Abstract
dc:description.abstractGegenstand der Dissertation ist die Untersuchung der Gewichtung prosodischer Korrelate der Phrasierung im Deutschen, insbesondere der Dauer- und Grundfrequenzeigenschaften auf der Ebene der phonologischen Phrase (φ) und der Intonationsphrase (ι). Für die prosodische Domäne der phonologischen Phrase und der Intonationsphrase gilt als belegt, dass sie häuptsächlich durch phonetische Parameter der präfinalen Dehnung (Lehiste, 1973; Klatt, 1976; Price et al., 1991; Turk & White, 1999), der Pausendauer (Fant & Kruckenberg, 1996) und der Veränderung der Grundfrequenz (Pierrehumbert, 1980) ausgedrückt werden, wobei die phonetischen grenzmarkierenden Eigenschaften eher quantitativer als qualitativer Natur sind. Ebenfalls ist bekannt, dass auf der anderen Seite Hörer diese phonetischen Eigenschaften der Sprecher nutzen, um die prosodische Struktur einer Äußerung zu ermitteln (Snedeker & Trueswell, 2003; Kraljic & Brennan, 2005). Perzeptuelle Evidenz aus dem Englischen und Niederländischen deuten allerdings darauf hin, dass sich Sprachen hinsichtlich der entscheidenden Korrelate, die für die Perzeption der Domänen konsultiert werden, unterscheiden (Aasland & Baum, 2003; Sanderman & Collier, 1997; Scott, 1982; Streeter, 1978). Die grenzmarkierenden phonetischen Korrelate der Domänen werden in der Perzeption unterschiedlich stark gewichtet, was sich im Konzept eines sprachspezifischen prosodischen cue weightings ausdrückt. Für das Deutsche ist allerdings nicht hinreichend bekannt, welche dieser drei phonetischen Parameter die wichtigste Rolle für die Perzeption der phonologischen Phrasengrenze und der Intonationsphrasengrenze spielt. Ziel der Dissertation war es, diejenigen phonetischen Merkmale zu identifizieren, die für die Perzeption der phonologischen Phrasengrenze und der Intonationsphrasengrenze entscheidend sind und sich somit für die Bildung der jeweiligen prosodischen Phrasengrenze als notwendig herausstellen. Die Identifikation und Gewichtung eines phonetischen Merkmals erfolgte in der vorliegenden Arbeit durch die Effekte prosodischer Manipulation der phonetischen Korrelate an phonologischen Phrasengrenzen und Intonationsphrasengrenzen auf die Disambiguierung lokaler syntaktischer Ambiguitäten in der Perzeption. Der Einfluss einzelner phonetischer Merkmale wurde in einem forced-choice Experiment evaluiert, bei dem Hörern syntaktisch ambige Satzfragmente auditiv präsentiert wurden und ihnen anschließend die Aufgabe zukam, aus einer Auswahl an disambiguierenden Satzvervollständigung zu wählen. Die Anzahl der ausgewählten Satzvervollständigungen pro Satzbedingung änderte sich in Abhängigkeit der prosodischen Manipulation der präfinalen Dehnung, der Pausendauer und der Grundfrequenz, wodurch der Einfluss eines einzelnen phonetischen Merkmals auf den Disambiguierungsprozess sichtbar wurde. Ein phonetischer Parameter wurde genau dann als notwendig klassifiziert, wenn sich durch seine Manipulation die Fähigkeit zur Disambiguierung der syntaktischen Strukturen signifikant reduzierte, oder gänzlich scheiterte, und somit die Wahrnehmung prosodischer Kategorien beinflusst wurde (Heldner, 2001). Hat sich in der Perzeption ein phonetisches Merkmal als notwendig herausgestellt, wurde nachfolgend eine optimalitätstheoretische Modellierung vorgeschlagen, die die phonetischen Eigenschaften auf eine (abstrakte) phonologische Strukturerstellung beschreibt. Dieser Verarbeitungsschritt entspricht dem Teilbereich des Perzeptionsprozesses, der in Boersma & Hamann (2009), Escudero (2009) und Féry et al. (2009) unter anderen als Phonetik-Phonologie-Mapping beschrieben wird. Die Dissertation hat folgende Hauptergebnisse hervorgebracht: (1) Für die Perzeption phonologischer Phrasengrenzen und Intonationsphrasengrenzen werden nicht alle messbaren phonetischen Grenzmarkierungen gleichermaßen stark genutzt. Das phonetische Merkmal der präfinalen Dehnung ist auf der Ebene der kleineren prosodischen Domäne, der phonologischen Phrase, notwendig. Die Information der Grundfrequenz in der Form von Grenztönen ist in der größeren Domäne der Intonationsphrase notwendig und damit ausschlaggebend für die Perzeption der prosodischen Phrasengrenze. (2) Auf der Ebene der φ-Phrase werden phonetische Eigenschaften der segmentalen Dauer in Form präfinalen Dehnung zur Bildung abstrakter phonologischer Repräsentationen herangezogen werden. Längenconstraints schreiben syntaktische Konstituenten aufgrund ihrer Inputdauern einer prosodischen Kategorie zu. Inputdauern der ersten Nominalphrase von 500ms und mehr signalisieren Finalität und sind durch eine φ- Grenze am rechten Rand markiert. Inputdauern von 400ms und weniger signalisieren Kontinuität und werden durch das Ausbleiben einer φ-Grenze am rechten Rand der ersten Nominalphrase markiert. Inputdauern, die zwischen den kritischen Längen von 400ms und 500ms variieren sind bezüglich der Bildung von φ- Grenzen ambig und können in der Perzeption nicht eindeutig disambiguiert werden. (3) Auf der Ebene der ι-Phrase wird die Bildung einer prosodischen Struktur durch die reine tonale Kontur (steigend oder fallend) an der ersten Nominalphrase gelenkt. Eine fallende Grundfrequenzkontur an der ersten Nominalphrase signalisiert Finalität und wird durch eine ι-Grenze am rechten Rand markiert. Eine steigende Kontur an der ersten Nominalphrase signalisiert phrasale Kontinuität und ist bei den vorliegenden Sätzen der Genitivbedingung gerade durch das Ausbleiben einer ι-Grenze auf der phonologischen Repräsentationseben gekennzeichnet.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Potsdam
- Year
- 2014
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Gollrad, Anja
- Contributors dc:contributor
-
- Kügler, Frank
- Féry, Caroline
Subjects
dc:subject × 7Rights
dc:rights- Statement dc:rights
-
- Keine öffentliche Lizenz: Unter Urheberrechtsschutz
Identifiers
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- https://publishup.uni-potsdam.de/frontdoor/index/index/docId/8195
- OAI identifier oai:identifier
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