{"id":{"repo_id":"freiburg-diss","oai_identifier":"oai:freidok.uni-freiburg.de:2315"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/freiburg-diss/oai:freidok.uni-freiburg.de:2315","repository":{"repo_id":"freiburg-diss","name":"University of Freiburg","base_url":"https://freidok.uni-freiburg.de/oai/oai2.php"},"display":{"title":"Charakterisierung der Expression von Synaptopodin in der postnatalen Entwicklung des Hippocampus","abstract":"Der postsynaptische Pol einer Vielzahl exzitatorischer Synapsen wird von charakteristischen Ausstülpungen der Zellmembran, sog. dendritischen Spines gebildet. Bei diesen handelt es sich um höchst dynamische Strukturen, welche auf synaptische Aktivierung mit der Änderung ihrer Form und Größe reagieren und deren Motilität auf der Reorganisation postsynaptischer Aktinfilamente beruht. Synaptopodin ist ein bisher wenig charakterisiertes Aktin-bindendes Protein, das überwiegend in dendritischen Spines vorliegt und eine starke Expression in Prinzipalneuronen des Telenzephalons aufweist. Innerhalb dieser Spines wurde Synaptopodin in der sog. PSD (post synaptic density) und im Spinehals nachgewiesen. Im Spinehals findet sich Synaptopodin in Assoziation an ein hochorganisiertes Cytoskelett-Kompartiment, den sog. Spineapparat. Eine entscheidende Rolle von Synaptopodin in der Bildung solcher Spineapparate geht aus Untersuchungen von Synaptopodin-knockout Mäusen hervor, bei denen in dendritischen Spines kein Spineapparat nachgewiesen werden kann. Diese Tieren zeigen zudem eine Verminderung hippocampaler LTP (long term potentiation) sowie Einschränkungen des Ortsgedächtnisses. <br>Die bisherigen Befunde ergeben ein Modell, in dem Synaptopodin durch die Bündelung von Aktinfilamenten die Spinemotilität moduliert und damit Prozesse der synaptischen Plastizität mitbestimmt. Dadurch wird es in unmittelbarem Zusammenhang mit höheren ZNS-Funktionen wie Lernen und Gedächtnis gesehen. <br>Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand in der genauen Charakterisierung des Expressionsmusters von Synaptopodin im sich entwickelnden Hippocampus und in der histologischen Zuordnung zu bestimmten hippocampalen Neuronenpopulationen. Dazu kamen in situ Hybridisierung, Immunhistochemie und Elektronenmikroskopie zum Einsatz. In einer Entwicklungsstudie wurde das räumliche und zeitliche Verteilungsmuster von Synaptopodin-mRNA und -Protein im Rattenhippocampus von der Geburt bis zum Alter von 1,5 Jahren verfolgt. Es zeigt sich, dass Synaptopodin-mRNA bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden ist und in ihrem Auftreten dem Muster der neuronalen Entwicklung folgt. Zum Zeitpunkt der Geburt wird Synaptopodin-mRNA vor allem in Pyramidenzellen der CA3 Region exprimiert. Am postnatalen Tag 6 (P6) tritt zusätzlich eine Expression in Pyramidenzellen der CA1 Region des Ammonhorns sowie in suprapyramidale Körnerzellen des Gyrus dentatus auf. An P9 wird Synaptopodin, ähnlich wie bei adulten Tieren, von allen Prinzipalneuronen des Hippocampus exprimiert. Während Synaptopodin-mRNA auf die Somata der Neurone beschränkt ist, liegt das Protein überwiegend in dendritischen Schichten vor. Synaptopodin-Protein lässt sich ab dem postnatalen Tag 5 detektieren und folgt in seiner Verteilung ebenfalls dem Muster der neuronalen Entwicklung. An P5 zeigt sich eine schwache Färbung des Statum oriens, welche an P9 stärker ausgeprägt ist und von einer Markierung des Stratum moleculare im Gyrus dentatus begleitet wird. Das adulte Verteilungsmuster mit einer Markierung aller dendritischer Schichten wird an P12 erreicht. Das Auftreten von Synaptopodin setzt somit zu einer Zeitphase ein, in der sich dendritische Spines entwickeln und verläuft parallel zu ihrer Reifung. Ferner sollte untersucht werden, ob Synaptopodin neben seiner Expression in Prinzipalneuronen des Hippocampus auch von spinetragenden Interneuronen exprimiert wird und allgemein als Marker spinetragender Neurone angesehen werden kann. Dazu wurden Kolokalisationsexperimente mit Synaptopodin-mRNA und interneuronalen Markerproteinen wie Calbindin, Calretinin und