{"id":{"repo_id":"freiburg-diss","oai_identifier":"oai:freidok.uni-freiburg.de:1654"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/freiburg-diss/oai:freidok.uni-freiburg.de:1654","repository":{"repo_id":"freiburg-diss","name":"University of Freiburg","base_url":"https://freidok.uni-freiburg.de/oai/oai2.php"},"display":{"title":"Die Amphetaminbehandlung verhaltensauffälliger Kinder von 1937 bis in die 70er Jahre in Amerika unter besonderer Berücksichtigung der Substanz Methylphenidat ( Ritalin®)","abstract":"1937 beschrieb Charles Bradley die Wirkung des Amphetaminderivates Benzedrin bei 30 von ihm behandelten verhaltensauffälligen Kindern. Während der folgenden zwanzig Jahre versuchte er, diese Erkenntnis ins medizinische Interesse zu rücken, scheiterte jedoch damit. Dies war bedingt durch mehrere Faktoren: Es gab anfänglich keinen eindeutigen Krankheitsbegriff - die Diagnose des heutigen ADHS existierte noch nicht - und somit fehlte ein ausreichend diagnostizierbares, behandlungsbedürftiges Klientel. Daraus folgt, dass auch keine Interessen eines Pharmakonzerns da waren, eine Behandlung zu entwickeln und zu fördern. Ferner war zu dieser Zeit der gesellschaftlicher Druck, diese verhaltensauffälligen Kinder zu behandeln anscheinend noch nicht vorhanden. Aus diesen drei Gründen blieben die Erkenntnisse von Bradley zwanzig Jahre unbeachtet von den meisten medizinischen Kollegen. Dies bedeutete, dass das vorhandene Patientenklientel (die verhaltensauffälligen Kinder), trotz einer vorhandenen Therapiemöglichkeit (Amphetamine) dieser Therapie nicht zugeführt wurden. Erst durch eine neue Substanz (Methylphenidat) mit dem entsprechenden Vermarktungsinteresse der Pharmaindustrie, der Definition eines Erkrankungsnamens für einen Symptomkomplex unterschiedlicher Ätiologien (Minimal brain dysfunction) und durch die nun gestellten Handlungsaufforderungen durch die gesellschaftlichen Institutionen (Schule und außerhäusliche Betreuungsanstalten) wurden diese Patienten einer Behandlung zugeführt. Interessant dabei ist, dass diese medikamentöse Behandlungsform, durch die zuvor beschriebenen sozialen Veränderungen zwar beständig zunahm, jedoch die Ergebnisse der klinischen Prüfungen weiterhin keine eindeutigen kritischem Denken standhaltenden Belege für eine krankheitsspezifische Wirkung der Behandlung liefern konnten. <br>Methylphenidat wurde zum Mittel der Wahl bei der Behandlung von kindlichen Verhaltensauffälligkeiten. <br>Durch das Zusammenspiel der konzentrationssteigernden Wirkung dieser Substanz, die nicht nur bei betroffenen Kindern Wirkung zeigt und der Erkrankung des ADHS, die bis heute keine allgemeine Ätiologiegrundlage aufweist und dadurch die Grenzen zwischen \"normal\" und \"krank\" kaum zu ziehen sind, entwickelte sich eine beständige Zunahme der Erkrankungs- und Verordnungszahlen. <br>In Amerika gehört diese Erkrankung mittlerweile zu der am meisten diagnostizierten Kinderkrankheit und ungefähr sechs Millionen amerikanische Schulkinder bekommen das Medikament Ritalin®.","abstract_html":"1937 beschrieb Charles Bradley die Wirkung des Amphetaminderivates Benzedrin bei 30 von ihm behandelten verhaltensauffälligen Kindern. Während der folgenden zwanzig Jahre versuchte er, diese Erkenntnis ins medizinische Interesse zu rücken, scheiterte jedoch damit. Dies war bedingt durch mehrere Faktoren: Es gab anfänglich keinen eindeutigen Krankheitsbegriff - die Diagnose des heutigen ADHS existierte noch nicht - und somit fehlte ein ausreichend diagnostizierbares, behandlungsbedürftiges Klientel. Daraus folgt, dass auch keine Interessen eines Pharmakonzerns da waren, eine Behandlung zu entwickeln und zu fördern. Ferner war zu dieser Zeit der gesellschaftlicher Druck, diese verhaltensauffälligen Kinder zu behandeln anscheinend noch nicht vorhanden. Aus diesen drei Gründen blieben die Erkenntnisse von Bradley zwanzig Jahre unbeachtet von den meisten medizinischen Kollegen. Dies bedeutete, dass das vorhandene Patientenklientel (die verhaltensauffälligen Kinder), trotz einer vorhandenen Therapiemöglichkeit (Amphetamine) dieser Therapie nicht zugeführt wurden. Erst durch eine neue Substanz (Methylphenidat) mit dem entsprechenden Vermarktungsinteresse der Pharmaindustrie, der Definition eines Erkrankungsnamens für einen Symptomkomplex unterschiedlicher Ätiologien (Minimal brain dysfunction) und durch die nun gestellten Handlungsaufforderungen durch die gesellschaftlichen Institutionen (Schule und außerhäusliche Betreuungsanstalten) wurden diese Patienten einer Behandlung zugeführt. 