Georg-August-Universität Göttingen
Beeinträchtigung und Selbstwirksamkeitserwartung bei chronischen RückenschmerzpatientInnen
Abstract
dc:descriptionIn einer Vielzahl von Studien zeigte sich, dass das Ausmaß der Beeinträchtigung bei chronischen RückenschmerzpatientInnen (CLBP) sowohl für den Krankheitsverlauf als auch für die Prognose des Behand¬lungserfolges eine wesentliche Bedeutung hat. Jedoch wird der Begriff der Beeinträchtigung vielfach sehr uneinheitlich verwendet und beinhaltet sowohl Selbsteinschätzungen der PatientInnen als auch Fremdbeobachtungsmaße. Mit der Beziehung zwischen eigener Einschätzung und gezeigtem Verhalten beschäftigt sich auch die Selbstwirksamkeitserwartung. In der gesundheitspsychologischen Forschung hat sich dieses Konzept immer wieder als sehr einflussreich für die Vorhersage und Beeinflussung von Verhalten herausgestellt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Zusammenhänge zwischen beobachtbarer und selbsteingeschätzter Beeinträchtigung besser zu verstehen sowie die Rolle zu beschreiben, die die Selbstwirksamkeitserwartung dabei spielt.In einem ersten Schritt werden die Zusammenhänge zwischen subjektivem Beeinträchtigungserleben und beobachtbarer Beeinträchtigung analysiert, unter besonderer Berücksichtigung der Selbstwirksamkeitserwartung. Hierzu führen 71 CLBP und 48 Rückengesunde den Pile-Hebetest (Mayer et al., 1988) durch, geben Selbsteinschätzungen ab (verbal sowie mit dem Funktionsfragebogen Hannover Rückenschmerz (FfbH-R) erhoben). Weiterhin werden die Selbstwirksamkeitserwartung und mögliche weitere Einflussfaktoren wie schmerzbezogene Ängste, Depressivität sowie biosoziale Faktoren erfasst. Der zweite Teil fokussiert auf Über- und Unterschätzungen, indem die Übereinstimmung von Beeinträchtigungserleben und beobachtbarer Beeinträchtigung bei der Bewältigung des Pile-Hebetests überprüft wird. Zusätzlich wird untersucht, ob sich CLBP und Rückengesunde hinsichtlich der Über- und Unterschätzungstendenzen unterscheiden. Die Auswirkungen einer experimentellen Beeinflussung der Selbstwirksamkeitserwartung auf die beobachtbare Beeinträchtigung stehen im Mittelpunkt des dritten Teils. Hierbei werden die ProbandInnen einer verbalen Intervention ausgesetzt und es wird überprüft, ob sich in der Folge ihre Hebeleistung verändert.Die Untersuchungsergebnisse zeigen neben einem deutlichen Zusammenhang zwischen beobachtbarer Beeinträchtigung und dem Beeinträchtigungserleben auch substantielle Unterschiede, so dass die Forderung nach einer separaten Erhebung unterstützt werden kann. Die Selbstwirksamkeitserwartung weist vor allem zum (globalen) Beeinträchtigungserleben eine sehr enge Verbindung auf, jedoch scheint auch die beobachtbare Beeinträchtigung signifikant beeinflusst zu werden, während Schmerzintensität und weitere psychosoziale Einflussfaktoren nur geringen Einfluss zu haben scheinen. Dies unterstreicht die Bedeutung der Selbstwirksamkeitserwartung. In Bezug auf Über- und Unterschätzungstendenzen weisen das Beeinträchtigungserleben und die beobachtbare Beeinträchtigung bei der Mehrheit der CLBP eine große Übereinstimmung auf. Im Vergleich zu den Rückengesunden gelingt ihnen sogar eine korrektere Einschätzung. Zur Erklärung dieser unerwarteten Ergebnisse wird auf eine verstärkte Aufmerksamkeit der CLBP auf rückenschmerzrelevante Inhalte (hier: das Heben einer Kiste) verwiesen. Für die kleinen Gruppen der sich über- und unterschätzenden PatientInnen konnten keine spezifischen Charakteristika identifiziert werden, mit Ausnahme der Schmerzintensität, die in geringem Umfang zwischen beiden Gruppen diskriminiert. Mit Hilfe einer Beeinflussung der Selbstwirksamkeitserwartung durch gezielte verbale Interventionen konnte weder bei den PatientInnen noch bei den Rückengesunden eine Veränderung der beobachtbaren Beeinträchtigung erreicht werden. Dies wird auf eine zu geringe Intensität der Intervention zurückgeführt.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Wendt, Andrea
- Contributors dc:contributor
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- Kröner-Herwig, Birgit Prof. Dr.
- Leibing, Eric Prof. Dr.
- Zippelius, Annette Prof. Dr.
- Kappeler, Peter M. Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 11Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
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-
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2203-1
webdoc-2203
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