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Georg-August-Universität Göttingen

Überzeugungen und Einstellungen zu Rückenschmerzen bei Deutschen und Taiwanern

Abstract

dc:description

Zusammenfassung Bei der Chronifizierung von Schmerzen sind psychosoziale Faktoren wichtige Prädikatoren. Die subjektive Beeinträchtigung, die Bewertung, Wahrnehmung und Interpretation des Schmerzes korrelieren mit chronischen Schmerzen häufig stärker als die objektive physiologische Ursache. Die Wahrnehmung und Interpretation von Schmerzen sind von sozialen Faktoren und der jeweiligen Kultur abhängig, darunter auch das Wissen der Bevölkerung über zur Verfügung stehende Heilmethoden gehört hierzu, denn das Laienwissen über Krankheit wird je nach akzeptierten Heilungsansätzen unterschiedlich konstruiert. Der Vergleich zwischen einem mitteleuropäischen Land, Deutschland, in dem biomedizinische Heilmethoden eine große Rolle spielen, und einem asiatischen Land, Taiwan, in dem - wie für viele asiatische Länder typisch - die Biomedizin durch traditionelle Heilungsmethoden (wie TCM, Ayurveda) ergänzt wird, die in der Bevölkerung weithin akzeptiert werden, erschien vor diesem Hintergrund besonders interessant. Ziel der Studie war es, verschiedene Dimensionen von Laienwissen bei Rückenschmerzen in Deutschland und Taiwan zu erheben und zu vergleichen. Das Laienwissen wurde in dieser Arbeit als Kausal- und Kontrollattributionen, Fatalismus und Stoizismus, sowie Behandlungsmöglichkeiten operationalisiert. Ein für diese Studie entwickelter Selbstbericht-Fragebogen wurde als Erhebungsinstrument eingesetzt. Die Stichprobe bestand aus jeweils zwei Gruppen von Rückenschmerzpatienten und gesunden Probanden aus Deutschland und Taiwan. Die Studie gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil war eine indirekte Messung der Überzeugungen zu Rückenschmerzen durch Vorgabe einer Fallvignette. Die Vignette bezog zwei Faktoren mit ein: "mit" vs. "ohne klaren medizinischen Befund" und "chronischer" vs. "akuter Schmerz". Die unabhängigen Variablen waren vier durch die Kombinationen der binären Paare erzeugten Faktoren. Die abhängige Variable war die Überzeugung zu Rückenschmerzen. Der zweite Teil enthielt eine direkte Messung der allgemeinen Einstellung zu chronischen Rückenschmerzen.Die Auswertung der Vignettenstudie zeigte, dass die taiwanischen im Vergleich zu den deutschen Probanden dazu tendierte, biomedizinische Attributionen zu benutzen. Unterschiede der psychosozialen Attributionen zwischen den beiden Kulturen und zwischen den beiden Gruppen (Kontroll- und Patientengruppen) konnten nicht bestätigt werden. Zwischen den Faktoren Kultur und Gruppe und den Faktoren Kultur und Schmerzstatus ergab sich ein Interaktionseffekt. Die Taiwaner beurteilten den von der Vignette beschriebenen Krankheitszustand eher fatalistisch als die Deutschen. Die psychosozialen Kausal- und Kontrollattributionen und Fatalismus waren bei den Vignettenversionen, in denen chronischer Schmerz beschrieben wird, stärker ausgeprägt als bei akutem Schmerz. Die Auswertung des Fragebogens zu den allgemeinen Einstellungen und Überzeugungen zeigte ein ähnliches Ergebnis wie das oben beschriebene: Die Taiwaner gaben eher biomedizinische Attributionen an, ihre Haltung gegenüber chronischen Schmerzen war generell eher von Stoizismus geprägt. Sie vertrauten dabei dennoch mehr auf verschiedene Behandlungsmöglichkeiten als die Deutschen.Kulturelle Unterschiede fanden sich bei den Überzeugungen in Bezug auf biomedizinische Kausal- und Kontrollattributionen, Fatalismus, stoische Haltung und Einstellungen zu Behandlungsmöglichkeiten. Das Ergebnis der fehlenden kulturellen Unterschiedlichkeit bei den psychosozialen Attributionen kann ein Hinweis darauf sein, dass die in der westlichen Kultur absichtlich getrennten Begriffe Biomedizin (oder Soma) und Psyche vielleicht Artefakte sind. Die Tendenz der taiwanischen Stichprobe, bei der die Probanden vorwiegend biomedizinische Kausal- und Kontrollattributionen benutzten, entspricht vielleicht der Diskussion über Somatisierung , dass nämlich die Asiaten dazu neigen, ihre (psychische) Krankheit zu somatisieren. Umgekehrt könnte man formulieren, dass die Deutschen ihren Krankheitszustand leicht zu psychologisieren neigen. Der Grund für die unterschiedliche Haltung gegenüber chronischen Rückenschmerzen (bzw. Stoizismus) und Einstellungen zu Behandlungsmöglichkeiten ist vielleicht in unterschiedlichen makro-soziokulturellen Bedingungen zu suchen, wie in den unterschiedlichen sozialen und Krankenversicherungssystemen.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Chuang, Ching-Ho
Contributors dc:contributor
  • Kröner-Herwig, Birgit Prof. Dr.
  • Stahl, Jutta PD Dr.

Subjects

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Rights

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Language dc:language
ger

Identifiers

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Identifier
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2156-1
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612191370
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AD63-C

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Harvested from
Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Chuang, Ching-Ho. Überzeugungen und Einstellungen zu Rückenschmerzen bei Deutschen und Taiwanern. 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-AD63-C