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Erst durch eine neue Substanz (Methylphenidat) mit dem entsprechenden Vermarktungsinteresse der Pharmaindustrie, der Definition eines Erkrankungsnamens für einen Symptomkomplex unterschiedlicher Ätiologien (Minimal brain dysfunction) und durch die nun gestellten Handlungsaufforderungen durch die gesellschaftlichen Institutionen (Schule und außerhäusliche Betreuungsanstalten) wurden diese Patienten einer Behandlung zugeführt. Interessant dabei ist, dass diese medikamentöse Behandlungsform, durch die zuvor beschriebenen sozialen Veränderungen zwar beständig zunahm, jedoch die Ergebnisse der klinischen Prüfungen weiterhin keine eindeutigen kritischem Denken standhaltenden Belege für eine krankheitsspezifische Wirkung der Behandlung liefern konnten. <br>Methylphenidat wurde zum Mittel der Wahl bei der Behandlung von kindlichen Verhaltensauffälligkeiten. <br>Durch das Zusammenspiel der konzentrationssteigernden Wirkung dieser Substanz, die nicht nur bei betroffenen Kindern Wirkung zeigt und der Erkrankung des ADHS, die bis heute keine allgemeine Ätiologiegrundlage aufweist und dadurch die Grenzen zwischen \"normal\" und \"krank\" kaum zu ziehen sind, entwickelte sich eine beständige Zunahme der Erkrankungs- und Verordnungszahlen. <br>In Amerika gehört diese Erkrankung mittlerweile zu der am meisten diagnostizierten Kinderkrankheit und ungefähr sechs Millionen amerikanische Schulkinder bekommen das Medikament Ritalin®.","In 1937 Charles Bradley described the influence of Amphetamine derivate Benzedrine on 30 behavior challenged children he treated. During the following twenty years he tried to get his findings recognized by other medical professionals but he did not succeed. This was caused by several factors : <br>Initially there was no clear definition of the illness - the diagnosis of todays ADHS did not exist yet - and because of that, a sufficiant amount of clients to be diagnosed and treated was missing. <br>Consequently, there was no interest of the large pharmaceutical companies to develop and support treatment. Furthermore, social pressure to treat these behavior challenged children apparently did not exist at that time. <br>Because of these three reasons Bradley's research stayed unnoticed by most of his medical colleagues. This means that the existing clients (the behavior challenged children) in spite of the possibility of treatment, were not referred to this therapy with Amphetamine. <br>Not until a new substance (Metylphenidat) complied with the marketable interest for large pharmaceutical companies, not until name and definition of the illness was found for a complexity of symptons of different sources (Minimal brain dysfunction) and not until the pressure to act from social institutions (schools and non domestic care facilities) made it necessary, treatment became available for these patients. <br>Remarkably, in spite of the steady growth of this form of medication due to the social changes described above, the results of clinical research did not bring definite proof for the specific effectivnesss of the treatment, which would stand firm against critical intellectual thinking. <br>Methylphenidat became the medication of choice in treating difficult behavior of children. <br>Due to the effect of the substance, which heightens the concentration not only with those children and due to knowing about the illness ADHS - an illness with no definite basis of sources, which makes it difficult to separate clearly between \"normal\" and \"ill\"- an increase developed in cases of illness and the number of prescriptions. <br>In America in the meantime this illness has become one of the most diagnosed illnesses of children and approximately six million American schoolchildren take the medication Ritalin."]},{"key":"dc:format.medium","label":"Dc Format Medium","values":["application/pdf"]},{"key":"dc:title","label":"Title","values":["Die Amphetaminbehandlung verhaltensauffälliger Kinder von 1937 bis in die 70er Jahre in Amerika unter besonderer Berücksichtigung der Substanz Methylphenidat ( Ritalin®)","Treatment of behavior challenged children with Amphetamine from 1937 to the 1970´s in America with special consideration of the substance Methylphenidate ( Ritalin®)"]}]}],"canonical_facts":{"dc:contributor":["Tröhler, Ulrich"],"dc:creator":["Schmutz, Svea"],"dc:description.abstract":["1937 beschrieb Charles Bradley die Wirkung des Amphetaminderivates Benzedrin bei 30 von ihm behandelten verhaltensauffälligen Kindern. 