Georg-August-Universität Göttingen
Die Symptomatik der Klienten der Ärztlich-Psychologischen Beratungsstelle für Studierende der Georg-August-Universität Göttingen Ein Vergleich von 4 Jahrgangskohorten (1971-1981-1991-2001)
Abstract
dc:descriptionHintergrund und Fragestellung: Die Aufnahme eines Hochschulstudiums ist eine Transitionsphase, die früher wie heute zahlreiche psychosoziale Anpassungsprozesse von jungen Erwachsenen erfordert. Ziel der vorliegenden Untersuchung war ein Vergleich der soziodemographischen und studienspezifischen Charakteristik, sowie der Symptomatik der Klienten der Ärztlich-Psychologischen Beratungsstelle der Georg-August-Universität Göttingen innerhalb von 4 Jahrgangskohorten (1971, 1981, 1991 und 2001). Methodik: Alle Studierenden, die sich zu den verschiedenen Kohortenzeitpunkten in der Ärztlich-Psychologischen Beratungsstelle für Studierende der Universität Göttingen neu anmeldeten (n=808), wurden mittels standardisierter Fragebögen (Sozialbogen, Gießen-Test, Fragebogen zur Beurteilung der Suizidgefahr, Prüfungsangst-Fragebogen) zu ihren Sozial- und studienspezifischen Daten, sowie Selbsteinschätzung/Persönlichkeitseigenschaften vor dem Erstgespräch befragt. Nach dem Erstgespräch erfolgte zusätzlich eine Erhebung der Therapeuten zur Einschätzung der Prognose und Symptomatik der Studierenden. Die Kohorten setzen sich wie folgt zusammen: In Kohorte 1 (SS 1971 und WS 1971/72) haben sich 182 Patientinnen und Patienten neu angemeldet; in Kohorte 2 (SS 1981 und WS 1981/82) sind es 239 Klienten und in Kohorte 3 (SS 1990 und WS 1990/91) 177 Klienten. Zur Kohorte 4 (SS 2000 und WS 2000/01) gehören 210 Klienten. Ergebnisse: Hinsichtlich der soziodemographischen und studienspezifischen Charakteristik konnten als prägnante Ergebnisse die kontinuierliche Zunahme des Alters, der Anzahl der Hochschulsemester der Studierenden und Anzahl an Langzeitstudierenden über alle Kohorten festgestellt werden. Darüber hinaus wurde deutlich, dass zur Klientel der Beratungsstelle überproportional viele weibliche Studierende sowie Studierende der Philosophischen Fakultät gehörten. In der Kohorte 4 aus den Jahren 2000 und 2001 fiel zudem ein deutlicher Zuwachs der studentischen Klientenzahlen aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaftsfakultäten auf. In der Selbsteinschätzung mittels des sogenannten Gießen-Tests zeigten die betroffenen Studierenden insgesamt eine negative soziale Resonanz sowie ein tendenziell dominantes Verhalten: Ihre Eigenwahrnehmung war häufig geprägt von gefühlter Unterkontrolliertheit, Verschlossenheit und sozialer Inkompetenz; nicht selten war die Grundstimmung der betroffenen Studierenden durch depressive Züge gezeichnet. In der Einschätzung durch die Therapeuten überwogen ebenfalls Symptome wie depressive Verstimmung, Störung des Selbstwertgefühles, Kontaktschwierigkeiten sowie Partnerschaftsprobleme. Studienspezifische Probleme wie Lern- und Arbeitsstörungen hingegen folgten erst im Mittelfeld. In der zeitlichen Übersicht gab es signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Kohorten: Das Symptom depressive Verstimmung hat sich unter der Klientel von Kohorte 1 (24,1%) auf Kohorte 4 (53,8%) mehr als verdoppelt (p 0,001). Bemerkten bei der zeitlich letztliegenden Kohorte 4 aus den Jahren 2000 und 2001 die Therapeuten bei fast der Hälfte der Klientel Störungen des Selbstwertgefühles, so war dies in den Jahren zuvor wesentlich seltener der Fall (25,1%) (p 0,01). Schlussfolgerungen: Psychische Probleme, insbesondere depressive Verstimmung und vermindertes Selbstwertgefühl nehmen unter Studierenden der Beratungsstelle zu und können möglicherweise auch im Zusammenhang mit einem zunehmenden Effizienzdruck an Studierende in unserer Leistungsgesellschaft gedeutet werden. Psychotherapeutische Beratungsstellen spielen eine wichtige Rolle in der Versorgung von Studierenden mit psychischen Störungen und bieten eine wichtige Unterstützung zur positiven Bewältigung von Spätadoleszenten Reifungskrisen. Die Symptomatiken unter Studierenden haben sich teils verändert, eine Anpassung im Angebot der Beratungsstelle kann von dieser Studie abgeleitet werden. Weitere Studien sind notwendig, um Entwicklungen strukturiert zu beobachten, und auch um auf die speziellen Probleme von Studierenden in der Öffentlichkeit und an der Universität weiter aufmerksam zu machen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Ebeling, Irma
- Contributors dc:contributor
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- Reich, Günter Prof. Dr. Dr.
- Rothenberger, Aribert Prof. Dr.
- Virsik-Köpp, Patricia Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 10Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-997
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2955-4
webdoc-2955
664017533 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-B1E2-2