{"id":{"repo_id":"tuebingen","oai_identifier":"oai:publikationen.uni-tuebingen.de:10900/84333"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/tuebingen/oai:publikationen.uni-tuebingen.de:10900/84333","repository":{"repo_id":"tuebingen","name":"Universität Tübingen","base_url":"https://publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request"},"display":{"title":"Vergleich von autonomer Funktion und psychometrischer Testung bei Patienten mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung (F45.4) und gesunden Probanden","abstract":"Chronische Schmerzerkrankungen sind ein vielschichtiges Krankheitsbild und stellen sowohl für den Patienten selbst, als auch für die Gesellschaft und behandelnde Ärzte eine starke Belastung dar. Eindeutige ätiologische Zusammenhänge und somit sicher wirksame Therapiestrategien sind bisher jedoch nicht nachgewiesen worden. Weiterführende Untersuchungen für einen Zugewinn an Verständnis der Erkrankungen sind daher unerlässlich. Die vorliegende Studie untersuchte Patienten mit der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auf psychometrische und funktionell autonome Unterschiede im Vergleich zu gesunden Probanden. Aus der ambulanten und stationären Versorgung der Abteilung für Psychosomatik der Universitätsklinik Tübingen wurden 49 Patienten in die Studie eingeschlossen. Ihnen wurde ein spezifischer Fragebogen-Katalog ausgehändigt (Basisdokumentation, PHQ-D, PSQ, SF-36, FFbH-R, Chronic Pain Grade). Es erfolgte zudem eine rund 50 Minuten dauernde Untersuchung des autonomen Nervensystems mit- tels autonomer Testbatterie. Die Dokumentation beinhaltete die Aufzeichnung von Blutdruck und EKG inklusive der Werte der Herzratenvariabilität in einer anfänglichen Ruhephase, während den durchgeführten Stresstests sowie in den zwischengeschalteten Ruhephasen. Die durchgeführten Tests umfassten sowohl mentale (Stroop-Test, Rechentest), als auch physische (metronomische Atmung, Valsalva, Orthostase) Stressoren. Es wurden zehn Hypothesen, die sowohl die vermuteten Unterschiede in der autonomen Funktionstestung, als auch in der psychometrischen Testung umfassen, aufgestellt und mittels statistischer Auswertung überprüft. Dafür wurde retrospektiv ein Matching durchgeführt. Den 49 Patienten wurden mittels Alter und Geschlecht 49 gesunde Probanden zugeordnet, die zuvor die gleiche Testbatterie samt psychometrischer Testung durchlaufen hatten. Bei der Überprüfung der Hypothesen I bis IX zeigten sich Ergebnisse, die für eine Beeinträchtigung des autonomen Nervensystems der Schmerzpatienten im Sinne einer sympathischen Dominanz bei Verminderung der parasympathischen Komponente sprechen. Die Patienten wiesen signifikant höhere Ruhewerte auf, aber auch die Herzfrequenz unter den physischen Stresstests war signifikant höher als die der gesunden Probanden. Die Veränderungen der Herzrate von Ruhe zum jeweiligen Stresstest (∆HR) zeigten, dass sich die Herzrate der Probanden signifikant stärker steigerte, als es bei den Patienten der Fall war. Zudem erfolgte eine Auswertung von Subgruppen. Bei der Differenzierung nach Geschlecht zeigten die weiblichen Patienten signifikant höhere Herzraten in Ruhe und unter physischer Belastung sowie eine signifikant sympathischer dominierte Herzratenvariabilität in Ruhe, als bei den Probandinnen beobachtet werden konnte. Gleiches gilt für den Vergleich der jüngeren Patienten mit den jüngeren Probanden (Alters-Median). Beim Vergleich der BMI-Subgruppen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den höhergewichtigen Patienten und den ebenfalls über dem BMI-Median liegenden Probanden, was die Höhe der Herzrate in Ruhe und unter physischer Stresstestung angeht. Patienten, die regelmäßig Analgetika einnehmen unterschieden sich nicht von Patienten, die ohne analgetische Medikation auskommen. Auch die Angabe einer Depression als Komorbidität hatte keine signifikante Auswirkung auf die Ergebnisse. Die