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Georg-August-Universität Göttingen

Die ökologische Bedeutung von Hecken für Vögel

Abstract

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Hecken sind kulturhistorisch und landschaftsästhetisch bedeutsame Elemente unserer Kulturlandschaft und sind in Ermangelung von natürlichen Lebensräumen für viele Tier- und Pflanzenarten wichtige Lebensräume geworden. Die Bedeutung von Hecken für Vögel als Rast- und Schlafplatz, Schutz- und Fluchtraum, Nahrungshabitat und Brutbiotop ist unbestritten. Es ist jedoch vergleichsweise wenig darüber bekannt, ob Hecken den sich ansiedelnden Vögeln eine ausreichende Reproduktion ermöglichen. Ein hoher Räuberdruck aufgrund der linearen Struktur, die häufig intensive Nutzung angrenzender Nutzflächen und regelmäßige Pflegemaßnahmen könnten den Bruterfolg von Singvögeln erheblich vermindern. Es war deshalb Ziel dieser Arbeit, heckentypische Vogelarten und deren Dynamik sowie die speziellen brutökologischen Bedingungen in Hecken vergleichend zu untersuchen. Der Arbeit liegen zwei Studien zu Grunde: Das gemeinsame Heckenprogramm" der deutschen Vogelwarten (1994-1998) und eine Freilandstudie zur Brutökologie von Heckenvögeln in der Kulturlandschaft um Göttingen (1998-2000). Im Heckenprogramm wurden 33 Hecken untersucht. Die zur Brutzeit anwesenden Vogelarten wurden durch standardisierten Netzfang mit konstantem Aufwand" ermittelt. Damit können Bestandsveränderungen dokumentiert werden, und über das Verhältnis von Jung- zu Altvögeln kann der jährliche, relative Bruterfolg erfasst werden. Dieser kann zur Bewertung der Habitatqualität in den untersuchten Gebieten benutzt werden. Darüber hinaus wurde der Brutvogelbestand mit der Methode der Revierkartierung ermittelt und mit Heckenstrukturen in Beziehung gesetzt. In der Brutzeit wurden insgesamt über 30.000 Erstfänge von 89 Vogelarten erfasst. Über 90% dieser Gesamtfangsumme entfielen auf 38 heckentypische Vogelarten. Die häufigsten adulten Fänglinge waren Mönchsgrasmücke (13,3%) und Zilpzalp (11,2%). Von den typischen Charaktervögeln halboffener Feldfluren in der Kulturlandschaft sind nur Dorngrasmücke (4,4%), Goldammer (3,7%) und Feldsperling (2,3%) unter den häufigsten 20 Arten vertreten. Neuntöter (0,8%), Gartenrotschwanz (0,5%) und Bluthänfling (0,2%) sind bereits sehr seltene Bewohner von Hecken geworden, weitere Singvogelarten wie Grauammer, Raubwürger und Ortolan konnten weder durch Fang noch durch Kartierung an den untersuchten Hecken festgestellt werden. Die meisten der häufigen Arten gehören zu anpassungsfähigen Bewohnern lichter Waldhabitate und Waldrandzonen, z.B. Gartengrasmücke, Grünling, Rotkehlchen und Amsel (alle um etwa 6% Anteil). In älteren Hecken (>20 Jahre) fanden sich deutlich mehr Vögel als in jüngeren Strukturen. Für Breite, Höhe und Gehölzdichte der Hecken wurden keine Präferenzen über den Gesamtbestand der Fänglinge gefunden, artspezifisch ergaben sich aber doch Zusammenhänge. So bevorzugt die Nachtigall mittelalte, breite und vergleichsweise niedrige Hecken, das Rotkehlchen alte, geschlossene und hohe Hecken. Neuntöter finden sich vornehmlich in lückigen und recht schmalen Hecken, während Sumpfrohrsänger vorzugsweise in lückigen und niedrigen Hecken vorkommen. Der relative Bruterfolg" war in den Jahren 1995, 1997 und 1998 am höchsten und in den genannten Jahren annähernd konstant. 1996 war ein Jahr mit insgesamt schlechtem Bruterfolg. Sowohl Waldarten wie Mönchsgrasmücke und Amsel, als auch Bewohner halboffener Kulturlandschaften wie Dorngrasmücke und Goldammer, zeigten alle einen Tiefpunkt ihrer Produktivität in diesem Jahr. In einer Feldstudie bei Göttingen wurden die Habitatpräferenzen heckenbrütender Vogelarten und deren Reproduktionserfolg ermittelt. Die Hecken wurden anhand von 12 Parametern, die sowohl die Hecke selbst als auch deren Umgebung berücksichtigen, beschrieben und mit den jeweils erfassten Brutvogeldichten in Beziehung gesetzt. Es zeigte sich, dass die Breite einer Hecke und die Anzahl der Überhälter (durch die Hecke gewachsene Bäume) positiv auf die Abundanz wirkt. Damit drückt sich ein enger Zusammenhang zwischen Brutvogeldichte und Gehölzvolumen einer Hecke aus. Dieser ist jedoch vor allem durch die häufigeren und eher waldtypischen Arten (z.B. Amsel, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Singdrossel, Buchfink) bestimmt. Hecken bieten jedoch auch vielen gefährdeten Arten Lebensraum, die andere Habitatansprüche