Georg-August-Universität Göttingen
Therapieprozess- und Ergebnisforschung in der Ambulanten Langzeit-Intensivtherapie für Alkoholkranke (ALITA)
Abstract
dc:descriptionDie vorliegende Arbeit umfaßt zwei Originalartikel, die die Wirkmechanismen der Ambulanten Langzeit-Intensivtherapie für Alkoholkranke (ALITA) untersuchen.Originalartikel 1Hintergrund: Es gibt bislang keine Studien zur überwachten Langzeiteinnahme von Alkoholaversiva (AA) in der integrierten ambulanten Alkoholismustherapie.Fragestellungen: (1) Durchführung einer 9-Jahres Studie über Abstinenz, vorübergehende Alkoholausrutscher ("Lapses") und vollständige Alkoholrückfälle ("Relapses") bei 180 chronisch alkoholkranken Patienten der Ambulanten Langzeit-Intensivtherapie für Alkoholkranke (ALITA); (2) Untersuchung der Rolle der überwachten Einnahme von AA bei der Rückfallprävention und bei der Aufrechterhaltung der Langzeitabstinenz.Methode: Diese prospektive Behandlungsstudie untersucht den Langzeitverlauf des Rückfallgeschehens und der AA-Einnahme von 180 chronisch alkoholkranken Patienten, die von 1993 bis 2002 konsekutiv in die Therapie aufgenommen wurden. Untergruppen werden hinsichtlich folgender Faktoren verglichen: (1) Einnahme eines pharmakologisch inaktiven Medikamentes versus Einnahme des Verum-AA (Disulfiram / Calciumcarbimid), (2) bewältigte Lapses versus unbewältigte Lapses versus vollständige Relapses und (3) reguläre Dauer der AA-Einnahme von 13 bis 20 Monaten versus Langzeiteinnahme von über 20 Monaten.Ergebnisse: In dieser 9-Jahres-Studie betrug die Wahrscheinlichkeit, rückfallfrei zu bleiben, 0.52. Die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf der Studie niemals Alkohol konsumiert zu haben, lag bei 0.26. Die Patienten vertrugen Disulfiram und Calciumcarbimid trotz der langfristigen Einnahme gut. Patienten, die wegen Kontraindikationen gegen Disulfiram oder Calciumcarbimid ein pharmakologisch inaktives Medikament einnahmen, wiesen eine höhere kumulative Abstinenzwahrscheinlichkeit auf als Patienten mit Verum-Medikation (S=0.86 vs. S=0.49, p=0.03). Unbewältigte Lapses und vollständige Relapses traten früher auf als erfolgreich bewältigte Lapses (p<0.001); Patienten mit unbewältigten Lapses und vollständigen Relapses wiesen im Vergleich zu Patienten mit bewältigten Lapses sowohl eine kürzere Einnahmedauer von AA, als auch eine kürzere AA-freie Dauer nach dem Absetzen der Medikamente auf (p<0.001). Während sich die kumulative Abstinenzwahrscheinlichkeit der Patienten, die die! AA langfristig einnahmen, auf 0.75 belief, betrug die Abstinenzwahrscheinlichkeit der Patienten, die die AA zwischen dem 13. und 20. Monat absetzten, 0.50 (p<0.001).Schlussfolgerungen: Eine Abstinenzrate von mehr als 50 Prozent im Verlauf von neun Jahren bestätigt das Konzept der umfassenden ambulanten Langzeitbehandlung alkoholkranker Patienten. Die überwachte Langzeiteinnahme von Alkoholaversiva lässt sich erfolgreich in der Alkoholismustherapie einsetzen, wenn ihr psychologischer Wirkmechanismus ausgeschöpft wird.Originalartikel 2Hintergrund: In der Suchttherapieforschung fehlen prospektive Längsschnittstudien, die das Verhalten und Erleben von alkoholkranken Patienten in den Therapiesitzungen mit Beobachtungsverfahren analysieren. Mit dem "Video-assistierten Monitoring psychotherapeutischer Prozesse bei chronischen psychiatrischen Krankheiten (VAMP)" untersucht die vorliegende Studie 64 chronisch