Auswertung der Fragebögen im Rahmen der X. Hypothese deckte – entsprechend der zur Grunde liegenden Annahmen – starke Beeinträchtigungen der Schmerzpatienten auf, was Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und Stressempfinden der Patienten angeht. Zusammengefasst ergibt sich das Bild von stark beeinträchtigten Menschen, die in der Untersuchung ihres autonomen Nervensystems eine fehlende Balance mit Tendenz zu einer verminderten vagalen Aktivität aufwiesen. Die Ergebnisse decken sich im Großen und Ganzen mit vergleichbaren Studien. Eine weitere Differenzierung der Patienten zur Identifizierung von Risikogruppen für verminderte Herzratenvariabilität sowie generell die weitere Erforschung der HRV-Analyse sind zukünftig unumgänglich. Die im Ausblick auf die aktuelle Forschung beschriebenen Therapieversuche zum HRV-Biofeedback scheinen, auch was Schmerzlinderung angeht, eine hoffnungsvolle Option zu sein.","abstract_html":"Chronische Schmerzerkrankungen sind ein vielschichtiges Krankheitsbild und stellen sowohl für den Patienten selbst, als auch für die Gesellschaft und behandelnde Ärzte eine starke Belastung dar. Eindeutige ätiologische Zusammenhänge und somit sicher wirksame Therapiestrategien sind bisher jedoch nicht nachgewiesen worden. Weiterführende Untersuchungen für einen Zugewinn an Verständnis der Erkrankungen sind daher unerlässlich. 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Die Dokumentation beinhaltete die Aufzeichnung von Blutdruck und EKG inklusive der Werte der Herzratenvariabilität in einer anfänglichen Ruhephase, während den durchgeführten Stresstests sowie in den zwischengeschalteten Ruhephasen. Die durchgeführten Tests umfassten sowohl mentale (Stroop-Test, Rechentest), als auch physische (metronomische Atmung, Valsalva, Orthostase) Stressoren. Es wurden zehn Hypothesen, die sowohl die vermuteten Unterschiede in der autonomen Funktionstestung, als auch in der psychometrischen Testung umfassen, aufgestellt und mittels statistischer Auswertung überprüft. Dafür wurde retrospektiv ein Matching durchgeführt. Den 49 Patienten wurden mittels Alter und Geschlecht 49 gesunde Probanden zugeordnet, die zuvor die gleiche Testbatterie samt psychometrischer Testung durchlaufen hatten. Bei der Überprüfung der Hypothesen I bis IX zeigten sich Ergebnisse, die für eine Beeinträchtigung des autonomen Nervensystems der Schmerzpatienten im Sinne einer sympathischen Dominanz bei Verminderung der parasympathischen Komponente sprechen. Die Patienten wiesen signifikant höhere Ruhewerte auf, aber auch die Herzfrequenz unter den physischen Stresstests war signifikant höher als die der gesunden Probanden. Die Veränderungen der Herzrate von Ruhe zum jeweiligen Stresstest (∆HR) zeigten, dass sich die Herzrate der Probanden signifikant stärker steigerte, als es bei den Patienten der Fall war. Zudem erfolgte eine Auswertung von Subgruppen. Bei der Differenzierung nach Geschlecht zeigten die weiblichen Patienten signifikant höhere Herzraten in Ruhe und unter physischer Belastung sowie eine signifikant sympathischer dominierte Herzratenvariabilität in Ruhe, als bei den Probandinnen beobachtet werden konnte. Gleiches gilt für den Vergleich der jüngeren Patienten mit den jüngeren Probanden (Alters-Median). Beim Vergleich der BMI-Subgruppen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den höhergewichtigen Patienten und den ebenfalls über dem BMI-Median liegenden Probanden, was die Höhe der Herzrate in Ruhe und unter physischer Stresstestung angeht. Patienten, die regelmäßig Analgetika einnehmen unterschieden sich nicht von Patienten, die ohne analgetische Medikation auskommen. Auch die Angabe einer Depression als Komorbidität hatte keine signifikante Auswirkung auf die Ergebnisse. Die Auswertung der Fragebögen im Rahmen der X. Hypothese deckte – entsprechend der zur Grunde liegenden Annahmen – starke Beeinträchtigungen der Schmerzpatienten auf, was Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und Stressempfinden der Patienten angeht. Zusammengefasst ergibt sich das Bild von stark beeinträchtigten Menschen, die in der Untersuchung ihres autonomen Nervensystems eine fehlende Balance mit Tendenz zu einer verminderten vagalen Aktivität aufwiesen. Die Ergebnisse decken sich im Großen und Ganzen mit vergleichbaren Studien. Eine weitere Differenzierung der Patienten zur Identifizierung von Risikogruppen für verminderte Herzratenvariabilität sowie generell die weitere Erforschung der HRV-Analyse sind zukünftig unumgänglich. 