University of Freiburg
Effektivität und Wirksamkeit einer funktionell-dynamischen Schuheinlagenversorgung im Sport
Abstract
dc:description.abstractLaufsportbetreibende Sportler leiden an einer nicht unbeträchtlichen Inzidenz an Überlastungsbeschwerden. Die Ätiologie dieser Beschwerden ist meist multifaktoriell und wenig wissenschaftlich belegt. Eine klassische Therapieform ist dabei die Therapie mittels Schuheinlagen. Diese werden vermehrt unter Berücksichtigung der dynamischen Fußcharakteristik funktionell optimiert. Dabei wurde in der Vergangenheit hauptsächlich versucht "mechanisch&" in den Bewegungsablauf einzugreifen. Neuerdings wird diese "mechanische" Wirkweise zunehmend in Frage gestellt und vermehrt eine "sensomotorische" Wirkung von Schuheinlagen postuliert. Daten zur Veränderung der Bewegungsregulation liegen jedoch bisher kaum vor. Daneben wird ein positiver präventiver Effekt angestrebt, um den Auftritt von Beschwerden zu verhindern. In der Literatur ist bezüglich der Effektivität dieser Maßnahmen eine Vielzahl von Studien beschrieben, welche allerdings zum Großteil keine genügende Evidenz zulassen. Ziel der vorliegenden Arbeit war deshalb einerseits die Untersuchung der Wirkung von Schuheinlagen im Sport auf Laufmechanik und muskuläre Aktivierung und andererseits die Überprüfung der therapeutischen als auch der präventiven Effektivität von Schuheinlagen. <br>In einer Voruntersuchung wurde die Wirkung verschiedener Schuheinlagenfunktionselemente (9 Schuh- und Einlagenbedingungen, randomisiert) analysiert. Dabei wurden 17 beschwerdefreie Probanden einem standardisierten Laufbandtest bei 12 km/h unterzogen. Es wurde die Mechanik unter dem Fuß (plantare Durckverteilung im Schuh) und die muskuläre Aktivität der Unterschenkelmuskulatur (Oberflächenelektromyographie) gemessen. In einer Längsschnittsstudie zur Untersuchung des präventiven Effektes einer Schuheinlagenversorgung wurden beschwerdefreie Läufer (n = 61) randomisiert im Kontrollgruppenvergleich einer Einlagenintervention unterzogen. Dabei trainierten die Probanden für 40 Wochen unter Führung einer Trainingsdokumentation mit Beschreibung möglicher, auftretender Beschwerden. Zusätzlich wurden biomechanische Tests am Anfang, nach 20 Wochen und nach 40 Wochen durchgeführt. Läufer mit laufspezifischen Beschwerden (n=51) wurden zur Analyse des therapeutischen Effektes ebenfalls im Kontrollgruppenvergleich einer Einlagentherapie zugeführt. Die Patienten mussten dabei nach zweiwöchiger Eingewöhnungsphase an ein Trainings- und Schmerztagebuch über einen Therapiezeitraum von 8 Wochen Schuheinlagen beim Lauftraining tragen. Vor und nach Abschluss der Intervention erfolgten biomechanische Tests. Eine Veränderung der Beschwerdesymptomatik wurde anhand funktioneller Einschränkungen mit dem Pain-Disability-Index erhoben. <br>Die generelle Wirkung einer Schuheinlage lag gegenüber der Laufschuhreferenz in einer Erhöhung der Druckbelastung an der Fußsohle. Bei der Analyse des Einflusses einzelner Funktionselemente zeigte insbesondere eine Längsgewölbestütze eine Erhöhung der Druckbelastung. Das muskuläre System der gesunden Probanden zeigte sich sehr stabil, wenngleich ein Zusammenhang zwischen erhöhter Druckbelastung im Bereich des medialen Längsgewölbes und einer erhöhten Aktivität des M. peroneus longus vermutet werden kann. Bei der Frage des präventiven Effektes einer Schuheinlage unterschied sich die Zahl der Beschwerdeauftritte nicht zwischen der Kontroll- und der Einlagengruppe (p>0.05). Dabei waren nur sehr geringe Anpassungen des Bewegungssystems an die Einlagenintervention im Beobachtungszeitraum festzustellen. In therapeutischer Hinsicht wurde dagegen eine erhebliche Reduktion der funktionellen Einschränkungen bei den Einlagenträgern festgestellt (-56%, p=0.00, Rsq= 0.94). Gleichzeitig zeigte sich über den Interventionszeitraum eine Erhöhung der Aktivität des M. peroneus longus in der frühen Standphase, welcher dort als Hauptsprunggelenkstabilisator tätig ist. Die fehlende Risikominimierung bei der Untersuchung des präventiven Effektes einer Schuheinlagenversorgung, legt zusammen mit der nicht nachweisbaren Anpassung der Bewegungsregulation den Schluss nahe, dass einer präventiven Schuheinlagenversorgung, zumindest im Sport, nur eine geringe Berechtigung zukommt. Eine generelle Empfehlung hin zu einer optimierten Schuheinlagenversorgung bei symptomfreien Läufern kann nicht unterstützt werden. Dagegen kann bei Vorliegen einer Beschwerdesymptomatik aufgrund der erreichten Verbesserung der Beschwerden, eine Schuheinlagentherapie sinnvoll eingesetzt werden. Mittels der eingesetzten Einlagentherapie mit einer Längsgewölbestütze konnte zum einen eine Druckerhöhung am medialen Fußgewölbe und zum anderen im Interventionsverlauf auch eine Erhöhung der Aktivität des M. peroneus longus erreicht werden. Vor diesem Hintergrund sind sensomotorische Effekte durch Schuheinlagen nahe liegend. Gleichzeitig scheint das Bewegungssystem von Läufern mit Beschwerden vulnerabeler gegenüber Einflüssen von außen zu sein, so dass dort auch eine gezielte Verbesserung der muskulären Ansteuerung erreicht werden kann.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Baur, Heiner
- Contributors dc:contributor
-
- Dickhuth, Hans-Hermann
Subjects
dc:subject × 10Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://freidok.uni-freiburg.de/data/1602
- OAI identifier oai:identifier
- oai:freidok.uni-freiburg.de:1602