{"id":{"repo_id":"potsdam-thes","oai_identifier":"oai:kobv.de-opus4-uni-potsdam:69907"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/potsdam-thes/oai:kobv.de-opus4-uni-potsdam:69907","repository":{"repo_id":"potsdam-thes","name":"Universität Potsdam - Thes","base_url":"https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/oai"},"display":{"title":"Mehrsprachigkeit im Gesundheitswesen","abstract":"Diese Masterarbeit untersucht empirisch mithilfe einer Online-Befragung und leitfadengestützten Interviews den Bedarf und die Nutzung anderer Sprachen als Deutsch in verschiedenen Berliner Gesundheitseinrichtungen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass es durch individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Gesundheitswesen zu Herausforderungen kommt, die Einfluss auf den Behandlungsverlauf, die Chancengleichheit und die Patientenversorgung haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich auf individueller Ebene die Frage nach dem Verhältnis der Sprachen zueinander. Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Zulässigkeit von Sprachen in unterschiedlichen Räumen interessant. Es wird argumentiert, dass das Gesundheitswesen einen dieser Räume darstellt. Eine neue Untersuchung zur Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen ist notwendig, da bisherige Studien entweder veraltet oder regional beschränkt sind. Daher lautet die zentrale Fragestellung: Wie werden andere Sprachen als Deutsch im Berliner Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden eingesetzt? Das Ziel dieser Untersuchung ist die systematische Erhebung genutzter und benötigter Sprachen und der Vorteile und Herausforderungen in Verbindung mit Sprachbarrieren sowie die Bewertung der fehlenden sprachpolitischen Regelungen im Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden. Die Fragebögen wurden quantitativ ausgewertet, die Leitfadeninterviews qualitativ nach Mayrings (2010) Inhaltsanalyse. Das zentrale Ergebnis der Online-Befragung ist, dass Mitarbeitende des Berliner Gesundheitswesens insbesondere Englisch nutzen, obwohl aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse eigentlich ein großer Bedarf für andere Sprachkenntnisse bestünde (z. B. Arabisch, Türkisch, Russisch). Diese Lücke zwischen Bedarf und Nutzung ist strukturell, also durch unzureichende Rahmenbedingungen erzeugt. Zu wenig Dolmetscher*innen stehen zur Verfügung, Fortbildungen/Sprachkurse gibt es kaum und Probleme werden stark informell kompensiert. Die qualitativen Ergebnisse ergänzen dies und heben die kontinuierliche Versorgung (z. B. Pflege, Notaufnahme oder Geburtshilfe) und die rechtlich relevante Aufklärung als zwei Kontexte hervor, die durch Sprachbarrieren als kritisch für die Patientenversorgung angesehen werden. Außerdem werden bereichsspezifische Unterschiede deutlich, insbesondere zwischen Apotheken und Kliniken bzw. Krankenhäusern. Insgesamt verdeutlicht die Masterarbeit, dass gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen zwar alltäglich ist, jedoch strukturell kaum abgebildet wird. Eine systematischere, institutionell verankerte Sprachmittlung könnte nicht nur die Versorgungsqualität verbessern, sondern auch rechtliche und organisatorische Risiken reduzieren und wäre damit ein entscheidender Schritt zu mehr Chancengleichheit im Gesundheitswesen.","abstract_html":"Diese Masterarbeit untersucht empirisch mithilfe einer Online-Befragung und leitfadengestützten Interviews den Bedarf und die Nutzung anderer Sprachen als Deutsch in verschiedenen Berliner Gesundheitseinrichtungen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass es durch individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Gesundheitswesen zu Herausforderungen kommt, die Einfluss auf den Behandlungsverlauf, die Chancengleichheit und die Patientenversorgung haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich auf individueller Ebene die Frage nach dem Verhältnis der Sprachen zueinander. Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Zulässigkeit von Sprachen in unterschiedlichen Räumen interessant. Es wird argumentiert, dass das Gesundheitswesen einen dieser Räume darstellt. Eine neue Untersuchung zur Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen ist notwendig, da bisherige Studien entweder veraltet oder regional beschränkt sind. Daher lautet die zentrale Fragestellung: Wie werden andere Sprachen als Deutsch im Berliner Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden eingesetzt? Das Ziel dieser Untersuchung ist die systematische Erhebung genutzter und benötigter Sprachen und der Vorteile und Herausforderungen in Verbindung mit Sprachbarrieren sowie die Bewertung der fehlenden sprachpolitischen Regelungen im Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden. Die Fragebögen wurden quantitativ ausgewertet, die Leitfadeninterviews qualitativ nach Mayrings (2010) Inhaltsanalyse. Das zentrale Ergebnis der Online-Befragung ist, dass Mitarbeitende des Berliner Gesundheitswesens insbesondere Englisch nutzen, obwohl aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse eigentlich ein großer Bedarf für andere Sprachkenntnisse bestünde (z. B. Arabisch, Türkisch, Russisch). Diese Lücke zwischen Bedarf und Nutzung ist strukturell, also durch unzureichende Rahmenbedingungen erzeugt. Zu wenig Dolmetscher*innen stehen zur Verfügung, Fortbildungen/Sprachkurse gibt es kaum und Probleme werden stark informell kompensiert. Die qualitativen Ergebnisse ergänzen dies und heben die kontinuierliche Versorgung (z. B. Pflege, Notaufnahme oder Geburtshilfe) und die rechtlich relevante Aufklärung als zwei Kontexte hervor, die durch Sprachbarrieren als kritisch für die Patientenversorgung angesehen werden. Außerdem werden bereichsspezifische Unterschiede deutlich, insbesondere zwischen Apotheken und Kliniken bzw. Krankenhäusern. Insgesamt verdeutlicht die Masterarbeit, dass gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen zwar alltäglich ist, jedoch strukturell kaum abgebildet wird. 