Universität Tübingen
Dreidimensionales Finite-Elemente-Modell von Stereozilien innerer und äußerer Haarzellen
Abstract
Die Erforschung der mechanoelektischer Kopplung im Innenohr von der mechanischen Wanderwelle zum elektrischen Nervenimpuls ist mit klassischen Lösungsansätzen und Tierversuchen bis zum heutigen Tag im Detail noch nicht geklärt. Seit wenigen Jahren bietet nun die Finite-Elemente- Methode einen neuen Ansatz, besondere Fragestellungen zu lösen. Daher wurde ein drei-dimensionales Finite-Elemente-Modell von inneren und äußeren Haarzellen entwickelt, um das mechanische Verhalten zu analysieren. Die verwendeten Modellparameter zum Modellaufbau entsprechen Haarzellen mit einem Abstand von 6,2 mm vom Apex der Cochlea von Meerschweinchen mit einer charakterischen Frequenz von 1080 Hz. Das Modell der äußeren Haarzelle umfaßt den zentralen Anteil des Haarbündels mit der charakteristischen W-Form. Es wurden für das Modell des äußeren Stereozilienbündels 75 Stereozilien in 3 Reihen mit je 25 Stereozilien unterschiedlicher Länge angeordnet. Das Modell der inneren Haarzellen wurde mit 60 Stereozilien in 3 Reihen mit je 20 Stereozilien generiert. Das Modell des Bündels einer äußeren Haarzelle besteht aus ca. 23 000 Solidelementen für die Stereozilienkörper und 6870 Balkenelementen zur Generierung der Links. Das Modell der äußeren Haarzellen zeigte bei der statisch-linearen Analyse der Stereozilienauslenkung nach Kraftapplikation ab 0,025 nN ein nichtlinearen Verlauf bei inhibitorischer Anregung. Die Auslenkung in exzitatorischer Richtung blieb linear. Das Bündel der inneren Haarzelle zeigte sowohl bei inhibitorischer als auch bei exzitatorischer Anregung einen linearen Verlauf. Durch das gezielte Löschen einzelner Verbindungstypen stellte sich heraus, dass die Tip-Links den größten Einfluß auf die Auslenkung des Bündels und somit auf die Bündelsteifigkeit haben. Das Löschen der Side- und Row-Links hatte vergleichsweise einen wesentlich kleineren Einfluß auf die Bündelsteifigkeit. Harmonische Analysen erbrachten für das Modell der äußeren Haarzelle Resonanzfrequenzen bei 4000, 5333 und 6666 Hz. Eine Einberechnung einer Dämpfungszeitkonatante von 30 µs zur Simulation einer Dämpfung durch die umgebende Perilymphe zeigte ein Schwingungsverhalten eines Tiefpassfilters eines Systemes 1. Ordnung mit einer Grenzfrequenz von 5260 Hz. Die transiente Analyse mit einem 1000-Hz Reiz erbrachte eine Zeitverzögerung der Schwingungsphasen als Zeichen einer nicht-linearen Antwort der Stereozilien-Auslenkung in exzitatorischer oder inhibitorischer Richtung. Die Untersuchung der Spannungsverteilung in den Bündeln ergab eine maximale Spannungsspitze im Bereich der oberen Tip-Links. Es besteht ein negativer Spannungsgradient von der oberen zur unteren Tip-Link von 2:1. Die höchsten Spannungen im Stereozilienkörper selbst wurden im Bereich des Ansatzes des Stereoziliums an der Cuticularplatte errechnet. Der große Einfluß der Tip-Links, in Bezug auf die Bündelsteifigkeit und der Spannungsverteilung, legt den Schluß nahe, dass durch die enge Lagebeziehung des oberen Ansatzes der Tip-Links großer Einfluß auf die Transduktionskanäle, gating-springs, ausgeübt wird. Durch die wellenförmige Bewegung der Stereozilien im Bereich der W-Konfiguration besteht eventuell die Möglichkeit zur Schallanalyse in Bezug auf Schallintensität oder Schalleinwirkdauer. Durch die unterschiedliche Anatomie der inneren und äußeren Haarzellen bedingt, weisen inneren Haarzellen im Unterschied zu äußeren Haarzellen in vergleichbarer Lokalisation eine erhöhte Steifigkeit und ein lineares Auslenkungsverhalten auf. Das vorliegende Modell zeigt vergleichbare Ergebnisse zu vorliegenden experimentell gewonnenen Daten aus Organversuchen. Die Verwendung eines mathematisch-analytischen Lösungsansatzes mit der Finiten-Elemente- Methode kann unabhängig von äußeren Versuchsbedingungen bei vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand valide Ergebnisse erbringen und Lösungsansätze bieten.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
-
- Müller, Roland
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45309