University of Freiburg
Untersuchungen zur fronto-temporalen Dysfunktion bei Schizophrenie : Befunde eines multimethodalen Ansatzes
Abstract
dc:description.abstractSchizophrene Erkrankungen sind in ihrer Symptomatik und ihrem Krankheitsverlauf durch ein heterogenes Erscheinungsbild gekennzeichnet. Obgleich die Schizophrenie die bislang am intensivsten beforschte Störung der Psychiatrie ist, sind wesentliche Aspekte ihrer Ätiologie und Pathogenese noch ungeklärt. Als mögliches cerebrales Korrelat dieser Erkrankung werden aufgrund von neuropsychologischen und neurophysiologischen sowie bildgebenden Studien eine Dysfunktion vor allem frontaler und temporaler Hirnregionen sowie ihrer Vernetzung diskutiert. Eine definitive Spezifizierung von Läsionsort und -mechanismen ist bisher noch nicht gelungen, vor allem auch deshalb, weil in vielen Studien einseitige Versuchsdesigns mit Beschränkung auf eine Meßebene zur Anwendung kamen. In der vorliegenden Arbeit wurde deshalb zur genaueren Untersuchung des cerebralen Korrelates der schizophrenen Erkrankung ein Ansatz gewählt, der aus der Kombination neuropsychologischer, kernspinspektroskopischer und volumetrischer Untersuchungen bestand bei detaillierten Erfassung des psychopathologischen Erscheinungsbildes. <br>Untersucht wurden 31 schizophrene Patienten nach Abklingen einer psychotischen Episode und 32 gesunde Kontrollprobanden gleichen Alters, Geschlecht und Schulbildung. Unter Verwendung einer umfangreichen neuropsychologischen Testbatterie wurden insbesondere die Leistungen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit sowie exekutive Funktionen untersucht. Anhand 1H-kernspinspektroskopischer Messungen wurden die Konzentrationen von N-Acetylaspartat, Kreatin und Cholin im Hippocampus und dorsolateralen präfrontalen Cortex bestimmt. Messungen regionaler Hirnvolumina erfolgten, neben der Bestimmung des Gesamthirnvolumens, im Bereich von Hippocampus, Amygdaleum, anteriorem Cingulum, Orbitofrontalcortex und dorsolateralem Präfrontalcortex. Die psychiatrische Symptomatik wurde durch international etablierte, psychopathologische Skalen erfaßt. <br>In den Gruppenvergleichen zeigten die schizophrenen Patienten ein neuropsychologisches Funktionsprofil mit charakteristischen mnestischen Beeinträchtigungen in beiden Durchgängen des Logical Memory und des Visual Reproduction Tests der Wechsler Memory Scale sowie im zweiten, dritten und verzögerten Durchgang der Wortliste. Außerdem fanden sich exekutive Defizite im Wortflüssigkeitstest und im Interferenzteil des Stroop Tests. Bei den kernspinspektroskopischen Messungen fanden sich im dorsolateralen präfrontalen Cortex bei den Schizophrenen signifikant höhere Konzentrationen sowohl der absoluten Cholin-, Kreatin- und N-Acetylaspartat- als auch der relativen Cholin-Konzentration. Gruppenunterschiede der regionalen Hirnvolumina waren in den untersuchten Strukturen nicht zu beobachten, allerdings zeigte sich in beiden Gruppen ein größeres Volumen rechtshemisphärischer Strukturen. <br>Bei den Korrelationsanalysen fanden sich für die gesunden Kontrollprobanden ein positiver Zusammenhang zwischen der Arbeitsgedächtnisleistung und regionalen Frontalhirnvolumina und ein negativer Zusammenhang zwischen der Perseverationsrate im Wisconsin Card Sorting Test und dem Amygdalavolumen. Bei den schizophrenen Patienten zeigten sich größere regionale Volumina des Orbitofrontalcortex zugleich mit höherer Leistung im visuellen Langzeitgedächtnis und niedrigerer Perseverationsrate im Wisconsin Card Sorting Test. Bei der Korrelation mit klinischen Parametern war eine ausgeprägtere, globale psychische Gestörtheit (GAF-Score) der Schizophrenen in den letzten 1-2 Jahren zusammen mit einer höheren Perseverationsrate im Wisconsin Card Sorting Test und einer höheren Cholin- und N-Acetylaspartat-Konzentration im dorsolateralen präfrontalen Cortex zu beobachten. In Verbindung mit einer ausgeprägteren Negativsymptomatik fand sich eine Verschlechterung der verbalen Gedächtnisleistung. Schließlich zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Alter bei der Ersterkrankung sowie Dauer der Erkrankung und der absoluten N-Acetylaspartat-Konzentration. <br>Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit weisen auf funktionelle und strukturelle Anomalien im Bereich des Orbitofrontalcortex und dorsolateralen präfrontalen Cortex, aber auch des Hippocampus bei Schizophrenie hin. Außerdem zeigen sie Zusammenhänge zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit, strukturellen Maßen sowie Symptomatik und Krankheitsverlauf auf, die für den Rehabilitationsprozess schizophrener Patienten sehr bedeutsam sein könnten und damit Ansatzpunkte für spezifische therapeutische Maßnahmen böten. Insgesamt erscheint die schizophrene Erkrankung durch ein dynamisches cerebrales Geschehen mit Auf- und Abbauprozessen in frontalen und mediotemporalen Hirnarealen charakterisiert zu sein. Um den Einblick, den diese Arbeit durch ihr besonderes Untersuchungsdesign ermöglicht hat, vertiefen zu können, dürften weitere multimethodale Studien, insbesondere in Kombination mit funktionellen bildgebenden Verfahren, sehr förderlich sein.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Authors dc:creator
-
- Valerius, Gabriele
- Halsband, Ulrike
Subjects
dc:subject × 3Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://freidok.uni-freiburg.de/data/1545
- OAI identifier oai:identifier
- oai:freidok.uni-freiburg.de:1545