University of Freiburg
Evolution und Struktur des Oberrheingrabens : quantitative Einblicke mit Hilfe dreidimensionaler thermomechanischer Modellrechnungen
Abstract
dc:description.abstractIn der Modellstudie wurde ein numerisches Modell für ein kontinentales Riftsystem erstellt, welches durch präexistierende Störungen sowohl entlang in seinem Streichen als auch quer dazu vorgezeichnet war. Das Modell beschreibt die endo- und exogenen Prozesse in ihren wesentlichen thermischen und mechanischen Auswirkungen. Ein Schwerpunkt der Arbeit waren im Rahmen einer Parameterstudie der quantitative Zusammenhang zwischen Vertikalbewegungen im Riftsystem und verschiedenen Materialeigenschaften sowie unterschiedlichen Randbedingungen. Das zweite Projektziel war die Simulation der zeitlich und räumlich variierenden Subsidenz bzw. Hebung im Oberrheingrabengebiet auf der Basis der in der Parameterstudie gewonnenen Erkenntnisse. <br>Die Einbindung der physikalischen Prozesse, die Bilanzierung im lithosphärischen Maßstab und die Modellierung in drei Raumdimensionen ermöglichte es gegenüber den bisher angewandten, geometrischen Bilanzierungsmethoden, Aussagen über Riftkinematik und Beckendynamik des Oberrheingrabens zu gewinnen. Die wichtigsten Schlußfolgerungen der Modellstudie sind: <br>1.Primäre Einflußfaktoren auf die Vertikalbewegungen von Moho, Graben und Schultern sind die Reibungskoeffizienten, Geometrie und der Tiefgang der Grabenrandstörungen. Dagegen sind die Auswirkungen der exogenen Prozesse und der thermisch-rheologischen Verhältnisse im Kriechregime nachrangig. <br> <br>2.Die Deformation wird an sublistrischen Störungen bis in ca. 16 km Tiefe lokalisiert. Darunter erfolgt eine raumgreifend-viskose Materialreaktion. Potentielle mantellithosphärische Scherzonen haben keinen Einfluß auf die Riftarchitektur und -evolution in seichteren Krustentiefen. <br>3.Die Reibungskoeffizienten auf den Grabenrandstörungen liegen meist im Bereich von 0.3 bis 0.4. <br> <br>4.In der Unterkruste liegen geringe bis mittlere Viskositäten vor. Eine laterale und vertikale Heterogenität in der unterkrustalen Zusammensetzung ist ohne Auswirkung auf die Riftevolution. <br> <br>5.Es sind eine horizontale Extension von 7.5 bis 8.5 km sowie ein sinistraler Versatz von nicht mehr als 4.5 km über das gesamte Riftsystem notwendig, um die beobachteten Sedimentmächtigkeiten zu akkommodieren. <br> <br>Mit den Modellergebnissen können gegensätzliche Positionen in Bezug auf die Riftkinematik aufgelöst werden. Ihre Übereinstimmung mit den Vergleichsdaten gibt eine Präferenz für die Modellvorstellungen, die eine Entwicklung des Oberrheingrabens in zwei Phasen vermuten, wobei die regionale Streckungsachse in der ersten Phase eine ungefähr riftsenkrechte Ausrichtung aufwies. <br>Die numerischen Prognosen nehmen nur Bezug auf die Zeiten mit sedimentärer Aufzeichnung. Sie beinhalten keine Aussagen über die tektonosedimentären Verhältnisse in den Zeiträumen mit Hiatus´. In den Modellierungen wird allerdings eine sehr hohe Sensibilität der Subsidenz gegenüber Änderungen in den mechanischen Eigenschaften der Störungen und deren Orientierung gegenüber dem herrschenden Spannungsfeld aufgezeigt. Änderungen beider Größen können möglicherweise als Erklärung für die langzeitlichen Schichtausfälle im Oberrheingrabengebiet dienen. <br>Es ergeben sich teilweise signifikante Differenzen zwischen den numerischen Prognosen und den Vergleichsdaten im nördlichen Oberrheingraben. Es wird neben der Einbindung zusätzlichen Strukturinventars in dieser Region auch eine Ähnlichkeit in der Größe der horizontalen Hauptnormalspannungen als Lösungsansatz vorgeschlagen. Diese Erklärungsansätze müssen einer Bewertung mit weiteren numerischen Simulationen unterzogen werden. Die Modellstudie kann daher nur als ein erster Schritt dienen, um die komplexe Interaktion zwischen Extension und lateraler Translation in einem räumlich und zeitlich variierenden Spannungsfeld mit präexistentem Strukturinventar zu verstehen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Schwarz, Michael
- Contributors dc:contributor
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- Henk, Andreas
Subjects
dc:subject × 9Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://freidok.uni-freiburg.de/data/2382
- OAI identifier oai:identifier
- oai:freidok.uni-freiburg.de:2382