University of Freiburg
Umweltindikatoren als ein Instrument der Technikfolgenabschätzung : Selektion, Aggregation und multi-kriterielle Bewertung am Beispiel des Verkehrs
Abstract
dc:description.abstractDiese Dissertation leistet einen neuen Beitrag, um zwei zentrale Fragen der Bewertung von Umweltbelastungen des Verkehrs zu beantworten: Was sind die wesentlichen Umweltbelas-tungen des Verkehr? Wie lassen sich die Belastungen insgesamt bewerten? Dazu werden erstmals Elemente der Umweltwirkungsanalyse mit einem multi-kriteriellem Entscheidungsverfahren verknüpft. Die Arbeit liefert Kriterien, Argumente und Verfahren, um bei hohen Unsicherheiten heterogene Effekte vergleichen, Zielkonflikte systematisch abwägen und Kompro-misse identifizieren zu können. Die Ergebnisse zielen auf eine Anwendung bei Strategischen Umweltprüfungen. <br>Nach der theoretischen Analyse wird das untersuchte Verfahren auf einen real benutzten Indikatorensatz angewandt, die TERM-Indikatoren für Umwelt und Verkehr der Europäischen Umweltagentur. Damit wird hier die erste systematische Überprüfung dieses politisch relevanten Datensatz geleistet. Der Abgleich mit der Methodik der Ökobilanzen und den Vorgaben einer Strategische Umweltprüfung bestätigt die Vollständigkeit der betrachteten Umweltwirkungskategorien. Unter den ursprünglich vierundzwanzig Indikatoren werden sieben Schlüsselindikatoren identifiziert, die die wichtigsten Umweltbelastungen des Straßenverkehrs in Europa repräsentieren. Als Kriterien werden das Vorsorgeprinzip, die Erheblichkeit des verkehrlichen Beitrags, die Zuverlässigkeit und die Vergleichbarkeit der verfügbaren Daten angesetzt. Mit diesem systematischen Verfahren kann auf die erste Frage eine übersichtliche Antwort gegeben werden. <br>Für eine Gesamtbewertung müssen die unterschiedlichen Umweltbelastungen und eventuelle Zielkonflikte abgewogen werden, wobei z.T. erhebliche Unsicherheiten zu beachten sind. In dieser Arbeit wird das ordinale, multi-kriterielle Bewertungsverfahren ELECTRE III erstmals für eine Umweltbewertung des Verkehrs eingesetzt. Das Verfahren wird hier adaptiert um zu untersuchen, wann differierende Einzelbewertungen zur gleichen Gesamtbewertung führen. Dies könnte erstmals Eingang in die Verkehrsplanung in Deutschland finden, um Interessenkonflikte durch die systematische Identifikation von Kompromissbereichen zu überwinden. <br>Angewandt auf TERM wird hiermit erstmals eine methodisch abgesicherte Gesamtbewertung der Umweltbelastungen des Straßenverkehrs in Europa gegeben: Auf Grundlage der oben abgeleiteten Schlüsselindikatoren kann von einem Rückgang der Belastungen seit 1990 in Europa (EU 15) gesprochen werden, der voraussichtlich auch bis zum Jahr 2010 weitergehen wird. Zu dieser positiven Bewertung tragen die rückläufige Zahl der Verkehrstoten und die sinkenden Belastungen bei Flächeninanspruchnahme und Fragmentierung bei. Diese Gesamteinschätzung ist stabil, egal ob dem Oberziel "akuter Gesundheitsschutz"der "langfristi-gen Schonung von Ressourcen" oder dem "Schutz von Ökosystemen" Priorität eingeräumt wird. Nur, wenn den Umweltwirkungskategorien "Schutz des Klimas" und "Schutz der energetischen Ressourcen" ein dominantes Gewicht zugesprochen wird, kann diese positive Bewertung der Entwicklung umgekehrt werden. Damit ist das Feld des Kompromisses abgesteckt und win-win-Strategien aus unterschiedlichen Positionen identifiziert: Um die Umweltbilanz des Straßenverkehrs in Europa weiter zu verbessern, müssen vor allem die gegenläufigen Entwicklungen beim Treibstoffverbrauch und den CO2-Emissionen entkoppelt und zurückgeführt werden, zugleich die Inanspruchnahme neuer Flächen durch Verkehrsinfrastrukturen und die Zahl der Unfallopfer im Verkehr weiter gemindert werden. <br>Die systematische Analyse hat verschiedene Verbesserungsmöglichkeiten bei Indikatoren und Daten aufgezeigt: Erstens, die Unsicherheit bei den tendenziell rückläufigen Schadstoff- und Lärmemissionen des Verkehrs sollte deutlich verringert werden; zur Zeit erlauben die Daten keine belastbare Interpretation. Zweitens sollten die Indikatoren für Fragmentierung und Flächeninanspruchnahme zeitlich sensitiv definiert werden, z.B. als Änderungsrate, wie hier vorgeschlagen. Wenn, drittens, die Auswirkungen des Flug- und Schiffsverkehrs einbezogen werden, die Daten stärker auf die Wirkungen abheben und die zukünftige Entwicklung antizipieren, kann TERM zu einem Instrument der vorausschauenden Umweltfolgenabschätzung weiterentwickelt werden. <br>Die vorgelegte Arbeit bietet Verfahren und Kriterien, um Komplexität und Unsicherheiten sys-tematisch zu behandeln, mit Zielkonflikten transparent umzugehen und Kompromisse bei divergierenden Einzelbewertungen zu identifizieren. Das Verfahren empfiehlt sich besonders für Strategische Bewertungen, wenn tendenziell eine qualitative und keine quantitative Behandlung wichtig ist, und kann über den Umweltbereich hinaus angewendet werden.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Borken, Jens
- Contributors dc:contributor
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- Grunwald, Armin
Subjects
dc:subject × 9Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://freidok.uni-freiburg.de/data/1938
- OAI identifier oai:identifier
- oai:freidok.uni-freiburg.de:1938