Back to results

Universität Tübingen

Nierentransplantation - Analyse prognostisch relevanter Parameter unter besonderer Berücksichtigung plasmazellreicher Abstoßungsprozesse; Morphologische und molekularbiologische Untersuchungen, sowie klinisch-morphologische Korrelationen

Abstract

In dieser Analyse an Nierenbiopsien und Explantaten wird zur Morphologie, Klinik, klinisch-morphologischer Korrelationen, Prognose und Pathogenese plasmazellreicher Abstoßungsreaktionen (P+) Stellung genommen. Die Erhebung der Daten erfolgte an Präparaten aus dem Nierenregister des Institutes für Pathologie, Tübingen, die von 1985-98 eingegangen sind. Insgesamt wurde der Verlauf von 109 Patienten mit 356 Biopsien und 42 Explantaten ausgewertet. Das Gesamt-kollektiv wurde zur repräsentativen Analyse in zwei Gruppen (P+ [53 Patienten] vs. nicht-plasmazellreich (P-)[56 Pat.]) und jeweils 2 Untergruppen (akute, PA+ [27 Pat.]; chronische, PC+ [26 Pat.]; akute, PA- [30 Pat.]; chronische, PC- [26 Pat.]) gegliedert. Um gleiche Verhältnisse bei der Analyse zu gewährleisten, wurden die Kollektive nach Anzahl der Abstoßungsreaktionen, Geschlecht und Alter der Patienten sowie nach Anzahl der Biopsien parallelisiert. Um eine Biopsie als plasmazellreich zu definieren, wur-den die interstitiellen Infiltrate von 10 zufällig gewählten Gesichtfeldern mittels Morpho-metrie bestimmt und der durchschnittliche Plasmazellgehalt ermittelt. Bei einem prozen-tualen Anteil >20 % wurde die Biopsie als plasmazellreich gewertet. In der morphologischen Auswertung aller histologischen Präparate zeigte sich in 23% der Fälle neben der obligaten interstitiellen Abstoßung (IAR) zusätzlich eine vaskuläre Abstoßungsreaktion (VAR) sowie in 20% eine Transplantatglomerulopathie (TGP). Betrachtet man die Häufigkeit der VAR und der TGP auf den Patienten bezogen, liegt der Prozentsatz natürlich höher. So konnte bei 47% der Patienten des Gesamtkollektives eine VAR diagnostiziert werden, für die TGP lies sich eine Häufigkeit von 37% bestim-men. Das gleichzeitige Auftreten einer VAR und TGP oder die Entwicklung dieser bei-den Abstoßungsphänomene im weiteren Krankheitsverlauf konnte in 25% aller Patien-ten beobachtet werden. Bei 59% der Patienten mit P+ war eine VAR und/oder TGP signifikant häufiger diagnostizierbar als bei Patienten mit P-. Bei der Analyse klinischer Daten wurde das Alter und Geschlecht des Empfän-gers/Spenders, das HLA-Matching, Titer panel-reaktiver Antikörper, die Kaltischämiezeit sowie die Anzahl intra- und postoperativer Bluttransfusionen ausgewertet, wobei zwischen dem PA+ und PA- keine signifikanten Unterschiede zu ermitteln waren. Bei der Bestimmung potentiell relevanter prognostischer Parameter für die Transplantatüberlebensprognose wurden neben dem Plasmazellreichtum an sich folgende Fakto-ren untersucht: VAR ± TGP, Grunderkrankung, Alter, Geschlecht und CMV-Status des Empfängers/Spenders, Blutdruck des Spenders bei NTx, das HLA-Matching, intraopera-tive Anzahl der Bluttransfusionen, Kaltischämiezeit, sowie die Titer panel-reaktiver Antikörper vor, unmittelbar nach NTx und im weiteren Beobachtungsverlauf. Patienten mit P+ haben eine signifikant schlechtere Transplantatüberlebensprognose [Chi2: p=0.0024], wobei dies bei detaillierterer Betrachtung nicht für akute PA+ [Chi2: p=0.5636], sondern nur für chronisch PC+ [Chi2: p=0.0148] gilt. Daneben konnten eine VAR [Chi2: p<0.0001], eine TGP [Chi2: p=0.0002], 10+ Bluttransfusionen intra-/postoperativ, ein maximaler Titer panel-reaktiver Antikörper nach NTx über 33% [Chi2: p=0.04] als weitere signifikante Einflussgrößen einer ungünstigen Prognose ermittelt werden. Wie die multivariate Analyse verdeutlicht, muss die prognostische Relevanz plas-mazellreicher Infiltrate auf die signifikant häufigere Assoziation mit einer VAR zurückgeführt werden. Dies bedeutet, dass der Plasmazellreichtum einer IAR zwar nicht als eigenständiger unabhängiger prognostischer Parameter angesehen werden kann, jedoch, durch die hochsignifikante Assoziation mit einer VAR indessen als Indikator und damit als indirekter Prädiktor zu werten ist. Um die Frage einer etwaigen pathogenetischen Bedeutung von Herpes-Viren in der Entwicklung plasmazellreicher Abstoßungsprozesse zu beantworten, wurden molekular-biologische Untersuchungen zum Nachweis von Herpes-Virus-Genom (EBV, CMV, HSV-1, HSV-2, HHV-6) durchgeführt. In den Untersuchungen konnte für keinen Virustyp ein signifikanter Unterschied zwischen P+ und P- hinsichtlich einer stattgefundenen Infektion demonstriert werden. Im Hinblick auf die Pathogenese plasmazellreicher Abstoßungsprozesse muß von einem Wechsel der Immunantwort hin zu einem B-Zell-abhängigen Mechanismus ausgegangen werden, d.h. von einem Shift einer Th1- nach Th2-Immunantwort, inklusive einer Änderung des Zytokinprofils. Dieser Shift scheint jedoch nicht durch Herpesviren indu-ziert zu sein. Möglicherweise ist dafür die vermehrte Expression des inducible costimula-tors (ICOS) auf T-Zellen verantwortlich. Aktuelle experimentelle Untersuchungen zeigen, daß bei diesem „alternativen“ Aktivierungweg neben Th1-, vor allem Th2-Lymphozyten stimuliert werden, was über die Freisetzung von IL-4 und IL-10 zu einer Stimulation und zu einer Differenzierung der B-Zellen zu Plasmazellen führt.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Eigentler, Thomas Kurt

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
hdl:10900/44399

Chain of custody

source
Harvested from
Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
related terms
citation

Eigentler, Thomas Kurt. Nierentransplantation - Analyse prognostisch relevanter Parameter unter besonderer Berücksichtigung plasmazellreicher Abstoßungsprozesse; Morphologische und molekularbiologische Untersuchungen, sowie klinisch-morphologische Korrelationen. 2003.