{"id":{"repo_id":"fu-berlin","oai_identifier":"oai:refubium.fu-berlin.de:fub188/12217"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/fu-berlin/oai:refubium.fu-berlin.de:fub188/12217","repository":{"repo_id":"fu-berlin","name":"Freie Universität Berlin","base_url":"https://refubium.fu-berlin.de/oai/request"},"display":{"title":"Der kranke Mann","abstract":"Die Arbeit bewegt sich auf der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaften und Medizingeschichte. Sie untersucht vier Texte aus der deutschsprachigen Jahrhundertwende, um die Berührungspunkte von Vorstellungen von Krankheit/Gesundheit und Geschlechtervorstellungen in ihrer Repräsentation in Texten aufzuzeigen. Die Arbeit beinhaltet vier Textanalysen. Es wurden zwei literarische Texte für die Untersuchung gewählt: Thomas Manns Novelle Tod in Venedig und Heinrich Manns Roman Die Jagd nach Liebe, und zwei nicht- literarische Texte, die sich zwischen Medizin und Kulturkritik bewegen: Max Nordaus Entartung und Otto Weiningers Geschlecht und Charakter. Ausgehend von der privilegierten Position der medizinischen Wissenschaften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und von den in Unruhe geratenen Geschlechterverhältnissen zeigt diese Arbeit die Kreuzungspunkte der beiden Gegensatzpaare - aufgestellt von Gesundheit/Krankheit und Männlichkeit/Weiblichkeit - in Diskursen um 1900 auf. Ein leitender Gedankengang ist, dass zur Jahrhundertwende beide Oppositionspaare mit ihren Implikationen zu einem Verständnis von Normalität beigetragen haben und dass sie in verschiedenen Weisen in unterschiedlichen Diskursen verhandelt, diskutiert, neu strukturiert werden. Um 1900 lässt sich eine Krise dieser beiden, im Zentrum dieser Dissertation stehenden, dichotomischen Strukturen beobachten. Die Texte werden in Hinblick auf diese krisenhafte Situation als Zeichen der Krise gelesen, aber auch als Texte, die durch ihre Funktionsweisen performativ zu dieser Krise beitragen. Methodologisch sind die Analysen insbesondere durch die Diskursanalyse und die Gender-Theorie geprägt. Ausgehend von den Grundprämissen Michel Foucaults ist diese Arbeit von dem Wissen um historische und kulturelle Differenzen markiert. Diese Dissertation zeigt das grammatische, soziale und epistemische Konfigurationen herausmodellieren, was in einer bestimmte Epoche Kriterien für mögliche Wahrheiten sind. Der Blick ist darauf gerichtet, wie etwas sich zeigt, wie es diskursiv gefasst wird und was darüber ausgesagt werden kann.","abstract_html":"Die Arbeit bewegt sich auf der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaften und Medizingeschichte. 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Einleitung 5 II. Kontextuelle Situierung 26 1\\. Zur Geschichte und Bedeutung bestimmter Begrifflichkeiten im fin de siècle 26 1.1 \"Décadence\" 26 1.2 \"Degeneration\" 36 1.3 Nerven 39 2\\. Zur Diskursformation um 1900 43 III. Zum Verhältnis von Krankheit und Literatur: Theorien, Perspektiven, Ansätze 48 1\\. Zu Krankheit in der Empirie, in der Kunst und in den Wissenschaften 48 1.1 Susan Sontag: Zur Ent-Metaphorisierung von Krankheit 50 1.2 Sander L. Gilman: Repräsentation von Krankheit als Exorzismus der Angst 54 1.3 Thomas Anz: Krankheit und Gesundheit als diskursive Akte der Wertung und Normvermittlung 58 2\\. Fluchtpunkte anderer Ansätze zum Verhältnis von Kunst und Krankheit 61 2.1 Krankheit als Zeichen der modernen Ästhetik 62 2.2 Bioethik/Medizinethik: Die narrative Krankheit als Bereicherung des medizinischen Blicks 64 3\\. Über- und Ausblick der vorgestellten Ansätze 67 IV. Zur Vorstellung von Männlichkeit um 1900 69 1\\. Von der feministischen Theorie zur Genderproblematik 69 2\\. Der Idealtypus \"Mann\" als Verkörperung gesellschaftlicher Normen 73 3\\. Die Kategorie \"Geschlecht\" und die Arbeit mit Texten 76 4\\. Zur Konstruktion der modernen Maskulinität 80 5\\. Das Patriarchat um die Jahrhundertwende 84 V. Zur Regulierung und Repräsentation von Körpern 90 1\\. Michel Foucault: der disziplinierte Körper 92 2\\. Das subversive Potenzial von Körpern 101 3\\. Leiblichkeit und Schrift: ein Verhältnis zwischen abwesender