{"id":{"repo_id":"tu-berlin","oai_identifier":"oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/26570"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/tu-berlin/oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/26570","repository":{"repo_id":"tu-berlin","name":"Technische Universität Berlin","base_url":"https://api-depositonce.tu-berlin.de/server/oai/request"},"display":{"title":"Es geht um Leben und Tod","abstract":"In dieser Arbeit wird der mediale Diskurs über tödliche Kollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin im Zeitraum von 2016 bis 2021 untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche diskursiven Muster sich in der sprachlichen Darstellung dieser Ereignisse finden lassen und wie durch diese Diskurse gesellschaftliche und politische Verantwortlichkeiten (nicht) verhandelt werden. Die theoretische Grundlage bildet die Diskurstheorie nach Hajer (1995), ergänzt um Konzepte der Institutionalisierungsarbeit von Lawrence und Suddaby (2006). Für die empirische Analyse wurden Artikel aus fünf Berliner Tageszeitungen, Polizeimeldungen sowie Pressemitteilungen eines Vereins (Changing Cities) untersucht. Rekonstruiert wird, wie Diskurskoalitionen durch spezifische sprachliche Routinen und Praktiken reproduziert werden und welche diskursiven Verschiebungen sich im Untersuchungszeitraum abzeichnen. Den zeitlichen Hintergrund beschreibt hierbei die Entstehung des deutschlandweit ersten Mobilitätsgesetzes, welches aus einem besonderen zivilgesellschaftlichen Engagement heraus entstand. Es können zwei relevante Diskurskoalitionen beschrieben werden. Die Diskurskoalition Schicksal rahmt tödliche Kollisionen als tragische, schicksalhafte Einzelereignisse. In entsprechenden medialen und institutionellen Praktiken – insbesondere in Polizeimeldungen – werden Kollisionen vereinzelt dargestellt, ohne strukturelle Ursachen (wie mangelhafte Infrastruktur oder politische Versäumnisse) zu thematisieren. Alle Beteiligten erscheinen als Betroffene; Verantwortlichkeiten werden nicht benannt. Die Diskurskoalition Verantwortlichkeit hingegen stellt tödliche Kollisionen als vermeidbare Konsequenzen struktureller Mängel dar. Politische Akteur*innen und planerische Entscheidungen werden explizit adressiert. Eine zentrale Rolle spielen hier zivilgesellschaftliche Pressemitteilungen und Mahnwachen, die unmittelbar nach Kollisionen veröffentlicht bzw. organisiert werden. Diese Praktiken bringen neue Argumentationsstrategien in den Diskurs ein – etwa durch die Humanisierung der Getöteten, durch das Sichtbarmachen institutioneller Verantwortlichkeiten sowie durch das Einfordern konkreter Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Es wird aufgezeigt, wie über Sprache und Kommunikationspraktiken gesellschaftliche Verantwortlichkeiten verteilt, verschleiert oder eingefordert werden, mit dem Ziel, hier eine Veränderung herbeizuführen, die nicht länger weniger als die Einhaltung der Vision Zero (keine Schwerverletzten oder Getöteten) akzeptiert. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zur Diskursforschung im Kontext von Mobilität, Stadtpolitik und Verkehrssicherheit.","abstract_html":"In dieser Arbeit wird der mediale Diskurs über tödliche Kollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin im Zeitraum von 2016 bis 2021 untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche diskursiven Muster sich in der sprachlichen Darstellung dieser Ereignisse finden lassen und wie durch diese Diskurse gesellschaftliche und politische Verantwortlichkeiten (nicht) verhandelt werden. Die theoretische Grundlage bildet die Diskurstheorie nach Hajer (1995), ergänzt um Konzepte der Institutionalisierungsarbeit von Lawrence und Suddaby (2006). Für die empirische Analyse wurden Artikel aus fünf Berliner Tageszeitungen, Polizeimeldungen sowie Pressemitteilungen eines Vereins (Changing Cities) untersucht. Rekonstruiert wird, wie Diskurskoalitionen durch spezifische sprachliche Routinen und Praktiken reproduziert werden und welche diskursiven Verschiebungen sich im Untersuchungszeitraum abzeichnen. Den zeitlichen Hintergrund beschreibt hierbei die Entstehung des deutschlandweit ersten Mobilitätsgesetzes, welches aus einem besonderen zivilgesellschaftlichen Engagement heraus entstand. Es können zwei relevante Diskurskoalitionen beschrieben werden. Die Diskurskoalition Schicksal rahmt tödliche Kollisionen als tragische, schicksalhafte Einzelereignisse. In entsprechenden medialen und institutionellen Praktiken – insbesondere in Polizeimeldungen – werden Kollisionen vereinzelt dargestellt, ohne strukturelle Ursachen (wie mangelhafte Infrastruktur oder politische Versäumnisse) zu thematisieren. Alle