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Erst durch eine neue Substanz (Methylphenidat) mit dem entsprechenden Vermarktungsinteresse der Pharmaindustrie, der Definition eines Erkrankungsnamens für einen Symptomkomplex unterschiedlicher Ätiologien (Minimal brain dysfunction) und durch die nun gestellten Handlungsaufforderungen durch die gesellschaftlichen Institutionen (Schule und außerhäusliche Betreuungsanstalten) wurden diese Patienten einer Behandlung zugeführt. Interessant dabei ist, dass diese medikamentöse Behandlungsform, durch die zuvor beschriebenen sozialen Veränderungen zwar beständig zunahm, jedoch die Ergebnisse der klinischen Prüfungen weiterhin keine eindeutigen kritischem Denken standhaltenden Belege für eine krankheitsspezifische Wirkung der Behandlung liefern konnten. <br>Methylphenidat wurde zum Mittel der Wahl bei der Behandlung von kindlichen Verhaltensauffälligkeiten. <br>Durch das Zusammenspiel der konzentrationssteigernden Wirkung dieser Substanz, die nicht nur bei betroffenen Kindern Wirkung zeigt und der Erkrankung des ADHS, die bis heute keine allgemeine Ätiologiegrundlage aufweist und dadurch die Grenzen zwischen \"normal\" und \"krank\" kaum zu ziehen sind, entwickelte sich eine beständige Zunahme der Erkrankungs- und Verordnungszahlen. <br>In Amerika gehört diese Erkrankung mittlerweile zu der am meisten diagnostizierten Kinderkrankheit und ungefähr sechs Millionen amerikanische Schulkinder bekommen das Medikament Ritalin®.","In 1937 Charles Bradley described the influence of Amphetamine derivate Benzedrine on 30 behavior challenged children he treated. During the following twenty years he tried to get his findings recognized by other medical professionals but he did not succeed. This was caused by several factors : <br>Initially there was no clear definition of the illness - the diagnosis of todays ADHS did not exist yet - and because of that, a sufficiant amount of clients to be diagnosed and treated was missing. <br>Consequently, there was no interest of the large pharmaceutical companies to develop and support treatment. Furthermore, social pressure to treat these behavior challenged children apparently did not exist at that time. <br>Because of these three reasons Bradley's research stayed unnoticed by most of his medical colleagues. This means that the existing clients (the behavior challenged children) in spite of the possibility of treatment, were not referred to this therapy with Amphetamine. <br>Not until a new substance (Metylphenidat) complied with the marketable interest for large pharmaceutical companies, not until name and definition of the illness was found for a complexity of symptons of different sources (Minimal brain dysfunction) and not until the pressure to act from social institutions (schools and non domestic care facilities) made it necessary, treatment became available for these patients. <br>Remarkably, in spite of the steady growth of this form of medication due to the social changes described above, the results of clinical research did not bring definite proof for the specific effectivnesss of the treatment, which would stand firm against critical intellectual thinking. <br>Methylphenidat became the medication of choice in treating difficult behavior of children. <br>Due to the effect of the substance, which heightens the concentration not only with those children and due to knowing about the illness ADHS - an illness with no definite basis of sources, which makes it difficult to separate clearly between \"normal\" and \"ill\"- an increase developed in cases of illness and the number of prescriptions. <br>In America in the meantime this illness has become one of the most diagnosed illnesses of children and approximately six million American schoolchildren take the medication Ritalin."],"dc:format.medium":["application/pdf"],"dc:subject":["Geschichte 1937-1979","Methylphenidate","ADHS","History of medicine","Charles Bradley"],"dc:title":["Die Amphetaminbehandlung verhaltensauffälliger Kinder von 1937 bis in die 70er Jahre in Amerika unter besonderer Berücksichtigung der Substanz Methylphenidat ( Ritalin®)","Treatment of behavior challenged children with Amphetamine from 1937 to the 1970´s in America with special consideration of the substance Methylphenidate ( Ritalin®)"],"dc:type":["DoctoralThesis"]},"updated_at":"2026-07-24T02:22:22Z"}