Georg-August-Universität Göttingen
Binding von Objekt- und Lokalisationsinformationen im Arbeitsgedächtnis
Abstract
dc:descriptionDas simultane Memorieren von Objekten in Verbindung mit ihren Lokalisationen stellt eine komplexe Anforderung an das Arbeitsgedächtnis, da nicht nur diese beiden einzelnen Informationsdimensionen, sondern auch ihre jeweiligen Zuordnungen korrekt gespeichert werden müssen. Diese Annahme wird auch durch Untersuchungen bestätigt, bei denen eine geringere Gedächtniskapazität für diese sog. Binding-Informationen im Vergleich zu der Speicherung der isolierten Informationsdimensionen nachgewiesen wurde. Auch wenn es bereits zahlreiche Studien zu der Beziehung von Arbeitsgedächtniskapazität und anderen kognitiven Fähigkeiten gibt, wurde allerdings der Zusammenhang zwischen der Fähigkeit, Objekte und Positionen simultan zu memorieren und der individuellen Arbeitsgedächtniskapazität sowie der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit bisher noch nicht untersucht.Die vorliegende Untersuchung (N = 96) beinhaltete ein Experiment, bei dem geometrische Figuren in einer Matrix dargeboten wurden. Dabei wurden drei verschiedene Gedächtnisanforderungen realisiert: In der Lokalisationsbedingung mussten die Positionen der geometrischen Figuren und in der Identitätsbedingung die Figuren selbst memoriert werden. Hingegen war in der Binding-Bedingung zusätzlich eine korrekte Zuordnung dieser Figuren zu ihren ursprünglichen Positionen vorzunehmen. Darüber hinaus wurden anhand von vierzehn verschiedenen Aufgaben exekutive Fähigkeiten, die Kurzzeit- und Arbeitsgedächtniskapazität für visuelle und räumliche Informationen und die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit erfasst. Anschließend wurden diese zu den Gedächtnisleistungen in der Lokalisations-, Identitäts- und Binding-Bedingung in Bezug gesetzt.Es konnte nachgewiesen werden, dass die vergleichsweise niedrige Gedächtniskapazität für die Binding-Informationen auf zwei Gründe zurückzuführen ist. Erstens besteht eine Schwierigkeit in der Binding-Bedingung darin, die Lokalisationen der Objekte zu memorieren. Zweitens zeigte sich ein zusätzliches Defizit in einer fehlerhaften Zuordnung der Figuren zu ihren ursprünglichen Positionen. Die Gedächtnisleistung für die Objekte wird hingegen nicht von dem simultanen Memorieren der Positionen beeinträchtigt. Als eine mögliche Erklärung für diese Asymmetrie zwischen dem visuellen und räumlichen Kurzzeitgedächtnis wird angenommen, dass die räumliche Aufmerksamkeit ein kognitiver Verarbeitungsmechanismus ist, der sowohl für die Speicherung der Lokalisationen als auch für das Memorieren der jeweiligen Verbindungen zwischen den Objekten und ihren Positionen zuständig ist.Eine Beteiligung exekutiver Fähigkeiten an der simultanen Speicherung für die Objekt- und Lokalisationsinformationen ließ sich nicht nachweisen. Hingegen stellte sich die individuelle Arbeitsgedächtniskapazität als ein von der Kurzzeitgedächtniskapazität unabhängiger Einflussfaktor auf die Gedächtniskapazität für die Binding-Informationen heraus. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass kontrollierte Aufmerksamkeit für das Memorieren beider Informationsdimensionen benötigt wird. Weiterhin konnte ein Einfluss der Verarbeitungsgeschwindigkeit auf die Gedächtnisleistung für die Binding-Informationen belegt werden. Abschließend werden Möglichkeiten zur Integration der Befunde in das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley (2000) diskutiert.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Petras, Christina
- Contributors dc:contributor
-
- Lüer, Gerd Prof. Dr.
- Lass, Uta Prof. Dr.
Subjects
dc:subject × 32- 150 Psychologie
- Psychologie
- Binding
- Aufmerksamkeit
- Arbeitsgedächtnis
- episodischer Buffer
- Notizblock
- Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit
- Arbeitsgedächtniskapazität
- Lokalisationsinformationen
- Objektidentität
- visuell
- räumlich
- Zentrale Exekutive
- attention
- working memory
- episodic buffer
- sketchpad
- processing speed
- working memory capacity
- location
- object identity
- visual
- spatial
- central executive
- 77.05
- 77.31
- 77.34
- FAB 000: Kognitionspsychologie
- FAB 100: Wahrnehmungspsychologie, Sinnespsychologie
- FAB 300: Aufmerksamkeit, Vigilanz, Neugier {Kognitionspsychologie}
- FAB 440: Gedächtnis, Wissenspsychologie
Rights
dc:rights- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
-
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-176
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1356-6
webdoc-1356
521369967 - OAI identifier oai:identifier
- oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-AC38-7