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Georg-August-Universität Göttingen

Molekulargenetische Untersuchungen an Überresten präkolumbischer Neuwelt-Camelidae aus dem Palpa-Tal (Peru)

Abstract

dc:description

Die Rekonstruktion der sozio-kulturellen Begebenheiten (prä-)historischer Populationen ist zentrales Interesse der Archäologie. Die Kooperation der Geistes- und Naturwissenschaften bietet hierbei die Möglichkeit der Generierung einer Vielzahl unterschiedlicher Daten über Umweltbedingungen, Subsistenzstrategien und biologische Zusammensetzungen der untersuchten Populationen. Das Palpa-Tal (Peru) bietet mit einem belegten Siedlungszeitraum von der Initialzeit (1800-800 v. Chr.) bis zur frühen Zwischenperiode (200 v. Chr.- 600 n. Chr.) sowie einer erneuten Besiedlung in der späten Zwischenperiode (LIP, 1000-1400 n. Chr.) die Erforschung eines historischen Zeitfensters über rund 2500 Jahre mit mindestens drei Kulturstufen. Das hier angesiedelte Forschungsprojekt NTG Projektverbund Nasca. Entwicklung und Adaption archäometrischer Techniken zur Erforschung der Kulturgeschichte. zielte unter der Verknüpfung archäologischer und naturwissenschaftlicher Methodik auf die Rekonstruktion der Umwelt- und Kulturgeschichte sowie ihrem Wandel im beschriebenen Zeitfenster ab. Die vorliegende Arbeit im Rahmen des Teilprojektes Paläogenetik/Humanökologie befasste sich mit der molekulargenetischen Speziesidentifikation und Bestimmung genetischer Variabilität der Skelett-Überreste südamerikanischer Kleinkamele sowie Textilien, und sollte zur Klärung der Subsistenzstrategie sowie möglicher Handelsbeziehungen ins Hochland beitragen. Es wurden Analysesysteme für mitochondriale DNA (COI, Nd5 und Cytochrom b), chromosomale Short-Tandem-Repeats (STRs) und phänotypisch assoziierter Single-Nucleotide-Polymorphisms (SNPs) entwickelt und angewendet. Die Ergebnisse rezenter Populationen für Gene der mitochondrialen DNA sowie der erstellten Multiplex zur Analyse autosomaler STRs, verdeutlichten die Schwierigkeiten der exakten Speziesbestimmung sowie der phylogenetischen Problematik. Die nicht vorhandene reproduktive Isolation der Tiere führt zu einem genetischen Mosaik, so dass Genotyp und Phänotyp sich nicht immer entsprachen. Die genetischen Distanzen sprechen für die Zugehörigkeit der vier Typen der südamerikanischen Kleinkamele zu einer Gattung. Die Raten an Genfluss zwischen den vier Typen sprechen für eine Abstammung des Lamas vom Guanako und des Alpakas vom Vikunja. Es wird vorgeschlagen die Neuwelt-Camelidae als Cline einer Spezies zu verstehen. Der Erhaltungszustand der DNA der Skelettüberreste sowie der Textilien ist als schlecht zu beurteilen. Insgesamt konnten nur 21% der Proben erfolgreich analysiert werden. Die DNA-Erhaltung in Knochen- und Zahn-Material war nur geringfügig besser als in Textilien. Unter Einbeziehung aller typisierbaren Marker einer Probe wurde pro Probe eine Konsensusspezies eruiert. In Knochen ist der Anteil von Lamas und Guanakos am höchsten, in Textilien dominieren Vikunjas, Alpakas und Alpaka-Mischtypen. Dies belegt eine Nutzung der Lama und Guanakos als Fleischlieferanten oder Tragetiere im Falle der Lamas und eine überwiegende Nutzung von Vikunjas und Alpakas als Wolllieferanten. Ein Wandel der Nutzung über die Zeit konnte beobachtet werden. Handel zwischen Hochland und Tiefland ist für den gesamten Siedlungszeitraum zu belegen. Dieser erfährt eine Zunahme zeitgleich mit dem Auftreten instabiler Umweltbedingungen. In seiner Gesamtheit sind dieser zunehmende Handel und mögliche Spezialisierung an einzelnen Fundorten ein Hinweis auf die Existenz stratifizierter Gesellschaften. Dies fügt sich gut in das beobachtete Bild der Archäologen ein. Die hier gewählten Methoden ermöglichten die Erfassung einer Vielzahl genetischer Informationen, die einen Beitrag zur Klärung der Phylogenetik der Tiere leisten konnten. Darüber hinaus tragen die Ergebnisse in Kontextualisierung mit denen des Gesamt- Projektes zur Rekonstruktion der Subsistenzstrategie und sozi-ökonomischen Begebenheiten der (prä-) historischen Populationen des Palpa-Tals bei.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Renneberg, Rebecca
Contributors dc:contributor
  • Herrmann, Bernd Prof. Dr.
  • Willmann, Rainer Prof. Dr.

Subjects

dc:subject × 13

Rights

dc:rights
Language dc:language
ger

Identifiers

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Identifier
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-262
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1822-4
webdoc-1822
591104776
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-ACF7-A

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source
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Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Renneberg, Rebecca. Molekulargenetische Untersuchungen an Überresten präkolumbischer Neuwelt-Camelidae aus dem Palpa-Tal (Peru). 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-ACF7-A