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Oder begründeten die katholisch-konservative und die republikanisch-laizistische Deutung der Niederlage zwei verschiedene Erinnerungstraditionen, die das Gedenken an 1870/71 mehr zum Ausdruck der gesellschaftlichen Polarisierung als zum Versuch ihrer Überwindung machten? Darüber hinaus wird der Stellenwert der Revanche-Idee beim Gedenken an 1870/71 untersucht. <br>Im Ergebnis wird herausgearbeitet, dass das Kriegsgedenken bis Ende der 1880er Jahre in hohem Maß Ausdruck der gesellschaftlichen Polarisierung war. Der katholische und der republikanische Erinnerungsdiskurs implizierten das Bekenntnis zu zwei nicht miteinander vereinbaren Gesellschaftskonzeptionen. Nach 1890 hingegen, als die Republik zur allgemein anerkannten Staatsform geworden war, dominierte ein zentristischer, allgemeinpatriotischer Erinnerungsdiskurs. Er war nicht mehr an eine konkrete Gesellschaftskonzeption gebunden, sondern zelebrierte das Kriegsgedenken als überparteiliche vaterländische Sakralhandlung und definierte sich politisch nur noch negativ in der Abgrenzung von Antipatriotismus und Antimilitarismus. <br>Bezüglich des Verhältnisses zu Deutschland wird gezeigt, dass die Gedenkfeiern für 1870/71 in ihrer Mehrheit weniger der offensiven Revanche-Idee gewidmet waren als vielmehr dem defensiven Gedanken der Abwehrbereitschaft. Explizite Aufrufe zur Wiedereroberung der verlorenen Provinzen waren nicht die Regel; wenn sie vorkamen, dann wohnte ihnen häufig ein innenpolitisch oppositionelles Potenzial inne, mit dem die zurückhaltende Deutschlandpolitik, die alle Regierungen zwischen 1871 und 1914 betrieben, kritisiert werden konnte.","abstract_html":"Die Arbeit untersucht die Gedenkfeiern an den Krieg von 1870/71 vor dem Hintergrund der französischen Innenpolitik zwischen 1871 und 1914. 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