Technische Universität Berlin
Die mittelalterliche Luftheizung des Zisterzienser-Klosters Doberan im Kontext der Entwicklung der vormodernen Heiztechnik
Abstract
dc:description.abstractVor dem Hintergrund eines im Sommer 2013 getätigten Fundes einer mittelalterlichen Luftheizung auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienser-Klosters Doberan wird ein Überblick zur allgemeingeschichtlichen Entwicklung antiker und mittelalterlicher Heizungstechniken gegeben. Schwerpunkt hierbei bilden Entstehung, Entwicklung und Verbreitung der Technologie der Warmluftheizungen, eine nach dem Konvektionsprinzip arbeitende Fußbodenheizung. Schon die Römer kennen mit dem klassischen Pfeiler-Hypokaust eine ausgeklügelte und fortschrittliche Raumheizung. Dieser Typ der Strahlungsheizung, welcher vorrangig in Thermen- und Badeanlagen zur Anwendung kommt, ist jedoch dezidiert nicht als Luftheizung anzusprechen. Ob Luftheizungen dennoch in der Antike bekannt sind und auch existieren ist weiterhin umstritten. Ohne eindeutigen archäologischen Beleg lassen sich die Quellen bisweilen verschiedentlich interpretieren und entbehren sich einer endgültigen Aussage. Im byzantinischen und islamisch-arabischen Kulturraum überdauern die klassischen Pfeiler-Hypokausten das Mittelalter. Im europäischen Teil hingegen wird ab der Spätantike der Bau von neuen Pfeiler-Hypokausten aufgegeben. Doch gerade im nördlichen Teil Europas werden Raumheizungen, aufgrund des rauen, kalten Klimas, dringend gebraucht, sodass hier ab dem Frühmittelalter vielfältige Weiterentwicklungen und Verbesserungen von Heizungssystemen zu verzeichnen sind. In deren Folge avancieren die Warmluftheizungen in verschiedenen Variationen und Ausformungen zur entscheidenden Innovation. In ihrer letzten Entwicklungsstufe, der Steinkammer-Luftheizung, werden sie im Spätmittelalter zur dominierenden Heizungstechnik des gesamten Ostseeraumes. Die Vielzahl der Exemplare an mittelalterlichen Luftheizungen wurde von Klaus Bingenheimer (1998) einer Typisierung und Klassifizierung unterzogen. Zusätzliche Funde aus den letzten 20 Jahren bereichern diese Einteilung, hinterfragen sie zugleich und ziehen das Desiderat nach einer aktualisierten Auflistung sowie einer neuen Klassifizierung nach sich. Die Heizung aus der Anlage des Zisterzienser-Klosters Doberan war integraler Bestandteil des klostereigenen Abtshauses. Sie ist anhand der gefundenen Überreste als Steinkammer-Luftheizung, nach Bingenheimer, zu identifizieren, datiert in die Jahre um 1280/90 und zählt damit zu den frühen Exemplaren seines Heizungstyps. Auch diese Anlage liefert damit einen Anstoß, die von Klaus Bingenheimer aufgestellte Klassifizierung zu überarbeiten.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Spiegel, Tim
- Advisors dc:contributor.advisor
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- Popplow, Marcus
- Steinle, Friedrich
Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language.iso
- de
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5099
- OAI identifier oai:identifier
- oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/5424