Parvalbumin durchgeführt. Dabei dienten Calbindin und Parvalbumin als Marker jeweiliger Untergruppen spineloser Interneurone, während Calretinin darüber hinaus auch in spinetragenden Interneuronen im Hilus und der CA3-Region des Hippocampus vorliegt. Zum ersten Mal wurde dabei nachgewiesen, dass Synaptopodin neben der Expression in Prinzipalneuronen auch in Interneuronen vorhanden ist. Synaptopodin konnte bei Ratten und Mäusen sowohl mit Calretinin als auch mit Calbindin und Parvalbumin kolokalisiert werden. Damit wurde ferner zum ersten Mal gezeigt, dass Synaptopodin nicht ausschließlich in spinetragenden, sondern auch in spinelosen Neuronen vorkommt. Diese Befunde implizieren eine weitere zellbiologische Rolle von Synaptopodin, die nicht mit dendritischen Spines und auch nicht mit dem Spineapparat im Zusammenhang steht. Diese Hypothese wurde dadurch gestützt, dass in spinetragenden, Calretinin-positiven Interneuronen elektronenmikroskopisch keine Spineapparate nachgewiesen werden konnten.","abstract_html":"Der postsynaptische Pol einer Vielzahl exzitatorischer Synapsen wird von charakteristischen Ausstülpungen der Zellmembran, sog. dendritischen Spines gebildet. Bei diesen handelt es sich um höchst dynamische Strukturen, welche auf synaptische Aktivierung mit der Änderung ihrer Form und Größe reagieren und deren Motilität auf der Reorganisation postsynaptischer Aktinfilamente beruht. Synaptopodin ist ein bisher wenig charakterisiertes Aktin-bindendes Protein, das überwiegend in dendritischen Spines vorliegt und eine starke Expression in Prinzipalneuronen des Telenzephalons aufweist. Innerhalb dieser Spines wurde Synaptopodin in der sog. PSD (post synaptic density) und im Spinehals nachgewiesen. Im Spinehals findet sich Synaptopodin in Assoziation an ein hochorganisiertes Cytoskelett-Kompartiment, den sog. Spineapparat. Eine entscheidende Rolle von Synaptopodin in der Bildung solcher Spineapparate geht aus Untersuchungen von Synaptopodin-knockout Mäusen hervor, bei denen in dendritischen Spines kein Spineapparat nachgewiesen werden kann. 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Es zeigt sich, dass Synaptopodin-mRNA bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden ist und in ihrem Auftreten dem Muster der neuronalen Entwicklung folgt. Zum Zeitpunkt der Geburt wird Synaptopodin-mRNA vor allem in Pyramidenzellen der CA3 Region exprimiert. Am postnatalen Tag 6 (P6) tritt zusätzlich eine Expression in Pyramidenzellen der CA1 Region des Ammonhorns sowie in suprapyramidale Körnerzellen des Gyrus dentatus auf. An P9 wird Synaptopodin, ähnlich wie bei adulten Tieren, von allen Prinzipalneuronen des Hippocampus exprimiert. Während Synaptopodin-mRNA auf die Somata der Neurone beschränkt ist, liegt das Protein überwiegend in dendritischen Schichten vor. Synaptopodin-Protein lässt sich ab dem postnatalen Tag 5 detektieren und folgt in seiner Verteilung ebenfalls dem Muster der neuronalen Entwicklung. An P5 zeigt sich eine schwache Färbung des Statum oriens, welche an P9 stärker ausgeprägt ist und von einer Markierung des Stratum moleculare im Gyrus dentatus begleitet wird. Das adulte Verteilungsmuster mit einer Markierung aller dendritischer Schichten wird an P12 erreicht. Das Auftreten von Synaptopodin setzt somit zu einer Zeitphase ein, in der sich dendritische Spines entwickeln und verläuft parallel zu ihrer Reifung. Ferner sollte untersucht werden, ob Synaptopodin neben seiner Expression in Prinzipalneuronen des Hippocampus auch von spinetragenden Interneuronen exprimiert wird und allgemein als Marker spinetragender Neurone angesehen werden kann. Dazu wurden Kolokalisationsexperimente mit Synaptopodin-mRNA und interneuronalen Markerproteinen wie Calbindin, Calretinin und Parvalbumin durchgeführt. Dabei dienten Calbindin und Parvalbumin als Marker jeweiliger Untergruppen spineloser Interneurone, während Calretinin darüber hinaus auch in spinetragenden Interneuronen im Hilus und der CA3-Region des Hippocampus vorliegt. 