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University of Freiburg

Kognitive Prozesse bei der indirekten Messung von Einstellungen mit dem Impliziten Assoziationstest

Abstract

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Der implizite Assoziationstest (IAT; A. G. Greenwald, D. E. McGhee & J. L. K. Schwartz, 1998) ist ein reaktionszeitbasiertes indirektes Verfahren zur Messung der Stärke assoziativer Verknüpfungen. Die theoretische Relevanz des IAT ergibt sich aus der gegenwärtig verbreiteten Strömung, klassische psychologische Phänomene auf der Ebene assoziativer Verknüpfungen zu reformulieren und zu untersuchen. Trotz des weitgehenden Fehlens einer theoretischen Grundlage wird der IAT zunehmend auf konkrete Fragestellungen in vielen experimentellen aber auch differentialpsychologischen und diagnostischen Kontexten angewandt. <br>Der IAT basiert auf der gemischten Bearbeitung zweier Diskriminationsaufgaben; einer Attributaufgabe und einer Zielkonzeptaufgabe. Jeweils zwei Antwortkategorien dieser Diskriminationsaufgaben werden einer gemeinsamen Antworttaste zugeordnet. Die zentrale abhängige Variable ist der IAT-Effekt, die Reaktionszeitsdifferenz zwischen einer kompatiblen Bedingung, in der assoziierte Konzepte jeweils der gleichen Antworttaste zugeordnet sind, und einer inkompatiblen Bedingung, in der assoziierte Konzepte jeweils verschiedenen Antworttasten zugeordnet sind. <br>In der vorliegenden Arbeit wird ein Modell der kognitiven Prozesse, die bei der Bearbeitung eines IAT ablaufen, vorgeschlagen und geprüft. Dessen zentrale Annahme lautet, dass der IAT-Effekt auf Auswirkungen exekutiver Kontrollprozesse zurückgeht, die beim Wechsel zwischen Attribut- und Zielkonzeptaufgabe ablaufen. Aus allgemeinpsychologischen Befunden und Theorien zu solchen Aufgabenwechselprozessen werden einige spezifische Hypothesen über ihre Auswirkung auf den IAT abgleitet und experimentell überprüft. <br>In den Experimenten 1 bis 3 werden Vorhersagen dieses Modells bezüglich lokaler Sequenzeffekte untersucht. Das zentrale Ergebnis dieser Experimente ist, dass Kompatibilitätseffekte im IAT verstärkt auftreten, wenn in einem Durchgang im Verhältnis zum direkten Vorgängerdurchgang zwischen der Attribut- und der Zielkonzeptaufgabe gewechselt werden muss (Experimente 1 bis 3), und dass dieser Effekt geringer wird, je länger das Intervall zwischen den Durchgängen ausfällt (Experiment 1). Diese Effekte werden durch kurzfristige Nachwirkungen vorheriger Aufgabenbearbeitung erklärt, die auf eine Trägheit von Aufgabenwechselprozessen zurückgehen (D. A. Allport, E. A. Styles & S. Hsieh, 1994). <br>In den Experimenten 4 bis 6 werden längerfristige Nachwirkungen der Bearbeitung von IAT-Blöcken geprüft. Die Bearbeitung von inkompatiblen IAT-Blöcken hat sehr spezifische längerfristige Nachwirkungen auf eine nachfolgende Bewertungsaufgabe, die über einen Wechsel der Antwortmodalität hinweg auftreten und mutmaßlich auf einen erschwerten Abruf von Bewertungsinformation zurückgehen. <br>In den Experimenten 7 und 8 wird die Beteiligung exekutiver Kontrollprozesse am Zustandekommen von IAT-Effekten untersucht. Die Präsentation so genannter Aufgabenhinweise (z. B. N. Meiran, 1996) verringert in diesen Experimenten den IAT-Effekt, nicht jedoch spezifische Aufgabenwechselkosten. Es wird argumentiert, dass Aufgabenhinweise die Identifikation der zu bearbeitenden Aufgabe erleichtern, nicht jedoch die in den Vorgängerexperimenten aufgetreten kurz- und längerfristigen Nachwirkungseffekte reduzieren können. <br>In den Experimenten 9 bis 12 wird schließlich geprüft, welche Konsequenzen die Beteiligung von Aufgabenwechselprozessen für die psychometrische Nutzung des IAT hat. Die Ergebnisse zeigen eine reliable Kontaminierung des IAT mit methodenspezifischer Varianz: Es treten selbst dann statistisch bedeutsame Korrelationen zwischen IATs auf, wenn diese keine gemeinsame Inhaltvarianz aufweisen. Dieser Befund kann eine Reihe widersprüchlicher Ergebnisse zur psychometrischen Qualität des IAT erklären. <br>Die Arbeit schließt mit einer Bewertung alternativer Prozessmodelle des IAT im Lichte der berichteten Befunde und einer Diskussion praktischer Konsequenzen der Ergebnisse für die Nutzung des Verfahrens in Anwendungskontexten. Gleichwohl der IAT als flexibles Werkzeug zur Erfassung assoziativer Verknüpfungen einen fruchtbaren Beitrag leisten kann, bleiben viele Fragen in Bezug auf die interne, konvergente und diskriminante Validität des IAT offen. Eine ausschließlich auf den IAT gestützte Forschungsstrategie scheint in diesem Sinne unbrauchbar. Erst in der Kombination mit andersartigen Verfahren wird ein inhaltlicher Erkenntnisgewinn greifbar.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Mierke, Jan
Contributors dc:contributor
  • Klauer, Karl Christoph

Subjects

dc:subject × 3

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OAI identifier oai:identifier
oai:freidok.uni-freiburg.de:1591

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2026-07-24
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Mierke, Jan. Kognitive Prozesse bei der indirekten Messung von Einstellungen mit dem Impliziten Assoziationstest. https://freidok.uni-freiburg.de/data/1591