Präsenz und allgegenwärtiger Absenz 104 VI. Die Verschränkung von 'Medizin, Moral und Ästhetik' in Max Nordaus Entartung 111 1\\. Nordau als Wissenschaftler und Entartung als medizinische Abhandlung 112 2\\. Das Heiligtum der Vernunft 125 3\\. Das fin de siècle als Zeitkrankheit: Symptome und Ätiologie 134 4\\. Pflicht, Arbeit und Sittlichkeit: der moralische Standpunkt Nordaus 139 5\\. Max Nordaus Konzeption der Kunst 147 6\\. Fazit 152 VII. Strategien der Inszenierungen: Geschlecht, Körper und Sexualität in Heinrich Manns Die Jagd nach Liebe 155 1\\. Zur Ökonomie der Körper 156 2\\. \"Geschlecht\" als Inszenierung 166 3\\. Die Figur Claude Marehns 177 3.1 Claude Marehn als Dilettant 178 3.2 Claude Marehn als Neurastheniker 183 4\\. Fazit 188 VIII. \"M\" und \"W\" als Ordnungsprinzipien der Menschheit in Otto Weiningers Geschlecht und Charakter 190 1\\. Otto Weininger im Kontext der Wiener Moderne 191 2\\. Die Frage nach der Beschaffenheit von Sexualität 200 3\\. Otto Weiningers Kreuzzug des Geistes gegen das weibliche Prinzip 206 3.1. Die Sexualisierung der Frau 206 3.2 Die Vergeistigung des Mannes 209 3.3 Die Ver-Nichtung der Frau 212 3.4 Die Re-Etablierung eines \"intelligiblen Ich\" 214 3.5 Die Utopie einer Menschheit jenseits der Sexualität 216 4\\. Die Judenfrage: Weiningers Verweiblichung des Juden 218 5\\. Fazit 221 IX. Das Scheitern der Körper/Geist-Dichotomie in Thomas Manns Der Tod in Venedig 224 1\\. Aschenbachs Moralität des Geistes 225 2\\. Das Einbrechen des dionysischen Chaos 232 3\\. Das Versagen des Wortes und die Präsenz des Körperlichen 243 4\\. Fazit 255 X. Schlussbemerkungen: Der melancholische Mann 258 Bibliographie 264 Danksagungen"]},{"key":"dc:description.abstract","label":"Abstract","values":["Die Arbeit bewegt sich auf der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaften und Medizingeschichte. Sie untersucht vier Texte aus der deutschsprachigen Jahrhundertwende, um die Berührungspunkte von Vorstellungen von Krankheit/Gesundheit und Geschlechtervorstellungen in ihrer Repräsentation in Texten aufzuzeigen. Die Arbeit beinhaltet vier Textanalysen. Es wurden zwei literarische Texte für die Untersuchung gewählt: Thomas Manns Novelle Tod in Venedig und Heinrich Manns Roman Die Jagd nach Liebe, und zwei nicht- literarische Texte, die sich zwischen Medizin und Kulturkritik bewegen: Max Nordaus Entartung und Otto Weiningers Geschlecht und Charakter. 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The two literary texts chosen for this investigation are: Thomas Mann's novella Tod in Venedig and Heinrich Mann's novel Die Jagd nach Liebe; the two non-literary texts, which oscillate between medicine and culture criticism are Max Nordau's Entartung and Otto Weiningers Geschlecht und Charakter. On the basis of the privileged position of the medical sciences in the second half of the 19th Century and of the conceptions of Gender which had come into a problematic situation of insecurity, this dissertation thesis points out the crossovers of the two pairs of oppositions - consisting of health/illness and masculinity/femininity - in discourses around 1900. A leading train of thought is that in the turn of the century both pairs of oppositions with their implications were of great importance for a comprehension of normality and that they were negotiated, discussed and structured in different discourses in different forms. Around 1900 a crisis of these two, dichotomized structures can be observed, which forms a central point of this dissertation thesis. In view of this crisis situation, the texts are read as indications of the crisis and, in addition, as texts which contribute to this crisis performatively by their function modes. Methodologically, the analyses are marked in particular by the discourse analysis and Gender theory. On the basis of the ideas of Michel Foucault this thesis is marked by the knowledge of historical and cultural differences. This thesis concludes that grammatical, social and epistemic models configure what in certain epochs form criteria for possible truths. 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