Georg-August-Universität Göttingen
Phylogenetische Untersuchungen an Schädeln der Neuweltaffen (Platyrrhini)
Abstract
dc:descriptionIn der vorliegenden Studie wurde das statistische Verfahren der Q-Faktorenanalyse mit Varimax-Rotation (siehe z.B. BORTZ, 1993) angewandt, um komplexe Merkmale aus Schädelmaßen der Neuweltaffen (Platyrrhini) und verwandter Taxa zu ermitteln. Der Gedanke hinter diesem Ansatz war, dass Ähnlichkeiten in komplexen Merkmalen mit geringerer Wahrscheinlichkeit mehrmals unabhängig evolvieren. Deshalb eignen sie sich besser für Stammbaumrekonstruktionen auf der Basis von Parsimonie. Schädelmaße wurden erhoben an 160 Platyrrhini, 54 Catarrhini und zehn Vertretern von Tarsius, überwiegend im Field Museum, Chicago. Um das Problem fehlender Daten zu lösen, wurde die Methode der multiplen Imputation (SCHAFER, 1997) herangezogen. Fünf unterschiedliche vervollständigte Datensätze wurden generiert, separat analysiert und die Ergebnisse kombiniert. Um die Eignung dieser Methode für morphometrische Daten zu überprüfen, wurden Datensätze mit Datenlücken künstlich aus einem kompletten Satz von Maßen von zehn Colobus-Vertretern erzeugt. Ein Vergleich der Ergebnisse aus vollständigen und unvollständigen Daten zeigte, dass multiple Imputation zuverlässige Ergebnisse liefert. Für die Q-Faktoren, die die untersuchten Individuen in separate Cluster taxonomischer Gruppen aufteilten, wurde ein Außengruppenvergleich zur Identifikation von Synapomorphien verwendet, welche dann zur Ermittlung monophyletischer Gruppen herangezogen wurden. Fünf Unterstudien mit verschiedenen Innengruppen wurden durchgeführt, nämlich den Krallenaffen (Springtamarin, Tamarine und Marmosetten), den Pitheciinen, den Greifschwanzaffen und den gesamten Simiern. Ergebnisse hinsichtlich der Stammesgeschichte der Neuweltaffen waren ein Schwestergruppenverhältnis zwischen Saguinus und Callithrix, zwischen Callimico und allen übrigen Krallenaffen, zwischen Chiropotes und Cacajao sowie zwischen Lagothrix und Ateles. Ferner ergaben sich, als ungewöhnliches Ergebnis, Hinweise darauf, dass Alouatta und Brachyteles möglicherweise Schwestergruppen sind. Verwandtschaftsverhältnisse auf höheren Ebenen konnten nicht aufgedeckt werden. Dies zeigt wahrscheinlich die Grenzen phylogenetischer Analysen mit morphometrischen Daten auf. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind mit jüngsten molekularbiologischen Befunden vereinbar. Wenn auch gelegentliche Schwierigkeiten bei Faktorrotation und Findung der Anzahl zu extrahierender Faktoren zu diskutieren sind, wurde dennoch die Q-Faktorenanalyse als geeignetes Werkzeug befunden, um komplexe morphologische Merkmale zu konstruieren, welche zuverlässigere Ergebnisse liefern als einfache Merkmale. Des weiteren garantiert die Faktorenanalyse Merkmalsunabhängigkeit, eine wichtige Voraussetzung für phylogenetische Analysen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Wiesemüller, Bernhard
- Contributors dc:contributor
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- Rothe, Hartmut Prof. Dr.
- Willmann, Rainer Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 19Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
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https://dx.doi.org/10.53846/goediss-223
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-155-6
webdoc-155
502621567 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-ACD0-F