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Diese Tieren zeigen zudem eine Verminderung hippocampaler LTP (long term potentiation) sowie Einschränkungen des Ortsgedächtnisses. <br>Die bisherigen Befunde ergeben ein Modell, in dem Synaptopodin durch die Bündelung von Aktinfilamenten die Spinemotilität moduliert und damit Prozesse der synaptischen Plastizität mitbestimmt. Dadurch wird es in unmittelbarem Zusammenhang mit höheren ZNS-Funktionen wie Lernen und Gedächtnis gesehen. <br>Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand in der genauen Charakterisierung des Expressionsmusters von Synaptopodin im sich entwickelnden Hippocampus und in der histologischen Zuordnung zu bestimmten hippocampalen Neuronenpopulationen. Dazu kamen in situ Hybridisierung, Immunhistochemie und Elektronenmikroskopie zum Einsatz. In einer Entwicklungsstudie wurde das räumliche und zeitliche Verteilungsmuster von Synaptopodin-mRNA und -Protein im Rattenhippocampus von der Geburt bis zum Alter von 1,5 Jahren verfolgt. Es zeigt sich, dass Synaptopodin-mRNA bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden ist und in ihrem Auftreten dem Muster der neuronalen Entwicklung folgt. Zum Zeitpunkt der Geburt wird Synaptopodin-mRNA vor allem in Pyramidenzellen der CA3 Region exprimiert. Am postnatalen Tag 6 (P6) tritt zusätzlich eine Expression in Pyramidenzellen der CA1 Region des Ammonhorns sowie in suprapyramidale Körnerzellen des Gyrus dentatus auf. An P9 wird Synaptopodin, ähnlich wie bei adulten Tieren, von allen Prinzipalneuronen des Hippocampus exprimiert. Während Synaptopodin-mRNA auf die Somata der Neurone beschränkt ist, liegt das Protein überwiegend in dendritischen Schichten vor. Synaptopodin-Protein lässt sich ab dem postnatalen Tag 5 detektieren und folgt in seiner Verteilung ebenfalls dem Muster der neuronalen Entwicklung. An P5 zeigt sich eine schwache Färbung des Statum oriens, welche an P9 stärker ausgeprägt ist und von einer Markierung des Stratum moleculare im Gyrus dentatus begleitet wird. Das adulte Verteilungsmuster mit einer Markierung aller dendritischer Schichten wird an P12 erreicht. Das Auftreten von Synaptopodin setzt somit zu einer Zeitphase ein, in der sich dendritische Spines entwickeln und verläuft parallel zu ihrer Reifung. Ferner sollte untersucht werden, ob Synaptopodin neben seiner Expression in Prinzipalneuronen des Hippocampus auch von spinetragenden Interneuronen exprimiert wird und allgemein als Marker spinetragender Neurone angesehen werden kann. Dazu wurden Kolokalisationsexperimente mit Synaptopodin-mRNA und interneuronalen Markerproteinen wie Calbindin, Calretinin und Parvalbumin durchgeführt. Dabei dienten Calbindin und Parvalbumin als Marker jeweiliger Untergruppen spineloser Interneurone, während Calretinin darüber hinaus auch in spinetragenden Interneuronen im Hilus und der CA3-Region des Hippocampus vorliegt. Zum ersten Mal wurde dabei nachgewiesen, dass Synaptopodin neben der Expression in Prinzipalneuronen auch in Interneuronen vorhanden ist. Synaptopodin konnte bei Ratten und Mäusen sowohl mit Calretinin als auch mit Calbindin und Parvalbumin kolokalisiert werden. Damit wurde ferner zum ersten Mal gezeigt, dass Synaptopodin nicht ausschließlich in spinetragenden, sondern auch in spinelosen Neuronen vorkommt. Diese Befunde implizieren eine weitere zellbiologische Rolle von Synaptopodin, die nicht mit dendritischen Spines und auch nicht mit dem Spineapparat im Zusammenhang steht. Diese Hypothese wurde dadurch gestützt, dass in spinetragenden, Calretinin-positiven Interneuronen elektronenmikroskopisch keine Spineapparate nachgewiesen werden konnten.","The postsynaptic face of many excitatory synapses consists of specific, mushroom-shaped processes of the cell membrane, the so-called dendritic spines. Dendritic spines are highly dynamic structures that respond to synaptic activation with a change in size and shape, secondary to rearrangements of postsynaptic actin filaments. Synaptopodin is an actin binding protein that is predominantly found in dendritic spines and that is highly expressed by telencephalic principal neurons. Within the dendritic spine, synaptopodin is localized in