Beteiligten erscheinen als Betroffene; Verantwortlichkeiten werden nicht benannt. Die Diskurskoalition Verantwortlichkeit hingegen stellt tödliche Kollisionen als vermeidbare Konsequenzen struktureller Mängel dar. Politische Akteur*innen und planerische Entscheidungen werden explizit adressiert. Eine zentrale Rolle spielen hier zivilgesellschaftliche Pressemitteilungen und Mahnwachen, die unmittelbar nach Kollisionen veröffentlicht bzw. organisiert werden. Diese Praktiken bringen neue Argumentationsstrategien in den Diskurs ein – etwa durch die Humanisierung der Getöteten, durch das Sichtbarmachen institutioneller Verantwortlichkeiten sowie durch das Einfordern konkreter Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Es wird aufgezeigt, wie über Sprache und Kommunikationspraktiken gesellschaftliche Verantwortlichkeiten verteilt, verschleiert oder eingefordert werden, mit dem Ziel, hier eine Veränderung herbeizuführen, die nicht länger weniger als die Einhaltung der Vision Zero (keine Schwerverletzten oder Getöteten) akzeptiert. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zur Diskursforschung im Kontext von Mobilität, Stadtpolitik und Verkehrssicherheit.","abstract_has_math":false,"creators":["Sattler, Marlene"],"institution":null,"degree_name":null,"degree_level":null,"degree_discipline":null,"degree_department":null,"school":null,"contributors":[],"advisors":["Becker, Sophia"],"committee_chairs":[],"committee_members":[],"year":2026,"date_issued":"2026","date_published":"2026","updated_at":"2026-07-27T21:28:29Z","subjects":[],"languages":["de"],"rights":[],"rights_urls":["https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"],"identifier_entries":[{"key":"dc:identifier.uri","label":"Identifier URI","values":["https://doi.org/10.14279/depositonce-25399"],"render_values":[{"text":"https://doi.org/10.14279/depositonce-25399","href":"https://doi.org/10.14279/depositonce-25399","code":true}]}]},"links":{"outbound_url":"https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/26570","outbound_label":"Repository record","outbound_source":"dc:identifier.uri"},"metadata_groups":[{"id":"people","label":"People","entries":[{"key":"dc:contributor.advisor","label":"Advisor","values":["Becker, Sophia"]},{"key":"dc:creator","label":"Author","values":["Sattler, Marlene"]}]},{"id":"academic_context","label":"Academic Context","entries":[{"key":"dc:date.accessioned","label":"Dc Date Accessioned","values":["2026-03-17T14:21:46Z"]},{"key":"dc:date.available","label":"Dc Date Available","values":["2026-03-17T14:21:46Z"]},{"key":"dc:date.issued","label":"Date","values":["2026"]},{"key":"dc:type","label":"Dc Type","values":["Doctoral Thesis"]}]},{"id":"language_rights","label":"Language and Rights","entries":[{"key":"dc:language.iso","label":"Language (ISO)","values":["de"]},{"key":"dc:rights.uri","label":"Rights URI","values":["https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"]}]},{"id":"identifiers","label":"Identifiers","entries":[{"key":"dc:identifier.uri","label":"Identifier URI","values":["https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/26570","https://doi.org/10.14279/depositonce-25399"]}]},{"id":"additional","label":"Additional Metadata","entries":[{"key":"dc:description.abstract","label":"Abstract","values":["In dieser Arbeit wird der mediale Diskurs über tödliche Kollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin im Zeitraum von 2016 bis 2021 untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche diskursiven Muster sich in der sprachlichen Darstellung dieser Ereignisse finden lassen und wie durch diese Diskurse gesellschaftliche und politische Verantwortlichkeiten (nicht) verhandelt werden. Die theoretische Grundlage bildet die Diskurstheorie nach Hajer (1995), ergänzt um Konzepte der Institutionalisierungsarbeit von Lawrence und Suddaby (2006). Für die empirische Analyse wurden Artikel aus fünf Berliner Tageszeitungen, Polizeimeldungen sowie Pressemitteilungen eines Vereins (Changing Cities) untersucht. Rekonstruiert wird, wie Diskurskoalitionen durch spezifische sprachliche Routinen und Praktiken reproduziert werden und welche diskursiven Verschiebungen sich im Untersuchungszeitraum abzeichnen. Den zeitlichen Hintergrund beschreibt hierbei die Entstehung des deutschlandweit ersten Mobilitätsgesetzes, welches aus einem besonderen zivilgesellschaftlichen Engagement heraus entstand. Es können zwei relevante Diskurskoalitionen beschrieben werden. Die Diskurskoalition Schicksal rahmt tödliche Kollisionen als tragische, schicksalhafte Einzelereignisse. In entsprechenden medialen und institutionellen Praktiken – insbesondere in Polizeimeldungen – werden Kollisionen