Georg-August-Universität Göttingen
The socio-endocrinology of female reproductive strategies in wild Assamese macaques (Macaca assamensis)
Abstract
dc:descriptionSexueller Konflikt ist ein typisches Merkmal von Tieren in gemischten Geschlechtergruppen, und treibt die Evolution von geschlechtsspezifischen Reproduktionsstrategien. Aufgrund divergierender reproduktiver Optima, sollten Männchen untereinander konkurrieren, um möglichst viele Weibchen zu monopolisieren und sich mit ihnen zu paaren. Im Gegensatz dazu sollten Weibchen ihre Partner selektiv auswählen. Dies führt zu einem koevolutionären Wettstreit zwischen den Geschlechtern. Das potentielle Risiko von Infantizid durch Männchen kreiert ein Dilemma für Weibchen. Um das Infantizidrisiko zu verringern und die Vaterschaft gleichzeitig zu konzentrieren und zu verschleiern, entwickeln Weibchen Gegenstrategien und Mechanismen, die das Monopolisierungspotential der Männchen (d.h. den male mating-skew) herabsetzen und deren Abschätzungen der Vaterschaftswahrscheinlichkeit manipulieren. Das Ziel dieser Dissertation war es, weibliche Reproduktionsstrategien und deren zugrundeliegende proximate Mechanismen eines Primaten mit geringer direkter Konkurrenz unter Männchen, dem Assammakaken (Macaca assamensis), zu untersuchen. Durch eine Kombination von Verhaltensbeobachtungen, demographischen, und Hormondaten, konnten generelle weibliche Reproduktionsparameter und life-history Merkmale untersucht werden. Zusätzlich wurden Größenveränderungen in Anogenitalschwellungen dokumentiert, um deren funktionelle Bedeutung zu bestimmen. Die sexuelle Aktivität der Weibchen und ihre consortships mit Männchen wurden in Relation zur Fertilität gesetzt. Desweiteren wurden die zeitliche Verteilung und Überlappung von fertilen Phasen untersucht, und eine neue Hypothese, dass Weibchen ihre Paarungsaktivität unabhängig von hormonellem Einfluss synchronisieren, aufgestellt und getestet. Die Studie wurde in zwei aufeinanderfolgenden Paarungszeiten (07/08 und 08/09) im Phu Khieo Wildlife Sanctuary im Nordosten Thailands durchgeführt. Von 16 Weibchen einer freilebenden, habituierten Gruppe von 50-60 Individuen wurden Fokustier- (> ;800 Stunden) und ad libitum-Daten erhoben. Darüber hinaus wurden über 2300 Kotproben gesammelt, um mit Hilfe von Enzym-Immuno-Assays (EIA) für Östrogen-, Gestagen- und Androgenmetabolite Zyklus- und Schwangerschaftscharakteristika zu beschreiben und Ovulationen und Konzeptionen zu bestimmen. Die endokrinen Profile zeigten, dass es möglich ist, den Reproduktionsstatus von Assammakakenweibchen mittels non-invasiver Methoden zu charakterisieren. Die Muster fäkaler Ausscheidung von Androgenen erlauben eine frühe Schwangerschaftserkennung und eine pränatale Geschlechtsbestimmung des Fötus. Die Tragzeit und das Intergeburtenintervall fielen in den Bereich nahe verwandter Arten. Außerhalb der Paarungszeit waren Weibchen anovulatorisch und konzipierten meist im ersten Ovulationszyklus innerhalb der 4-monatigen Paarungszeit. 65% aller Konzeptionen fanden im Dezember und Januar statt. Die unauffälligen subkaudalen Sexualschwellungen signalisierten nicht die Ovulationswahrscheinlichkeit, und die Weibchen zeigten keine Kopulationsrufe oder Anzeichen von Verhaltensöstrus. Dies weist auf eine verschleierte Fertilität bei Weibchen dieser Art hin. Demgemäß standen die langen consortships mit hochrangigen Männchen in keinem direkten Zusammenhang mit den fertilen Phasen. Die Weibchen waren über die gesamte Paarungszeit sexuell aktiv und kopulierten auch in azyklischen und trächtigen Phasen. Die fertilen Phasen der Weibchen waren zufällig verteilt. Das Auftreten weiblicher Rezeptivität war jedoch signifikant mit dem Anteil anderer sich paarender Weibchen assoziiert. Dies stützt die mating-synchrony-hypothesis und bietet eine mögliche proximate Erklärung für das ausgeprägte, nicht reproduktive Sexualverhalten bei dieser und vermutlich auch bei anderen Arten. Im Gegensatz zu zahlreichen Primatenarten, konzentrierten die Weibchen Vaterschaften nicht in hochrangige Männchen, sondern zeigten Paarungspräferenzen für Männchen unterschiedlichsten Ranges. Trotz ausgeprägter Promiskuität, paarten sich Weibche n wiederholt mit ihrem jeweiligen primären Partner . Die Ergebnisse meiner Studie haben insgesamt gezeigt, dass Assammakaken-Weibchen ihr Sexualverhalten adaptieren und von strikter hormoneller Kontrolle lösen. Dadurch können Weibchen den Paarungs- und Reproduktionserfolg der Männchen zu einem großen Teil manipulieren und kontrollieren. Diese Dissertation hat (1) erste Informationen über Reproduktionsparameter und life-history Merkmale bei dieser saisonalen und kaum erforschten Makaken-Spezies geliefert, (2) den wachsenden Wissensstand über Reproduktionsstrategien weiblicher Wirbeltiere erweitert, (3) neues Licht auf die Plastizität weiblicher Sexualität geworfen, und (4) zu einer Verfeinerung unseres Konzepts von intersexuellem Konflikt bezüglich Vaterschaft bei Primaten beigetragen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Fürtbauer, Ines
- Contributors dc:contributor
-
- Ostner, Julia Prof. Dr.
- Kappeler, Peter M. Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 24- 570 Biowissenschaften, Biologie
- Biologie
- Primaten
- Makaken
- Macaca assamensis
- Fortpflanzung
- Endokrinologie
- Fortpflanzungsstrategien
- Nicht-invasive Hormonanalysen
- Sexueller Konflikt
- Life history
- Weibliche Sexualität
- Primates
- Macaques
- Reproduction
- Endocrinology
- Reproductive strategies
- Non-invasive hormone analysis
- Sexual conflict
- Female sexuality
- 42.66
- 42.84
- WXO 000: Ethologie, Soziobiologie {Zoologie}
- WXH 000: Fortpflanzung, Embryologie, Ontogenese {Zoologie}
Rights
dc:rights- Language dc:language
- eng
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-493
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-3116-4
webdoc-3116
679880054 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AE23-3