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Die durchgeführten Tests umfassten sowohl mentale (Stroop-Test, Rechentest), als auch physische (metronomische Atmung, Valsalva, Orthostase) Stressoren. Es wurden zehn Hypothesen, die sowohl die vermuteten Unterschiede in der autonomen Funktionstestung, als auch in der psychometrischen Testung umfassen, aufgestellt und mittels statistischer Auswertung überprüft. Dafür wurde retrospektiv ein Matching durchgeführt. Den 49 Patienten wurden mittels Alter und Geschlecht 49 gesunde Probanden zugeordnet, die zuvor die gleiche Testbatterie samt psychometrischer Testung durchlaufen hatten. Bei der Überprüfung der Hypothesen I bis IX zeigten sich Ergebnisse, die für eine Beeinträchtigung des autonomen Nervensystems der Schmerzpatienten im Sinne einer sympathischen Dominanz bei Verminderung der parasympathischen Komponente sprechen. Die Patienten wiesen signifikant höhere Ruhewerte auf, aber auch die Herzfrequenz unter den physischen Stresstests war signifikant höher als die der gesunden Probanden. Die Veränderungen der Herzrate von Ruhe zum jeweiligen Stresstest (∆HR) zeigten, dass sich die Herzrate der Probanden signifikant stärker steigerte, als es bei den Patienten der Fall war. Zudem erfolgte eine Auswertung von Subgruppen. Bei der Differenzierung nach Geschlecht zeigten die weiblichen Patienten signifikant höhere Herzraten in Ruhe und unter physischer Belastung sowie eine signifikant sympathischer dominierte Herzratenvariabilität in Ruhe, als bei den Probandinnen beobachtet werden konnte. Gleiches gilt für den Vergleich der jüngeren Patienten mit den jüngeren Probanden (Alters-Median). Beim Vergleich der BMI-Subgruppen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den höhergewichtigen Patienten und den ebenfalls über dem BMI-Median liegenden Probanden, was die Höhe der Herzrate in Ruhe und unter physischer Stresstestung angeht. Patienten, die regelmäßig Analgetika einnehmen unterschieden sich nicht von Patienten, die ohne analgetische Medikation auskommen. Auch die Angabe einer Depression als Komorbidität hatte keine signifikante Auswirkung auf die Ergebnisse. Die Auswertung der Fragebögen im Rahmen der X. Hypothese deckte – entsprechend der zur Grunde liegenden Annahmen – starke Beeinträchtigungen der Schmerzpatienten auf, was Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und Stressempfinden der Patienten angeht. Zusammengefasst ergibt sich das Bild von stark beeinträchtigten Menschen, die in der Untersuchung ihres autonomen Nervensystems eine fehlende Balance mit Tendenz zu einer verminderten vagalen Aktivität aufwiesen. Die Ergebnisse decken sich im Großen und Ganzen mit vergleichbaren Studien. Eine weitere Differenzierung der Patienten zur Identifizierung von Risikogruppen für verminderte Herzratenvariabilität sowie generell die weitere Erforschung der HRV-Analyse sind zukünftig unumgänglich. Die im Ausblick auf die aktuelle Forschung beschriebenen Therapieversuche zum HRV-Biofeedback scheinen, auch was Schmerzlinderung angeht, eine hoffnungsvolle Option zu sein."],"dc:identifier":["hdl:10900/84333"],"dc:title":["Vergleich von autonomer Funktion und psychometrischer Testung bei Patienten mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung (F45.4) und gesunden Probanden"],"dc:type":["PhDThesis"]},"updated_at":"2026-08-21T22:21:56Z"}