vereinzelt dargestellt, ohne strukturelle Ursachen (wie mangelhafte Infrastruktur oder politische Versäumnisse) zu thematisieren. Alle Beteiligten erscheinen als Betroffene; Verantwortlichkeiten werden nicht benannt. Die Diskurskoalition Verantwortlichkeit hingegen stellt tödliche Kollisionen als vermeidbare Konsequenzen struktureller Mängel dar. Politische Akteur*innen und planerische Entscheidungen werden explizit adressiert. Eine zentrale Rolle spielen hier zivilgesellschaftliche Pressemitteilungen und Mahnwachen, die unmittelbar nach Kollisionen veröffentlicht bzw. organisiert werden. Diese Praktiken bringen neue Argumentationsstrategien in den Diskurs ein – etwa durch die Humanisierung der Getöteten, durch das Sichtbarmachen institutioneller Verantwortlichkeiten sowie durch das Einfordern konkreter Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Es wird aufgezeigt, wie über Sprache und Kommunikationspraktiken gesellschaftliche Verantwortlichkeiten verteilt, verschleiert oder eingefordert werden, mit dem Ziel, hier eine Veränderung herbeizuführen, die nicht länger weniger als die Einhaltung der Vision Zero (keine Schwerverletzten oder Getöteten) akzeptiert. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zur Diskursforschung im Kontext von Mobilität, Stadtpolitik und Verkehrssicherheit.","This thesis examines media discourse on fatal collisions involving cyclists in Berlin between 2016 and 2021. It focuses on the question of what discursive patterns can be found in the linguistic representation of these events and how social and political responsibilities are (not) negotiated through these discourses. The theoretical basis is provided by Hajer's discourse theory (1995), supplemented by concepts of institutionalization work by Lawrence and Suddaby (2006). For the empirical analysis, articles from five Berlin daily newspapers, police reports, and press releases from an association (Changing Cities) were examined. The study reconstructs how both discourse coalitions are reproduced through specific linguistic routines and practices and what discursive shifts emerge during the period under investigation. The temporal background is described by the emergence of Germany's first mobility law, which arose from a special civil society commitment. Two relevant discourse coalitions can be described. The discourse coalition of fate frames fatal collisions as tragic, fateful individual events. In corresponding media and institutional practices – especially in police reports – collisions are presented as isolated incidents without addressing structural causes (such as inadequate infrastructure or political failures). All those involved appear as victims; responsibilities are not named. The discourse coalition of responsibility, on the other hand, presents fatal collisions as avoidable consequences of structural deficiencies. Political actors and planning decisions are explicitly addressed. Civil society press releases and vigils, which are published or organized immediately after collisions, play a central role here. These practices introduce new argumentation strategies into the discourse – for example, by humanizing the victims, making institutional responsibilities visible, and demanding concrete measures for traffic safety. It shows how social responsibilities are distributed, concealed, or demanded through language and communication practices, with the aim of bringing about change that no longer accepts anything less than compliance with Vision Zero (no serious injuries or fatalities). The dissertation thus contributes to discourse research in the context of mobility, urban policy, and road safety."]},{"key":"dc:title","label":"Title","values":["Es geht um Leben und Tod"]}]}],"canonical_facts":{"dc:contributor.advisor":["Becker, Sophia"],"dc:creator":["Sattler, Marlene"],"dc:date.accessioned":["2026-03-17T14:21:46Z"],"dc:date.available":["2026-03-17T14:21:46Z"],"dc:date.issued":["2026"],"dc:description.abstract":["In dieser Arbeit wird der mediale Diskurs über tödliche Kollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin im Zeitraum von 2016 bis 2021 untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche diskursiven Muster sich in der sprachlichen Darstellung dieser Ereignisse finden lassen und wie durch diese Diskurse gesellschaftliche und politische Verantwortlichkeiten (nicht) verhandelt werden. Die theoretische Grundlage bildet die Diskurstheorie nach Hajer (1995), ergänzt um Konzepte der Institutionalisierungsarbeit von Lawrence und Suddaby (2006). Für die empirische Analyse wurden Artikel aus fünf Berliner Tageszeitungen, Polizeimeldungen sowie Pressemitteilungen eines Vereins (Changing