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Das Ziel dieser Untersuchung ist die systematische Erhebung genutzter und benötigter Sprachen und der Vorteile und Herausforderungen in Verbindung mit Sprachbarrieren sowie die Bewertung der fehlenden sprachpolitischen Regelungen im Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden. Die Fragebögen wurden quantitativ ausgewertet, die Leitfadeninterviews qualitativ nach Mayrings (2010) Inhaltsanalyse. Das zentrale Ergebnis der Online-Befragung ist, dass Mitarbeitende des Berliner Gesundheitswesens insbesondere Englisch nutzen, obwohl aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse eigentlich ein großer Bedarf für andere Sprachkenntnisse bestünde (z. B. Arabisch, Türkisch, Russisch). Diese Lücke zwischen Bedarf und Nutzung ist strukturell, also durch unzureichende Rahmenbedingungen erzeugt. Zu wenig Dolmetscher*innen stehen zur Verfügung, Fortbildungen/Sprachkurse gibt es kaum und Probleme werden stark informell kompensiert. Die qualitativen Ergebnisse ergänzen dies und heben die kontinuierliche Versorgung (z. B. Pflege, Notaufnahme oder Geburtshilfe) und die rechtlich relevante Aufklärung als zwei Kontexte hervor, die durch Sprachbarrieren als kritisch für die Patientenversorgung angesehen werden. Außerdem werden bereichsspezifische Unterschiede deutlich, insbesondere zwischen Apotheken und Kliniken bzw. Krankenhäusern. Insgesamt verdeutlicht die Masterarbeit, dass gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen zwar alltäglich ist, jedoch strukturell kaum abgebildet wird. Eine systematischere, institutionell verankerte Sprachmittlung könnte nicht nur die Versorgungsqualität verbessern, sondern auch rechtliche und organisatorische Risiken reduzieren und wäre damit ein entscheidender Schritt zu mehr Chancengleichheit im Gesundheitswesen.","This master’s thesis empirically examines the need for and use of languages other than German in various healthcare institutions in Berlin, based on an online survey and semi-structured interviews. It starts from the assumption that both individual and societal multilingualism in healthcare create challenges that influence treatment processes, equality of opportunity, and the quality of patient care. Against this background, the relationship between different languages is considered at the individual level, while at the societal level the question arises as to which languages are considered acceptable in specific institutional contexts. The healthcare system is understood as one such context. A new study on multilingualism in Berlin’s healthcare sector is necessary, as existing research is either outdated or regionally limited. The central research question is therefore: How are languages other than German used in Berlin’s healthcare system from the perspective of employees? The aim of this study is to systematically identify which languages are used and needed, to explore the benefits and challenges associated with language barriers, and to assess the lack of language policy regulations in healthcare from the perspective of employees. The questionnaire data were analyzed quantitatively, while the semi-structured interviews were evaluated qualitatively following Mayring’s (2010) content analysis approach. The main finding of the online survey is that employees in Berlin’s healthcare sector primarily use English, even though, given the societal context, there is a considerable need for other language skills (e.g., Arabic, Turkish, Russian). This gap between demand and actual use is structural, caused by inadequate framework conditions. There is a shortage of interpreters, training opportunities and language courses are scarce, and communication problems are often addressed informally. The qualitative findings complement these results and highlight continuous care settings (e.g., nursing, emergency departments, and obstetrics) and legally required patient information as two contexts in which language barriers are particularly critical for patient care. In addition, sector-specific differences emerge, especially between pharmacies and hospitals or clinics. Overall, the thesis shows that societal multilingualism is an everyday reality in Berlin’s healthcare system, but is scarcely reflected at a structural level. More systematic, institutionally embedded language mediation could not only improve the quality of care but also reduce legal and organizational risks, thus representing a key step toward greater equality of opportunity in healthcare."]