Georg-August-Universität Göttingen
Einfluss der aktiven Immuntherapie mit Partnerlymphozyten auf die Schwangerschaftsrate nach Embryotransfer
Abstract
dc:descriptionDie extrakorporale Befruchtung hat sich bei der Behandlung von Paaren mit ungewollter Kinderlosigkeit zu einer Routinemethode entwickelt. In Deutschland werden heute etwa 1,2 % aller Kinder nach IVF- oder ICSI-Behandlung geboren. Die Schwangerschaftsraten pro Embryotransfer liegen im Mittel bei etwa 26,6 %. Da normalerweise zwei bis drei Embryonen übertragen werden, liegt die Schwangerschaftsrate pro übertragenen Embryo bei lediglich 17 %, d. h. 83 % der transferierten Embryonen gehen zugrunde. Ein wesentliches Ziel der reproduktionsmedizinischen Forschung ist daher die Reduzierung der Embryonenverluste nach Embryotransfer. Die Gründe für Embryonenverluste nach Embryotransfer sind vielschichtig. Unter anderem werden in Analogie zur Transplantatabstoßung immunologische Abstoßungsreaktionen bei der Auseinandersetzung des mütterlichen Immunsystems mit dem Hemiallotransplantat Embryo vermutet. Um 1980 wurde die aktive Immuntherapie mit Partnerlymphozyten zur Behandlung von Frauen nach mehreren Fehlgeburten (habituellen Aborten) eingeführt. Die zunächst positiven Ergebnisse dieser Therapie führten zu der Annahme, dass auch die frühen Embryonenverluste nach Embryotransfer auf immunologische Abstoßung zurückzuführen sein könnten, und dass die aktive Immuntherapie auch diese frühen Aborte verhindern könne. Seit 1987 wurden in der Arbeitsgruppe für Reproduktionsmedizin der Universitäts-Frauenklinik Göttingen in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Transfusionsmedizin Frauen nach mehrfachem erfolglosem Embryotransfer aktive Immuntherapien mit Partner-lymphozyten angeboten. In einer retrospektiven Analyse wurden 72 Patientinnen identifiziert, bei denen von 1987 bis 2002 in der Arbeitsgruppe Reproduktionsmedizin der Universitätsfrauenklinik Göttingen mindestens dreimal erfolglos ein Embryotransfer nach IVF oder ICSI durchgeführt worden war. Allen Patientinnen war in diesen Fällen eine aktive Immuntherapie mit Partnerlymphozyten angeboten worden. 39 Patientinnen hatten die Therapie durchführen lassen, 33 Patientinnen hatten die Therapie abgelehnt. Beide Gruppen waren hinsichtlich der wichtigsten Voraussetzungen für den Eintritt einer Schwangerschaft vergleichbar. Verglichen wurden beide Gruppen hinsichtlich der Schwangerschaftsraten nach Immuntherapie (Behandlungsgruppe) bzw. nach dem vergleichbaren Behandlungszyklus ohne vorausgegangene Immuntherapie (Kontrollgruppe). In der Therapiegruppe wurden 10 von 39 Frauen schwanger. Dies entspricht einer Schwangerschaftsrate von 25,6 %. In der Kontrollgruppe wurden von 33 Frauen 13 schwanger (39,4 %). Der Unterschied ist im Chi²-Test statistisch nicht signifikant (p = 0,21). Die Subanalysen für unterschiedliche Zahlen vorausgegangener Embryotransfers und für unterschiedliche Altersgruppen ließen ebenfalls keine Unterschiede erkennen. Bei einem Vergleich der Indikationen zur IVF- bzw. ICSI-Behandlung fand sich überraschenderweise ein signifikant ungünstiger Effekt der Immuntherapie auf die Schwangerschaftsraten bei Patientinnen mit tubarer Sterilität (p = 0,01). Die Gründe dafür sind unklar.Das Ergebnis dieser Studie lässt den Schluss zu, dass die aktive Immuntherapie mit Partnerlymphozyten zu keiner Erhöhung der Schwangerschaftsraten nach Embryotransfer führt. Insbesondere auf Grund des in unserer Studie nachteiligen Effekts der Immuntherapie bei tubarer Sterilität sollte die Indikation zur aktiven Immuntherapie kritisch überdacht werden.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Hammerstein-Equord, Katharina von
- Contributors dc:contributor
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- Hinney, Bernd Prof. Dr. Dr.
- Dressel, Ralf Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 10Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
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https://dx.doi.org/10.53846/goediss-955
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2851-1
webdoc-2851
664193161 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-B1B9-F