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Technische Universität Berlin

Der Apollontempel von Didyma - Analyse einer pythagoreisch-platonischen Entwurfskonzeption

Abstract

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Der durch seinen guten Erhaltungszustand weitgehend rekonstruierbare Apollontempel von Didyma hat eine prominente Forschungsgeschichte, dennoch konnten seine Maßverhältnisse bislang nicht geklärt werden. Mit dieser Arbeit soll nun die Frage nach dem Proportionsgefüge des Tempels auf anderem Wege beantwortet werden. Ausgangspunkt dafür war eine Maßanalyse im metrischen System, in der sich für alle wichtigen Rechteckdimensionen des Grundrisses rationale Zahlenverhältnisse feststellen ließen. Gemeinsam ist diesen Verhältnissen, dass sie der pythagoreischen Skala entstammen und sich damit alle in musikalische Intervalle übersetzen lassen. Trägt man die auf diese Weise im Grundriss gefundenen harmonikalen Zahlenverhältnisse auf Platons Timaios-Tonleiter an, so ergibt sich eine klare Hierarchie. Die Reihenfolge in der die Intervalle auf der Tonleiter von oben nach unten stehen, entspricht dabei konsequent der Reihenfolge in der die Räume des Tempels erschlossen werden. Aus dieser Beobachtung ergibt sich eine klar umrissene Fragestellung. Wurde die Timaios-Tonleiter und folglich auch ihr philosophischer Kontext dem Tempel als Entwurfskonzeption zugrunde gelegt? Die entscheidende Quelle für die Beantwortung dieser Frage kann nur das Gebäude selbst sein, weshalb der Tempel einer umfassenden Entwurfsanalyse unterzogen wurde. Für eine solche Untersuchung bieten sich in Didyma auf Grund der dichten Befundlage hervorragende Voraussetzungen. Ein wesentliches Ergebnis der Bauanalyse ist die Bestätigung des antiken Baumaßes des Tempels, welches in logischen Zusammenhang mit dem geometrischen Konzept des Grundrisses gebracht werden konnte. Der Entwurfsprozess des Tempels lässt sich auf diese Weise lückenlos nachvollziehen, darüber hinaus lassen sich alle rationalen Rechteckverhältnisse der vermuteten Konzeption auch im Fußmaßsystem nachweisen. Das harmonikale Thema des Grundrisses ist auch in den Proportionen der einzelnen Bauglieder nachvollziehbar und wurde im Entwurf mit größter Konsequenz bis ins Detail geführt. Die in der Fragestellung vermutete Konzeption des Grundrisses nach der Timaios-Tonleiter von Platon kann durch die Analyse des Tempels klar bestätigt werden, womit dem Tempel ein zentrales Element platonischer Kosmologie zugrunde liegt. Bemerkenswert und über den bisherigen Forschungsstand hinausweisend ist, dass die nachweisbaren Zahlenverhältnisse ein so konsequentes System zeigen, dass eine Interpretation der Zahlen im Zusammenhang mit der pythagoreisch-platonischen Zahlenlehre bis ins Detail möglich ist. Die Einordnung dieses Phänomens in seinen philosophischen, musiktheoretischen und architektonischen Kontext vor dem Hintergrund antiker Schriftquellen ist neben der Bauforschung ein wesentlicher Aspekt dieser Arbeit. Das Entwurfskonzept des Didymaions wirft in seiner Stringenz ein völlig neues Licht auf den späten griechischen Tempelbau. Die noch immer verbreitete Einordnung hellenistischer Architektur als Dekadenzform der Klassik lässt sich vor diesem Hintergrund nicht aufrechterhalten. Vielmehr ist in dem Apollontempel von Didyma der vergeistigte Höhepunkt einer langen und fruchtbaren Entwicklung zu sehen.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Birnbaum, Jens
Advisor dc:contributor.advisor
  • Cramer, Johannes

Rights

Language dc:language.iso
de, German

Identifiers

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Identifier URI
urn:nbn:de:kobv:83-opus-13606
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1437
OAI identifier oai:identifier
oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/1734

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Technische Universität Berlin
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Last updated
2026-07-27
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Birnbaum, Jens. Der Apollontempel von Didyma - Analyse einer pythagoreisch-platonischen Entwurfskonzeption. 2006. https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/1734