Abstract
dc:description.abstractDie Musik Philipp Jarnachs (1892–1982) ist eines der wenig erschlossenen Gebiete des 20. Jahrhunderts. In den zwanziger Jahren an vorderster Front der musikalischen Avantgarde stehend und von Komponistenkollegen und Kritikern hochgeschätzt, wurde es um den in Nizza geborenen Jarnach in den dreißiger Jahren ruhig. Das im Nachkriegsdeutschland herrschende serielle Dogma bot dem über Fünfzigjährigen Komponisten keinerlei ästhetische Anschlussmöglichkeiten mehr – er konzentrierte sich nunmehr auf seine Arbeit als Hochschulrektor und Kompositionslehrer. Die vielen zeitgenössischen Besprechungen von Jarnachs Musik fokussieren auffallend häufig auf die Form – eine Kategorie, deren Problematik mit der Erosion der Tonalität in den zwanziger Jahren virulent geworden war. Auch die vorliegende Arbeit konzentriert sich, zunächst von musikästhetischen Konzepten Busonis und Jarnachs ausgehend, vor allem auf diesen Parameter. Sie nimmt in ihren detaillierten Werkanalysen aber auch harmonische und satztechnische Phänomene in den Blick und diskutiert schließlich den für Jarnach ganz entscheidenden Aspekt des „Ausdrucks“. Das Ziel der Arbeit liegt in einer stilistischen Einordnung der Hauptwerke Philipp Jarnachs in den Kontext der stilpluralistisch geprägten 1920er Jahre. Die in jeder Beziehung ganz eigenständige Musik Jarnachs offenbart weder ein direktes Herkommen, noch sollten sie oder der erfolgreiche Kompositionslehrer je eine Schule begründen. Busonis Konzept der ‚Jungen Klassizität’ erweist sich bloß ein Ausgangspunkt, von dem sich Jarnach aber recht bald freigemacht hat – so wie seine Musik auch anderen Spielarten des Neoklassizismus’ kaum zugerechnet werden kann. Jarnachs stets deutlich geäußerte Ablehnung kompositorischer Systeme findet ihren musikalischen Niederschlag in den hier untersuchten Werken. Die schwindende formale Bindungskraft der Harmonik hat Jarnach zunächst nicht zu substituieren versucht, im Gegenteil: Seine wenig prägnante Thematik, die ungebundene, zuerst noch impressionistisch gefärbte, später herb dissonante Harmonik, eine kompliziert polyphone Rhythmik und die kaum wahrnehmbare Arbeit mit Kürzestmotiven resultieren in einer formalen Vieldeutigkeit, die mit den zumeist pauschalen Aussagen von Kritikern und Zeitgenossen, Jarnach sei ein „Meister der Form“, eigentümlich kontrastiert. Die in den „Drei Rhapsodien“ op. 17 unternommenen Experimente mit der fast wiederholungsfreien Form weisen in die Zukunft, Jarnach selbst aber schien dieser Entwicklung nicht recht getraut zu haben und schlug ab 1930 andere Wege ein.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Jähner, Arne
- Advisor dc:contributor.advisor
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- Schmidt, Christian Martin
Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language.iso
- de
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-7669
- OAI identifier oai:identifier
- oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/8535