haben. Diese gilt es bei Vorschlägen für ein Management von Hecken mit zu berücksichtigen. In besonderer Weise besteht hier bei der Analyse des Einflusses der umgebenden Landschaft und der Intensität ihrer Nutzung Forschungsbedarf. Prädation ist die häufigste Ursache für Nestverluste. Die Anteil der durch Prädation verlorenen Nester ist aber von Art zu Art unterschiedlich. Die Mehrzahl der Waldarten erleidet hohe Brutverluste. Bei Amsel und Singdrossel gehen 70-80 % der Bruten durch Prädation verloren. Bei bodennah brütenden Arten wie Dorngrasmücke und Zilpzalp sind diese Verluste mit <30 % am geringsten. Der Prädationsdruck ist zu Beginn der Brutzeit sehr hoch und wird ab Juni deutlich geringer. So beträgt der durchschnittliche Anteil erfolgreicher Bruten im April und Mai nur wenig mehr als 20 %, während es im Juni und Juli mit 57 % deutlich mehr sind. Das kommt vor allem spät brütenden Arten zu Gute. Unter Berücksichtigung der jährlichen Mortalität und der Anzahl an Jahresbruten stellen Hecken für Drosseln ein Habitat ohne ausreichende Fortpflanzung dar (sog. Sink-Habitat), für Goldammer und Dorngrasmücke sind Hecken dagegen ein Lebensraum mit hinreichender Reproduktion (Source-Habitat). Zur Aufklärung der Prädationsursachen wurden grasmückenähnliche Kunstnester aufgestellt und mit Wachteleiern bestückt. Einige Nester wurden mit einer Kamera ausgestattet, wodurch die Nesträuber erfasst werden konnten. Im April-Mai wurden 18 von 22 Nestern von der Elster, im Juni-Juli 14 von 19 dagegen vom Eichelhäher ausgeraubt. In einer Analyse der Neststandortparameter zeigte sich, dass das Risiko für Nester in einer Hecke ausgeraubt zu werden hoch ist, wenn (i) die Wegedichte hoch ist, (ii) die Entfernung zum nächsten Wald groß ist und (iii) wenn der Gebüschmantel der Hecke schmal ist. Neben Prädation waren Störungen (Nest verlassen, Eier noch im Nest) und frühe Mahd der Randstreifen die wichtigsten Verlustursachen an echten' Nestern. Auf anthropogen bedingte Störungen wurden bei Goldammer und Dorngrasmücke etwa 12 % und bei der Heckenbraunelle 7 % der Nestverluste zurückgeführt. Das Ausmähen von Nestern ist bei der Dorngrasmücke (24 % aller Verluste), bei Mönchs- und Gartengrasmücke (14 %) und bei der Goldammer (7 %) eine weitere bedeutsame Verlustursache von Vogelbruten, die auf menschliches Handeln zurückzuführen ist. Fazit Hecken werden in hoher Anzahl und Diversität von Vögeln genutzt. Die brutökologische Bedeutung von Hecken hängt zum einen stark von der Ausprägung der Heckenstruktur an sich, zum anderen aber auch in hohem Maße von der unmittelbaren Landschaftsumgebung ab. Waldarten können vielfach unabhängig von der Nutzungsintensität angrenzender Landwirtschaftsflächen in den Hecken siedeln, was Bewohnern von natürlichen halboffenen Lebensräumen (z.B. frühe Sukzessionsstadien von Waldhabitaten, Brand- oder Überflutungsflächen, trockene und nährstoffarme Lebensräume) teilweise nicht gelingt, da sie zum Nahrungserwerb auch von der Gestaltung der Heckenumgebung abhängen. Die Linearität von Hecken verlangt von den Brutvögeln besondere Anpassungen, vor allem in Bezug auf Prädation. Weitere Gefahren für Bruten bestehen durch das Ausmähen der Nester und Störungen, weil Hecken vielfach von Wegen gesäumt sind, die gerade zur Brutzeit oft genutzt werden. Hierauf muss bei der Anlage und Pflege von Hecken besonders geachtet werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Hecken zwar von Vögeln besiedelt werden, ihr anschließender Bruterfolg aber unzureichend ist. Damit könnten solche Hecken zu ökologischen Fallen" werden.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Barkow, Andreas
Contributors dc:contributor
  • Bairlein, Franz Prof. Dr.
  • Mühlenberg, Michael Prof. Dr.
  • Schaefer, Matthias Prof. Dr.
  • Dierschke, Hartmut Prof. Dr.

Subjects

dc:subject × 45

Rights

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Language dc:language
ger

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
https://dx.doi.org/10.53846/goediss-94
urn:nbn:de:gbv:7-webdoc-1118-5
webdoc-1118
360490263
OAI identifier oai:identifier
oai:ediss.uni-goettingen.de:11858/00-1735-0000-0006-ABE8-1

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Georg-August-Universität Göttingen
Base URL
ediss.uni-goettingen.de/oai/request
Last updated
2026-07-24
Source record
OAI-PMH GetRecord
citation

Barkow, Andreas. Die ökologische Bedeutung von Hecken für Vögel. 2012. https://hdl.handle.net/11858/00-1735-0000-0006-ABE8-1