the PSD (post synaptic density) and in the spine neck, where it is closely associated with the cytoskeletal spine apparatus. Studies with synaptopodin-knockout mice imply a pivotal role of synaptopodin for the proper development of spine apparatus, since those mice lack this highly organized cellular organelle. Furthermore, these animals reveal impaired hippocampal long term potentiation (LTP) and spatial memory. Synaptopodin is suggested to modulate spine motility through its ability to reorganize actin filaments and thereby to influence synaptic plasticity. These discussed properties lead to implications about an immediate role of synaptopodin in higher CNS functions like learning and memory. <br>The aim of the present study was to scrutinize the exact expression pattern of synaptopodin in the developing hippocampus and the histological assignment to distinct hippocampal neuron subpopulations. Results were obtained with in situ hybridization, immunohistochemistry and transmission electron microscopy. In a developmental series, the spatial and temporal distribution pattern of synaptopodin mRNA and protein was followed in rats from birth through the age of 1.5 years. The results indicate that synaptopodin mRNA is already present at birth and that its pattern of appearance directly follows the pattern of neuronal development. At birth, synaptopodin mRNA is predominantly expressed by CA3 pyramidal cells. On postnatal day 6 (P6), synaptopodin expression can also be detected in CA1 pyramidal cells, as well as in suprapyramidal granular cells of the dentate gyrus. On P9, the synaptopodin expression pattern includes virtually all hippocampal principal neurons as can be observed in adult animals. While synaptopodin mRNA is restricted to neuronal somata, the majority of the protein is found in dentritic layers. Synaptopodin protein cannot be detected before P5, but does follow the same spatial pattern as its mRNA. On P5, a weak signal emerges in the stratum oriens and becomes stronger upon P9, accompanied by signals in the stratum moleculare of the dentate gyrus. The adult immunostaining pattern that includes all dendritic layers is reached by P12. Taken together, the appearance of synaptopodin parallels the emergence and maturation of synaptic spines. Furthermore, it was sought to investigate whether synaptopodin can also be found in spine bearing neurons other than principal neurons. This part of the study was performed with colocalization of synaptopodin mRNA and calbindin-, calretinin- and parvalbumin-immunostaining. Herein, calbindin and parvalbumin served as markers of spineless interneuron subpopulations, while calretinin is known to be present in spine bearing interneurons of the hilar and CA3 region, as well. It could be shown for the first time that synaptopodin is not only present in principal neurons but also in interneurons. Colocalization of synaptopodin was detected with calretinin, calbindin and parvalbumin in rats and in mice, demonstrating that synaptopodin is found not only in spine bearing but also in spineless neurons. These findings suggest a new role of synaptopodin, distinct from its traditional context of dendritic spines and spine apparatus. This hypothesis was further supported by a series of electron micrographs of calretinin-positive, spine bearing interneurons that obviously lacked spine apparatus."]},{"key":"dc:format.medium","label":"Dc Format Medium","values":["application/pdf"]},{"key":"dc:title","label":"Title","values":["Charakterisierung der Expression von Synaptopodin in der postnatalen Entwicklung des Hippocampus","Characterization of synaptopodin expression in the postnatal development of the hippocampus"]}]}],"canonical_facts":{"dc:contributor":["Frotscher, Michael"],"dc:creator":["Czarnecki, Kathrin"],"dc:description.abstract":["Der postsynaptische Pol einer Vielzahl exzitatorischer Synapsen wird von charakteristischen Ausstülpungen der Zellmembran, sog. dendritischen Spines gebildet. Bei diesen handelt es sich um höchst dynamische Strukturen, welche auf synaptische Aktivierung mit der Änderung