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Georg-August-Universität Göttingen

Experimentalpsychologische Untersuchungen zu Navigationsstrategien unter Berücksichtigung endokrinologischer und physiologischer Variablen

Abstract

dc:description

In der Literatur werden immer wieder Geschlechtsunterschiede in räumlichen Navigations- und Orientierungsaufgaben diskutiert. Dabei wird oft angenommen, dass die gefundenen Leistungsunterschiede auf die Anwendung unterschiedlicher Strategien beim Lösen der Aufgaben zurück zu führen sind. Neben evolutionären und psychosozialen Faktoren werden auch biologische Faktoren wie etwa Sexualhormone als mögliche Modulatoren sowohl der Leistungen als auch der Strategien diskutiert. Als besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang anzusehen, dass Navigationsstrategien in verschiedenen Arbeiten höchst unterschiedlich beschrieben und konzeptualisiert werden. Strategien werden oftmals nicht näher theoretisch und empirisch spezifiziert und fundiert. In der Regel werden sie nur anhand von Selbstbeschreibungen und beurteilungen erhoben. Um Geschlechtsunterschiede und den Einfluss von Sexualhormonen bei der Präferenz für bestimmte Navigationsstrategien näher zu untersuchen, ist es daher zunächst unverzichtbar, bisherige Konzepte zu räumlichen Navigationsstrategien kritisch zu analysieren und zu bewerten. Dabei muss über eine Operationalisierung, die nur auf Fragebögen und Selbstbeschreibungen gründet, hinaus gegangen werden. Zusätzliche Untersuchungen neuronaler Aktivierungsmuster während der Navigation in Abhängigkeit von der Navigationsstrategie versprechen zudem nähere Einblicke in zugrunde liegende kognitive Prozesse. Ziel der vorliegenden Arbeit war deshalb eine verhaltensexperimentelle Trennung verschiedener Navigationsstrategien und deren nähere empirische Untersuchung über Verhaltens-, fMRI- und zusätzlich Fragebogendaten. Dies ist die Voraussetzung für eine tiefer gehende Betrachtung von Geschlechtsunterschieden in der Strategiepräferenz, sowie möglicher Einflussfaktoren wie Sexualhormonen. Es wurden dazu in einem virtuellen Labyrinth zwei Navigationsstrategien erfasst, die hier externale und internale Strategie genannt wurden. Diese werden oft vereinfachend als - auf räumliche Referenzsysteme Bezug nehmend - allozentrische und egozentrische oder einfach als räumliche und nicht-räumliche Strategie begriffen. Es zeigte sich aber in den ersten Untersuchungen dieser Arbeit, dass die vermeintlich egozentrische und nicht-räumliche internale Strategie eher Kriterien einer allozentrischen und räumlichen Strategie erfüllt. Umgekehrtes gilt für die vermeintlich allozentrische und räumliche externale Strategie. Eine näher gehende Prüfung zeigte jedoch, dass die beiden Strategien in keinem Zusammenhang zu bevorzugten räumlichen Referenzsystemen wie dem egozentrischen oder allozentrischen stehen und somit eine Zuordnung zu diesen unzulässig ist. Auch die vorschnelle Gleichsetzung der externalen mit einer räumlichen, sowie der internalen mit einer nicht-räumlichen Strategie muss aufgrund der Ergebnisse dieser Arbeit abgelehnt werden. Es wird vielmehr geschlussfolgert, dass umgekehrt die internale Strategie eher einer räumlichen Strategie entspricht und die externale eher einer nicht-räumlichen. Demnach sind bisherige Strategieklassifikationen insgesamt unzureichend, oft auch viel zu vereinfachend und zum Teil sogar falsch. Eine Interpretation von Geschlechtsunterschieden bei der Strategiewahl wird dadurch schwieriger. Diese Tatsache wird noch dadurch verstärkt, dass sich verhaltensexperimentell kaum Unterschiede in der Strategiepräferenz aufzeigen ließen. Auf der Ebene neuronaler Aktivierungsunterschiede bei Männern und Frauen fanden sich aber Unterschiede. Dies lässt vermuten, dass während räumlicher Navigation unterschiedliche kognitive Prozesse bei Männern und Frauen ablaufen. Hinzu kommt, dass weibliche Sexualhormone zumindest bedingt die Wahl einer externalen Strategie begünstigen und die neuronalen Aktivierungen in für Navigation relevanten Arealen modulieren. Insgesamt ist aus den Ergebnissen dieser Arbeit zu schlussfolgern, dass Geschlechtsunterschiede in der Strategiewahl bisher mit nur unzureichenden Konzepten untersucht wurden. Auf der Verhaltensebene können zudem kaum Geschlechtsunterschiede gefunden werden. Demgegenüber sind auf neuronaler Ebene Aktivierungsunterschiede zwischen Männern und Frauen zu erkennen. Darüber hinaus schätzten sich die Geschlechter in Strategiefragebögen unterschiedlich ein. Das spricht dafür, dass es Unterschiede bei der kognitiven Verarbeitung gibt und dass diese mit den zwei verhaltensexperimentell differenzierbaren Navigationsstrategien nur unzureichend abgebildet werden können. Obwohl die beiden Navigationsstrategien aufgrund der gefundenen Verhaltens- und fMRI-Daten als valide unterscheidbare Konstrukte angesehen werden können, bilden sie die Komplexität der unterschiedlichen zugrunde liegenden Prozesse nicht ausreichend ab.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Hinrichs, Sophie
Contributors dc:contributor
  • Lüer, Gerd Prof. Dr.
  • Lass, Uta Prof. Dr.

Subjects

dc:subject × 16

Rights

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Language dc:language
ger

Identifiers

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Identifier
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-315
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-2011-5
webdoc-2011
599298537
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AD2C-C

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Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Hinrichs, Sophie. Experimentalpsychologische Untersuchungen zu Navigationsstrategien unter Berücksichtigung endokrinologischer und physiologischer Variablen. 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-AD2C-C