Cities) untersucht. Rekonstruiert wird, wie Diskurskoalitionen durch spezifische sprachliche Routinen und Praktiken reproduziert werden und welche diskursiven Verschiebungen sich im Untersuchungszeitraum abzeichnen. Den zeitlichen Hintergrund beschreibt hierbei die Entstehung des deutschlandweit ersten Mobilitätsgesetzes, welches aus einem besonderen zivilgesellschaftlichen Engagement heraus entstand. Es können zwei relevante Diskurskoalitionen beschrieben werden. Die Diskurskoalition Schicksal rahmt tödliche Kollisionen als tragische, schicksalhafte Einzelereignisse. In entsprechenden medialen und institutionellen Praktiken – insbesondere in Polizeimeldungen – werden Kollisionen vereinzelt dargestellt, ohne strukturelle Ursachen (wie mangelhafte Infrastruktur oder politische Versäumnisse) zu thematisieren. Alle Beteiligten erscheinen als Betroffene; Verantwortlichkeiten werden nicht benannt. Die Diskurskoalition Verantwortlichkeit hingegen stellt tödliche Kollisionen als vermeidbare Konsequenzen struktureller Mängel dar. Politische Akteur*innen und planerische Entscheidungen werden explizit adressiert. Eine zentrale Rolle spielen hier zivilgesellschaftliche Pressemitteilungen und Mahnwachen, die unmittelbar nach Kollisionen veröffentlicht bzw. organisiert werden. Diese Praktiken bringen neue Argumentationsstrategien in den Diskurs ein – etwa durch die Humanisierung der Getöteten, durch das Sichtbarmachen institutioneller Verantwortlichkeiten sowie durch das Einfordern konkreter Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Es wird aufgezeigt, wie über Sprache und Kommunikationspraktiken gesellschaftliche Verantwortlichkeiten verteilt, verschleiert oder eingefordert werden, mit dem Ziel, hier eine Veränderung herbeizuführen, die nicht länger weniger als die Einhaltung der Vision Zero (keine Schwerverletzten oder Getöteten) akzeptiert. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zur Diskursforschung im Kontext von Mobilität, Stadtpolitik und Verkehrssicherheit.","This thesis examines media discourse on fatal collisions involving cyclists in Berlin between 2016 and 2021. It focuses on the question of what discursive patterns can be found in the linguistic representation of these events and how social and political responsibilities are (not) negotiated through these discourses. The theoretical basis is provided by Hajer's discourse theory (1995), supplemented by concepts of institutionalization work by Lawrence and Suddaby (2006). For the empirical analysis, articles from five Berlin daily newspapers, police reports, and press releases from an association (Changing Cities) were examined. The study reconstructs how both discourse coalitions are reproduced through specific linguistic routines and practices and what discursive shifts emerge during the period under investigation. The temporal background is described by the emergence of Germany's first mobility law, which arose from a special civil society commitment. Two relevant discourse coalitions can be described. The discourse coalition of fate frames fatal collisions as tragic, fateful individual events. In corresponding media and institutional practices – especially in police reports – collisions are presented as isolated incidents without addressing structural causes (such as inadequate infrastructure or political failures). All those involved appear as victims; responsibilities are not named. The discourse coalition of responsibility, on the other hand, presents fatal collisions as avoidable consequences of structural deficiencies. Political actors and planning decisions are explicitly addressed. Civil society press releases and vigils, which are published or organized immediately after collisions, play a central role here. These practices introduce new argumentation strategies into the discourse – for example, by humanizing the victims, making institutional responsibilities visible, and demanding concrete measures for traffic safety. It shows how social responsibilities are distributed, concealed, or demanded through language and communication practices, with the aim of bringing about change that no longer accepts anything less than compliance with Vision Zero (no serious injuries or fatalities). The dissertation thus contributes to discourse research in the context of mobility, urban policy, and road safety."],"dc:identifier.uri":["https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/26570","https://doi.org/10.14279/depositonce-25399"],"dc:language.iso":["de"],"dc:rights.uri":["https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"],"dc:title":["Es geht um Leben und Tod"],"dc:type":["Doctoral Thesis"]},"updated_at":"2026-07-27T21:28:29Z"}