreliert. Diese Ergebnisse zeigen die Bedeutung von Turnoverraten zur Bestimmung von zeitlichen Diversitätsmustern von Spinnen in Agroforstsystemen und verweisen damit auf die Voraussetzung von Zeitreihenanalysen bei Untersuchungen zu intragildspezifischen Wechselwirkungen in Arthropodengemeinschaften und der ergebnisbasierenden Entwicklung von agroforstlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen. Mehr Studien sind erforderlich, welche den zeitlichen Aspekt von Artengemeinschaften in Verbindungen mit nachhaltiger Bewirtschaftung und den Erhalt von biologischer Vielfalt in Agroforstsystemen betrachten.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Stenchly, Kathrin
Contributors dc:contributor
  • Tscharntke, Teja Prof. Dr.
  • Schaefer, Matthias Prof. Dr.

Subjects

dc:subject × 21

Rights

dc:rights
Language dc:language
eng

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-393
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2658-9
webdoc-2658
642385068
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-ADC7-E

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Harvested from
Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Stenchly, Kathrin. Untersuchungen zu Spinnengemeinschaften in Kakaoagroforstsystemen in Indonesien: Diversität, Netzdichte und räumlich-zeitlicher Artenaustausch. 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-ADC7-E