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Die Tendenz zur autobiographischen Lesart setzt sich in den Lektüren der achtziger und neunziger Jahre fort, die das Haushofersche Werk mit Hilfe der feministischen Theorie zu interpretieren suchen. Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den biographistischen und feministischen Untersuchungen auseinander. Sie berücksichtigt den zeitlichen und denkgeschichtlichen Horizont, vor dessen Hintergrund das Haushofersche Oeuvre entsteht: Haushofers Texte sind Produkte des Literatursystems der fünfziger und sechziger Jahre, das in je autorspezifisch unterschiedlicher Weise auf die vorgängige historische Katastrophe reagiert und sich angesichts dieser mehr oder minder deutlich vom Literatursystem der Vorkriegszeit abhebt. Bezugssystem ist hier die Frühe Moderne, für deren Dauer man approximativ den Zeitraum von 1890 bis 1930 ansetzt. Als Zentralbegriff dieser Epoche gilt der Begriff ,Leben’, wobei in den Texten ein ,emphatisch gesteigertes Leben’ angestrebt wird, welches man durch Ausbruch aus einem metaphorischen Nicht-Leben zu erreichen sucht. Im Haushoferschen Werk wird im Gegensatz dazu nur mehr ,reduziertes Leben’ vorgeführt, wie die Analyse der Romane und einer repräsentativen Auswahl von Erzählungen zeigt. Die Reduktion der Möglichkeit von ,Leben’ steigert sich dabei vom Frühwerk der fünfziger Jahre, im Rahmen dessen anfangs noch frustrierende Ausbruchsversuche unternommen werden, bis hin zu den späten Texten der sechziger Jahre, die vielfach statische und ereignislose Gefängniswelten modellieren. In der Dissertation werden mittels der Analyse zentraler Textebenen, wie etwa Erzählsituation, Zeitstruktur und Raumorganisation die je textspezifisch unterschiedlichen Erscheinungsformen ,reduzierten Lebens’ herausgearbeitet.","abstract_html":"Das Erzählwerk der Österreicherin Marlen Haushofer (1920-1970) besteht aus fünf Romanen und einer großen Zahl kürzerer sowie einigen längeren Erzählungen. Die vielfach unterschätzte Autorin wurde, wenn überhaupt, dann zumeist im Kontext der Frauenliteratur der siebziger Jahre rezipiert und retrospektiv als bescheidene Vorläuferin derselben etikettiert. Dabei wird in der Regel eine biographische Verschmelzung der Autorin mit ihren Protagonistinnen vorgenommen. Die Tendenz zur autobiographischen Lesart setzt sich in den Lektüren der achtziger und neunziger Jahre fort, die das Haushofersche Werk mit Hilfe der feministischen Theorie zu interpretieren suchen. 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