alkoholkranke Patienten zu den drei Zeitpunkten t1 (Woche 3), t2 (Monat 6) und t3 (Monat 12) während des ersten Jahres der Ambulanten Langzeit-Intensivtherapie für Alkoholkranke (ALITA).Fragestellungen: Veränderung der Prozesse zwischen t1, t2 und t3, Vorhersage der kumulativen Abstinenzwahrscheinlichkeit über bis zu vier Jahre, Konstruktion des TOPPS (Therapie-Orientierung nach Prozess-Prädiktions-Score).Methode: Es wurden 175 Videoaufnahmen von Therapiegesprächen mit dem VAMP analysiert. Nach jeder Videoaufnahme wurde die subjektive Beurteilung der therapeutischen Allianz durch Patienten und Therapeuten erfragt. Die Veränderung der Prozesse über die Zeit wurde mit ANOVAs für abhängige Stichproben getestet, und die Vorhersage der kumulativen Abstinenzwahrscheinlichkeit durch die Therapieprozesse wurde mit Cox-Regressionsanalysen bestimmt.Ergebnisse: Die meisten Prozesse veränderten sich kaum zwischen t1, t2 und t3. Der TOPPS sagt die kumulative Abstinenzwahrscheinlichkeit zu allen drei Untersuchungszeitpunkten signifikant vorher (p < 0,001), indem er die Prozessvariablen mit der stärksten prädiktiven Validität zusammenfasst: Erfahrung von Ressourcen, Abstinenzzuversicht, vermuteter Suchtdruck, Rückfallwachsamkeit, Rückfallgefahr, subjektives Krankheitskonzept, dysfunktionales Therapieengagement, dysfunktionale Problembearbeitung aktueller Probleme. Im Verlauf weisen rückfällige Patienten von t1 bis t3 stabil niedrige TOPPS-Werte auf, während Patienten, die langfristig abstinent geblieben sind, schon zu t1 hohe TOPPS-Werte haben, die zwischen t2 und t3 weiter ansteigen (p < 0,015).Schlussfolgerungen: Die acht im TOPPS enthaltenen Prozesse werden aus dem aktuellen Verhalten und Erleben eines Patienten in einer konkreten Therapiesitzung ermittelt und zeigen an, inwieweit sein allgemeines Verhalten langfristig abstinenzförderlich ist oder ein Rückfallrisiko darstellt. Dadurch geben sie wesentliche Hinweise zur Entwicklung von individuellen Rückfallpräventionsstrategien.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Stawicki, Sabina
- Contributors dc:contributor
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- Ehrenreich, Hannelore Prof. Dr. Dr.
- Kröner-Herwig, Birgit Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 31- 150 Psychologie
- Psychologie
- Alkoholabhängigkeit
- ambulante Alkoholismustherapie
- Alkoholaversiva
- Disulfiram
- Calciumcarbimid
- Psychotherapie der Alkoholabhängigkeit
- HAQ
- Helping Alliance Questionnaire
- Therapieprozess-Forschung
- Veränderungsprozesse
- Verhaltensbeobachtung
- Alcohol dependence
- outpatient alcoholism treatment
- alcohol deterrents
- calcium carbimide
- psychotherapy of alcohol dependence
- therapy process research
- processes of change
- behavior observation
- 77.70
- 77.71
- 77.75
- 77.74
- 77.82
- FH 000: Klinische Psychologie
- FHA 100: Klinische Diagnostik, Psychotherapeutische Diagnostik {Klinische Psychologie}
- FHB 400: Sucht - substanz- und nichtsubstanzgebunden, Suchtverhalten, Drogenabhängigkeit {Psychopathologie}
- FHC 400: Psychosoziale Versorgung, Gemeindepsychiatrie und -psychologie {Klinische Psychologie: Vorbeugung}
- FHD 000: Psychotherapie, Behandlung, Rehabilitation: Allgemeines {Psychologie}
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-211
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1488-0
webdoc-1488
550645683 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AC5C-6