Abstract
dc:descriptionNestprädation gilt als ein Hauptparameter für die Selektion von Lebenszyklusmerkmalen bei Singvögeln. Als Reaktion kann die natürliche Selektion zum einen eine Vermeidung der Prädation bewirken, z.B. durch das heimliche Verhalten der Eltern, Verteidigung der Nester, Verminderung der Auffälligkeit eines Nestes durch Verringerung der Gelegegröße und durch die Wahl geeigneter Neststandorte. Weiterhin können evolutive Vorteile erzielt werden, indem der Effekt der Prädation durch schnelle Kompensation von Verlusten sowie eine Risikoverteilung auf mehrere Bruten vermindert wird. Dabei sind die jeweiligen Prädatoren entscheidend dafür, welche Strategie für einen Singvogel adaptiv ist. Neben der Auswertung von 2315 Nestfunden der Mönchsgrasmücke Sylvia atricapilla aus den Jahren 1981 bis 2000 wurden zwischen 1999 und 2001 201 Nester beobachtet, Neststandort-Parameter aufgenommen, 126 aktive Nester mit Videosystemen überwacht und 66-mal Fotofallen an 36 beköderten Nestern installiert. Zur Aufdeckung möglicher Multiprädatoreneffekte auf Neststandortselektion wurde außerdem im Frühjahr 2001 eine Vergleichsuntersuchung an 64 Nestern auf Mallorca durchgeführt, weil dort Rabenvögel als eine Prädatorengruppe fehlen. Die Prädationsrate beträgt im Mittel 50 %, ist vor Schlupf geringer als danach und nimmt dichteabhängig saisonal ab. Sie ist abhängig von der Einbettung einer Versuchsfläche in die Landschaft: Kleine, isolierte Flächen sind für Nester sicherer. Eichelhäher sind für 46 % der Prädationsereignisse verantwortlich, die verbleibenden verteilen sich auf 11 weitere Arten, zumeist Beutegreifer. Altvögel bleiben fast bis zum Eintreffen eines Prädators auf dem Nest und fliegen dann erst auf. Sie verteidigen Nester zumindest gegen kleine Nager, wie Vergleiche mit Fotofallen zeigten. Die Neststandortselektion ist das Resultat eines Multi-Prädatoren-Effektes: Niedrige Standorte werden Opfer von Säugern, hohe von Rabenvögeln, erfolgreiche Nester mitteln dazwischen. Insgesamt ist die Neststandortwahl sehr variabel. Auf Mallorca, wo keine Prädation festgestellt wurde, werden die Nester so angelegt, dass sie nach den Ergebnissen aus Südwestdeutschland sicher vor Säugern sind: hoch und an der Peripherie der Nistpflanze. Die Mönchsgrasmücke ist in der Lage, Brutverluste durch schnelles Nachlegen innerhalb der Saison zu kompensieren. Die Untersuchungen zu Risikoverteilung deuten unter Berücksichtigung methodischer Einschränkungen auf ein Wirkungsgefüge, dass die Gelegegröße der Mönchsgrasmücke unter dem Einfluss der Überlebenswahrscheinlichkeit optimiert, um mit einer höheren Sequenz von Brutversuchen Verluste auszugleichen: Die Gelegegröße sinkt mit der Prädationsrate in einem Wäldchen und ist in Jahren nach hoher Prädation geringer. Die Resultate sprechen nicht für eine Populationskontrolle der Prädatoren, da die Mönchsgrasmücke an Prädation adaptiert ist und das Prädatorenspektrum sehr divers ist.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Schaefer, Thomas
- Contributors dc:contributor
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- Berthold, Peter Prof. Dr.
- Schaefer, Matthias Prof. Dr.
- Schürmann, Eckhard Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 37- 570 Biowissenschaften, Biologie
- Biologie
- Video
- Neststandort
- Risikoverteilung
- Nachlegen
- Verhalten
- Fotofalle
- Multiprädatoreneffekt
- Rabenvögel
- Fragmentierung
- Gelegegröße
- Nestverteidigung
- Naturschutz
- Nestverluste
- Prädation
- Adaption
- Evolution
- Lebenszyklusmerkmale
- nestsite
- bet hedging
- relaying
- behaviour
- phototrap
- multi predator effect
- fragmentation
- clutch size
- nest defence
- conservation
- nest losses
- predation
- adaptation
- life history traits
- 42.83
- 42.65
- WN000
- WS
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-129
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1219-9
webdoc-1219
355361930 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AC0B-D