},{"key":"dc:format.medium","label":"Dc Format Medium","values":["application/pdf"]},{"key":"dc:title","label":"Title","values":["Mehrsprachigkeit im Gesundheitswesen","Multilingualism in healthcare"]}]}],"canonical_facts":{"dc:contributor":["Schroeder, Christoph","Steinbock, Dorothée"],"dc:creator":["Pötzsch, Linda Valerie"],"dc:description.abstract":["Diese Masterarbeit untersucht empirisch mithilfe einer Online-Befragung und leitfadengestützten Interviews den Bedarf und die Nutzung anderer Sprachen als Deutsch in verschiedenen Berliner Gesundheitseinrichtungen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass es durch individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Gesundheitswesen zu Herausforderungen kommt, die Einfluss auf den Behandlungsverlauf, die Chancengleichheit und die Patientenversorgung haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich auf individueller Ebene die Frage nach dem Verhältnis der Sprachen zueinander. Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Zulässigkeit von Sprachen in unterschiedlichen Räumen interessant. Es wird argumentiert, dass das Gesundheitswesen einen dieser Räume darstellt. Eine neue Untersuchung zur Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen ist notwendig, da bisherige Studien entweder veraltet oder regional beschränkt sind. Daher lautet die zentrale Fragestellung: Wie werden andere Sprachen als Deutsch im Berliner Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden eingesetzt? Das Ziel dieser Untersuchung ist die systematische Erhebung genutzter und benötigter Sprachen und der Vorteile und Herausforderungen in Verbindung mit Sprachbarrieren sowie die Bewertung der fehlenden sprachpolitischen Regelungen im Gesundheitswesen aus Perspektive der Mitarbeitenden. Die Fragebögen wurden quantitativ ausgewertet, die Leitfadeninterviews qualitativ nach Mayrings (2010) Inhaltsanalyse. Das zentrale Ergebnis der Online-Befragung ist, dass Mitarbeitende des Berliner Gesundheitswesens insbesondere Englisch nutzen, obwohl aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse eigentlich ein großer Bedarf für andere Sprachkenntnisse bestünde (z. B. Arabisch, Türkisch, Russisch). Diese Lücke zwischen Bedarf und Nutzung ist strukturell, also durch unzureichende Rahmenbedingungen erzeugt. Zu wenig Dolmetscher*innen stehen zur Verfügung, Fortbildungen/Sprachkurse gibt es kaum und Probleme werden stark informell kompensiert. Die qualitativen Ergebnisse ergänzen dies und heben die kontinuierliche Versorgung (z. B. Pflege, Notaufnahme oder Geburtshilfe) und die rechtlich relevante Aufklärung als zwei Kontexte hervor, die durch Sprachbarrieren als kritisch für die Patientenversorgung angesehen werden. Außerdem werden bereichsspezifische Unterschiede deutlich, insbesondere zwischen Apotheken und Kliniken bzw. Krankenhäusern. Insgesamt verdeutlicht die Masterarbeit, dass gesellschaftliche Mehrsprachigkeit im Berliner Gesundheitswesen zwar alltäglich ist, jedoch strukturell kaum abgebildet wird. Eine systematischere, institutionell verankerte Sprachmittlung könnte nicht nur die Versorgungsqualität verbessern, sondern auch rechtliche und organisatorische Risiken reduzieren und wäre damit ein entscheidender Schritt zu mehr Chancengleichheit im Gesundheitswesen.","This master’s thesis empirically examines the need for and use of languages other than German in various healthcare institutions in Berlin, based on an online survey and semi-structured interviews. It starts from the assumption that both individual and societal multilingualism in healthcare create challenges that influence treatment processes, equality of opportunity, and the quality of patient care. Against this background, the relationship between different languages is considered at the individual level, while at the societal level the question arises as to which languages are considered acceptable in specific institutional contexts. The healthcare system is understood as one such context. A new study on multilingualism in Berlin’s healthcare sector is necessary, as existing research is either outdated or regionally limited. The central research question is therefore: How are languages other than German used in Berlin’s healthcare system from the perspective of employees? The aim of this study is to systematically identify which languages are used and needed, to explore the benefits and challenges associated with language barriers, and to assess the lack of language policy regulations in healthcare from the perspective of employees. The questionnaire data were analyzed quantitatively, while the semi-structured interviews were evaluated qualitatively following Mayring’s (2010) content analysis approach. The main finding of the online survey is that employees in Berlin’s healthcare sector primarily use English, even though, given the societal context, there is a considerable need for other language skills (e.g., Arabic, Turkish, Russian). This gap between demand and actual use is structural, caused by inadequate framework conditions. There is a shortage of interpreters, training opportunities and language courses are scarce, and communication problems are often addressed informally. The qualitative findings complement these results and highlight continuous care settings (e.g., nursing, emergency departments, and obstetrics) and legally required patient information as two contexts in which language barriers are particularly critical for patient care. In addition, sector-specific differences emerge, especially between pharmacies and hospitals or clinics. Overall, the thesis shows that societal multilingualism is an everyday reality in Berlin’s healthcare system, but is scarcely reflected at a structural level. 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