Freie Universität Berlin
Assoziation regionaler Luftschadstoffkonzentrationen und wetterabhängiger Variablen mit der Inzidenz des akuten Myokardinfarktes in Berlin in der Zeit vom 01.01.2008 bis 31.12.2014
Abstract
dc:description.abstractHintergrund: Über die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Gesundheit wird seit langem diskutiert. Assoziationen zwischen Atemwegserkrankungen und Luftschadstoffkonzentrationen wurden bereits in vielen Arbeiten gefunden. In den letzten Jahren ließen Studien auch eine Assoziation zwischen kardialen Erkrankungen und Luftverschmutzung vermuten. Maßnahmen zur Luftreinhaltung etablierte man in europäischen Staaten schrittweise seit Mitte des 19. Jahrhundert. Seit 2008 liegt eine verbindliche europäische Luftqualitätsrichtlinie vor. Von Bedeutung sind in Deutschland heute vor allem Luftschadstoffe, die im Rahmen des Straßenverkehrs bzw. in Heiz- und Industrieanlagen entstehen. Dies sind überwiegend Stickoxide (NOx) und Feinstaubpartikel. Ziel der Arbeit: Die vorliegende Arbeit untersucht die Assoziation zwischen den Luftschadstoffen NOx und Feinstaub sowie Wettereinflüssen mit dem Eintreten eines akuten Herzinfarktes in Berlin. Methodik: Das Berlin-Brandenburger Herzinfarktregister (B2HIR) dokumentiert die Versorgung von Patienten mit akutem Herzinfarkt. Dabei werden unter anderem der genaue Zeitpunkt des Symptombeginns, die Art des Infarktes (STEMI oder NSTEMI) undvorbestehende Risikofaktoren wie Raucherstatus oder Diabetes mellitus mitgeteilt. .Von 2008 – 2014 (Studienzeitraum) war die Anzahl einschließender Berliner Kliniken als Basis der Erhebung weitgehend konstant. Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz stellt Messdaten des Berliner Luftgüte-Messnetzes (BLUME) öffentlich zur Verfügung. Das BLUME-Netzwerk erfasst lokale Tageskonzentrationen von NOX und Feinstaubpartikeln (PM10). Basierend auf den Messdaten des BLUME-Messnetzes wurden Tageswerte für NOX und Feinstaubpartikeln (PM10) zusammengefasst und auch bezogen auf Stationsgruppen (Innenstadt, Hauptverkehrsstraßen und Außenbezirke)gemittelt. Tages- sowie einzelne und über drei Tage gleitend gemittelte Vortageswerte wurden jedem Datum zugeordnet. Zusätzlich wurden tägliche Wetterdaten der Wetterstation Berlin-Tempelhof erfasst. Die Herzinfarktinzidenz der B2HIR-Daten des Studienzeitraums wurde jedem Datum zugeordnet und zusätzlich mit Patientencharakteristika verknüpft. Mittels bivariater Korrelationen und Poisson-Regression wurde die Assoziation zwischen auftretenden Herzinfarkten, Wetterdaten und Luftschadstoffen untersucht. Ergebnisse: Es konnten 17873 Herzinfarktereignisse berücksichtigt werden. Es fand sich eine hoch signifikante Assoziation der Herzinfarktinzidenz mit tagesgleichen NOx-Luftkonzentrationen (p<0,001) und dem gleitenden Dreivortagesmittelwert der PM10-Konzentration (p<0,001). Bezogen auf den Quartilsabstand dieser Variablen ergab sich eine Variation der Herzinfarktinzidenz mit NOx um 3,2% und mit den gemittelten Vortageswerten von PM10 um 4,8%. Die Tageshöchsttemperatur war signifikant invers mit Herzinfarkten assoziiert (p<0,001). Die Herzinfarktinzidenz der Raucher war durch Luftschadstoffe unbeeinflusst. Schlussfolgerung: In dieser Arbeit wird für Berlin erstmals eine signifikante Assoziation der Luftschadstoffe NOx und PM10 mit Herzinfarkten nachgewiesen. Die Infarktinzidenz variierte mit diesen Variablen im einstelligen Prozentbereich. Dass es sich dabei wahrscheinlich um einen kausalen Zusammenhang handelt, wird aus dem Fehlen der Assoziation bei den sich laufend selbst unter anderem mit Feinstaub und NOx belastenden Rauchern deutlich.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- de Buhr-Stockburger, Insa
Subjects
dc:subject × 5Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-34632