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Universität Tübingen

A history of locative relations in Spanish

Abstract

In dieser Dissertation wird die historische Dynamik einer Gruppe von grammatischen Elementen der Zentralvarietäten der iberischen Halbinsel untersucht, welche die Lokalisierung einer Entität im Raum in Bezug auf die Position einer zweiten Entität erlauben. Diese Elemente gehören zu unterschiedlichen Kategorien (Präpositionen, Adverbien, oder komplexe präpositionale und adverbiale Konstruktionen), sie teilen jedoch die Eigenschaft, dass eine Phrase, welche die zweite (Referenz-)Entität in dieser räumlichen Relation denotiert, als Komplement fungiert. Deshalb plädiere ich für eine einheitliche Behandlung dieser Elemente, welche ich unter dem Sammelbegriff Elemente lokativer Relation zusammenfasse. Die vorliegende Dissertation beschreibt die Dynamik dieses (Sub-)Systems auf der Grundlage eines großen Korpus von 116 Texten, welche die gesamte Chronologie dieser Sprache sowie des Kastilischen und anderer benachbarter Dialekte, z.B. des Leonesischen, Aragonesischen und Navarresischen, einschließt. Im Sinne philologischer Sorgfalt habe ich Texte, deren Textzeugen mehr als 50 Jahre nach dem Original angefertigt wurden, von der Analyse ausgeschlossen. Ich unterscheide fünf grundlegende Arten von Relationen: Superiorität, Inferiorität, Anteriorität, Posteriorität und topologische Relationen, welche wiederum unterteilt sind in Relationen der Kontiguität, Nähe / Distanz, Inklusion / Exklusion und zentrale / periphäre Lokation. Die Dissertation ist in 10 Kapitel unterteilt: Kapitel 1 behandelt theoretische und methodologische Fragen und beinhaltet außerdem eine Erklärung des Untersuchungsgegenstands und –ziels, sowie einen Forschungsbericht und Überlegungen zur Korpuserstellung und -verwendung. Die Kapitel 2 bis 7 beleuchten jeweils eine der genannten grundlegenden Relationen unter Betonung der internen Struktur jedes einzelnen Bereichs. Kapitel 8 geht gesondert auf die Geschichte der Präposition según „zufolge, entsprechend“ ein. Kapitel 9 zeichnet übereinstimmende Muster zwischen den einzelnen Teilbereichen und Gruppen von Phänomenen nach und bringt die allgemeinen Schlussfolgerungen zusammen. Das letzte Kapitel umfasst die Bibliographie. Die wichtigsten Ergebnisse der Dissertation sind: Als eher konservative Varietät ist das Kastilische (ab dem 18. Jahrhundert „das Spanische“) zurückhaltend, was die Verbreitung adverbialer Äquivalente zu vom Lateinischen ererbten lokativen Präpositionen betrifft. Nur delante erscheint in signifikanter Häufigkeit und überlagert sich im Mittelalter mit ante (auch was den Ausdruck nicht-räumlicher Bedeutungen angeht). In anderen Fällen (encima vs. sobre, deyuso (später debajo) vs. so, detrás vs. tras) erscheinen die Adverbien erst ab dem 14. Jh. in den Texten und weisen normalerweise vor der Mitte des 15. Jahrhunderts keine abstrakten Verwendungen auf. Die Opposition ante vs. delante könnte durch den Umstand verschleiert sein, dass ante ursprünglich (wie die meisten lokativen Elemente im Lateinischen) sowohl Adverb als auch Präposition war (auch cerca hat diese Doppelfunktion). Dies trug zur Ausweitung der präpositionalen Syntax auf delante bei (d.h. die direkte Einführung der NP), was sehr häufig vor der zweiten Hälfte des 14. Jh. vorkam. Folglich unterschied das frühe mittelalterliche Spanisch (12. – 13. Jh.) fünf lokative Kategorien: Echte Präpositionen (keine adv. Verwendung, führen direkt eine NP ein); Adverbiale Präpositionen (mit adv. Verwendung, direkte & indirekte rektion); transitive Adverbien (erlauben Komplemente), die über de mit der NP verbunden werden; semi-transitive Adverbien (immer mit de) welche Komplemente mit nur einigen eingeschränkten Bedeutungen erlauben (typischerweise in Maßphrasen oder Komparativen); und intransitive Adverbien welche die lokative Bedeutung anderer Elemente teilen können, jedoch nie Komplemente zulassen (sobre „auf, über“ vs. suso „(da) oben“). Ein größerer Veränderungsschub im 14. Jh. führte zu feiner abgestimmten Korrelationen über Kategoriengrenzen hinweg. Insbesondere wurde jeweils nur eine Präposition für jeden Bereich und ebenso jeweils nur ein entsprechendes Adverb pro Bereich gewählt. Dieser Wandel führte zum Verlust der ganzen Klasse von adverbialen Präpositionen (ante, delante, cerca), deren Mitgliedern entweder eine präpositionale oder adverbiale Funktion zugeordnet wurde. Es wurde auch nötig, neue transitive Adverbien für diejenigen grundlegenden Bereiche zu schaffen, welche noch keine hatten: encima wurde für Superiorität übernommen (davor bedeutete es nur „im oberen Teil einer Entität“) sowie deyuso und detrás (morphologisch analog zu delante) für Inferiorität und Posteriorität. In den folgenden beiden Jahrhunderten wurde diese Regelmäßigkeit auf die topologischen Domänen ausgedehnt.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Octavio de Toledo y Huerta, Álvaro Sebastián

Identifiers

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Identifier
hdl:10900/47087

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Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
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Octavio de Toledo y Huerta, Álvaro Sebastián. A history of locative relations in Spanish. 2012.