Freie Universität Berlin
Klinisch stumme Hirninfarkte – Bedeutung des initialen Läsionsmusters für die Wahrscheinlichkeit neuer Läsionen auf diffusionsgewichteten MRT-Sequenzen bei Schlaganfallpatienten
Abstract
dc:description.abstractEinleitung: Schlaganfallpatienten weisen nach dem initialen bildmorphologischen Befund häufig neue Läsionen auf diffusionsgewichteten MRT- Sequenzen (DWI-Läsionen) auf. Diese neuen DWI-Läsionen treten meist ohne klinisches Korrelat auf. Sie sind jedoch mit einem erhöhten Risiko für nachfolgende klinisch manifeste vaskuläre Ereignisse assoziiert. Ein unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten neuer DWI-Läsionen nach einem Schlaganfall ist das initiale Läsionsmuster: In vorangegangenen Studien konnte gezeigt werden, dass Patienten mit nicht singulärem Läsionsmuster ein erhöhtes Risiko für neue DWI-Läsionen haben. Eine genauere Differenzierung von Patienten mit nicht singulärem Läsionsmuster nach Gefäßgebieten erfolgte bisher nicht. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, durch eine genauere Differenzierung von Patienten mit nicht singulärem Läsionsmuster diejenigen Patienten mit dem höchsten Risiko für neue DWI-Läsionen zu identifizieren. Methodik: Schlaganfallpatienten wurden innerhalb einer Woche nach dem initialen Ereignis dreimal mittels Magnetresonanztomografie (MRT, 3 Tesla) untersucht: In der Erstversorgung, am Folgetag und nach vier bis sieben Tagen. Die diffusionsgewichteten MRT-Sequenzen wurden anonymisiert und in eine randomisierte Reihenfolge gebracht. DWI-Läsionen wurden manuell markiert. Anschließend wurden die drei Aufnahmen jedes Patienten koregistriert. Während der gesamten Bildanalyse waren sämtliche an der Auswertung beteiligte Personen bezüglich klinischer Informationen zu den jeweiligen Patienten geblindet. In der ersten MRT- Messung wurde das initiale Läsionsmuster bestimmt, die beiden Folgemessungen dienten zur Überprüfung auf neue DWI-Läsionen. Patienten mit nicht singulärem Läsionsmuster wurden differenziert in Patienten mit gescattertem (= mehrere Läsionen innerhalb eines Gefäßgebiets) und Patienten mit multiplem Läsionsmuster (= mehrere Läsionen verteilt auf zwei oder mehr Gefäßgebiete). Es wurden drei Gefäßgebiete unterschieden: Das Gefäßgebiet der Arteria carotis interna links, der Arteria carotis interna rechts und das vertebrobasiläre Gefäßgebiet. Ergebnisse: Insgesamt 340 Schlaganfallpatienten wurden untersucht. 43% der untersuchten Patienten hatten ein singuläres, 40% ein gescattertes und 17% ein multiples Läsionsmuster. Neue DWI-Läsionen konnten bei 38% der Patienten festgestellt werden. Das Risiko für neue DWI- Läsionen nach einem Schlaganfall war bei Patienten mit multiplem Läsionsmuster ca. vierfach höher (Odds Ratio = 3.64, 95% Konfidenzintervall: 1.75 – 7.58) und bei Patienten mit gescattertem Läsionsmuster ca. zweifach höher (Odds Ratio = 1.96, 95% Konfidenzintervall: 1.09 – 3.56) als bei Patienten mit einem singulärem Läsionsmuster. Patienten mit multiplem Läsionsmuster hatten im Vergleich zu Patienten mit gescattertem Läsionsmuster häufiger Diabetes mellitus. Auch lagen neue DWI-Läsionen bei Patienten mit multiplem Läsionsmuster häufiger außerhalb des initialen Perfusionsdefizites als bei Patienten mit gescattertem Läsionsmuster. Schlussfolgerung: Das initiale Läsionsmuster ist ein unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten neuer DWI- Läsionen. Schlaganfallpatienten mit multiplem Läsionsmuster haben das höchste Risiko für neue DWI-Läsionen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Brämswig, Tim Bastian
Subjects
dc:subject × 6Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger, eng
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-6714