ihrer Form und Größe reagieren und deren Motilität auf der Reorganisation postsynaptischer Aktinfilamente beruht. Synaptopodin ist ein bisher wenig charakterisiertes Aktin-bindendes Protein, das überwiegend in dendritischen Spines vorliegt und eine starke Expression in Prinzipalneuronen des Telenzephalons aufweist. Innerhalb dieser Spines wurde Synaptopodin in der sog. PSD (post synaptic density) und im Spinehals nachgewiesen. Im Spinehals findet sich Synaptopodin in Assoziation an ein hochorganisiertes Cytoskelett-Kompartiment, den sog. Spineapparat. Eine entscheidende Rolle von Synaptopodin in der Bildung solcher Spineapparate geht aus Untersuchungen von Synaptopodin-knockout Mäusen hervor, bei denen in dendritischen Spines kein Spineapparat nachgewiesen werden kann. Diese Tieren zeigen zudem eine Verminderung hippocampaler LTP (long term potentiation) sowie Einschränkungen des Ortsgedächtnisses. <br>Die bisherigen Befunde ergeben ein Modell, in dem Synaptopodin durch die Bündelung von Aktinfilamenten die Spinemotilität moduliert und damit Prozesse der synaptischen Plastizität mitbestimmt. Dadurch wird es in unmittelbarem Zusammenhang mit höheren ZNS-Funktionen wie Lernen und Gedächtnis gesehen. <br>Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand in der genauen Charakterisierung des Expressionsmusters von Synaptopodin im sich entwickelnden Hippocampus und in der histologischen Zuordnung zu bestimmten hippocampalen Neuronenpopulationen. Dazu kamen in situ Hybridisierung, Immunhistochemie und Elektronenmikroskopie zum Einsatz. In einer Entwicklungsstudie wurde das räumliche und zeitliche Verteilungsmuster von Synaptopodin-mRNA und -Protein im Rattenhippocampus von der Geburt bis zum Alter von 1,5 Jahren verfolgt. Es zeigt sich, dass Synaptopodin-mRNA bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden ist und in ihrem Auftreten dem Muster der neuronalen Entwicklung folgt. Zum Zeitpunkt der Geburt wird Synaptopodin-mRNA vor allem in Pyramidenzellen der CA3 Region exprimiert. Am postnatalen Tag 6 (P6) tritt zusätzlich eine Expression in Pyramidenzellen der CA1 Region des Ammonhorns sowie in suprapyramidale Körnerzellen des Gyrus dentatus auf. An P9 wird Synaptopodin, ähnlich wie bei adulten Tieren, von allen Prinzipalneuronen des Hippocampus exprimiert. Während Synaptopodin-mRNA auf die Somata der Neurone beschränkt ist, liegt das Protein überwiegend in dendritischen Schichten vor. Synaptopodin-Protein lässt sich ab dem postnatalen Tag 5 detektieren und folgt in seiner Verteilung ebenfalls dem Muster der neuronalen Entwicklung. An P5 zeigt sich eine schwache Färbung des Statum oriens, welche an P9 stärker ausgeprägt ist und von einer Markierung des Stratum moleculare im Gyrus dentatus begleitet wird. Das adulte Verteilungsmuster mit einer Markierung aller dendritischer Schichten wird an P12 erreicht. Das Auftreten von Synaptopodin setzt somit zu einer Zeitphase ein, in der sich dendritische Spines entwickeln und verläuft parallel zu ihrer Reifung. Ferner sollte untersucht werden, ob Synaptopodin neben seiner Expression in Prinzipalneuronen des Hippocampus auch von spinetragenden Interneuronen exprimiert wird und allgemein als Marker spinetragender Neurone angesehen werden kann. Dazu wurden Kolokalisationsexperimente mit Synaptopodin-mRNA und interneuronalen Markerproteinen wie Calbindin, Calretinin und Parvalbumin durchgeführt. Dabei dienten Calbindin und Parvalbumin als Marker jeweiliger Untergruppen spineloser Interneurone, während Calretinin darüber hinaus auch in spinetragenden Interneuronen im Hilus und der CA3-Region des Hippocampus vorliegt. Zum ersten Mal wurde dabei nachgewiesen, dass Synaptopodin neben der Expression in Prinzipalneuronen auch in Interneuronen vorhanden ist. Synaptopodin konnte bei Ratten und Mäusen sowohl mit Calretinin als auch mit Calbindin und Parvalbumin kolokalisiert werden. Damit wurde ferner zum ersten Mal gezeigt, dass Synaptopodin nicht ausschließlich in spinetragenden, sondern auch in spinelosen Neuronen vorkommt. Diese Befunde implizieren eine weitere zellbiologische Rolle von Synaptopodin, die nicht mit dendritischen Spines und auch nicht mit dem Spineapparat im Zusammenhang steht. Diese Hypothese wurde dadurch gestützt, dass in spinetragenden, Calretinin-positiven Interneuronen elektronenmikroskopisch keine Spineapparate nachgewiesen werden konnten.","The postsynaptic face of many excitatory synapses consists of specific, mushroom-shaped processes of the cell membrane, the so-called dendritic spines. Dendritic spines are highly dynamic structures that respond to synaptic activation with a change in size and shape, secondary to rearrangements of postsynaptic actin filaments. Synaptopodin is an actin binding protein that is predominantly found in dendritic spines and that is highly expressed by telencephalic principal neurons. Within the dendritic spine, synaptopodin is localized in the PSD (post synaptic density) and in the spine neck, where it is closely associated with the cytoskeletal spine apparatus. Studies with synaptopodin-knockout mice imply a pivotal role of synaptopodin for the proper development of spine apparatus, since those mice lack this highly organized cellular organelle. Furthermore, these animals reveal impaired hippocampal long term potentiation (LTP) and spatial memory. Synaptopodin is suggested to modulate spine motility through its ability to reorganize actin filaments and thereby to influence synaptic plasticity. These discussed properties lead to implications about an immediate role of synaptopodin in higher CNS functions like learning and memory. <br>The aim of the present study was to scrutinize the exact expression pattern of synaptopodin in the developing hippocampus and the histological assignment to distinct hippocampal neuron subpopulations. Results were obtained with in situ hybridization, immunohistochemistry and transmission electron microscopy. In a developmental series, the spatial and temporal distribution pattern of synaptopodin mRNA and protein was followed in rats from birth through the age of 1.5 years. The results indicate that synaptopodin mRNA is already present at birth and that its pattern of appearance directly follows the pattern of neuronal development. At birth, synaptopodin mRNA is predominantly expressed by CA3 pyramidal cells. On postnatal day 6 (P6), synaptopodin expression can also be detected in CA1 pyramidal cells, as well as in suprapyramidal granular cells of the dentate gyrus. On P9, the synaptopodin expression pattern includes virtually all hippocampal principal neurons as can be observed in adult animals. While synaptopodin mRNA is restricted to neuronal somata, the majority of the protein is found in dentritic layers. Synaptopodin protein cannot be detected before P5, but does follow the same spatial pattern as its mRNA. On P5, a weak signal emerges in the stratum oriens and becomes stronger upon P9, accompanied by signals in the stratum moleculare of the dentate gyrus. The adult immunostaining pattern that includes all dendritic layers is reached by P12. Taken together, the appearance of synaptopodin parallels the emergence and maturation of synaptic spines. Furthermore, it was sought to investigate whether synaptopodin can also be found in spine bearing neurons other than principal neurons. This part of the study was performed with colocalization of synaptopodin mRNA and calbindin-, calretinin- and parvalbumin-immunostaining. Herein, calbindin and parvalbumin served as markers of spineless interneuron subpopulations, while calretinin is known to be present in spine bearing interneurons of the hilar and CA3 region, as well. It could be shown for the first time that synaptopodin is not only present in principal neurons but also in interneurons. Colocalization of synaptopodin was detected with calretinin, calbindin and parvalbumin in rats and in mice, demonstrating that synaptopodin is found not only in spine bearing but also in spineless neurons. These findings suggest a new role of synaptopodin, distinct from its traditional context of dendritic spines and spine apparatus. 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