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University of Freiburg

Supervision in der Krankenpflege : formative Evaluation in einem Krankenhaus der Maximalversorgung

Abstract

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Supervision gilt im Krankenhaus als bewährte Methode der Personalentwicklung. Mit zunehmender Praxisverbreitung wird ein Bedarf nach wissenschaftlicher Evaluation und Weiterentwicklung formuliert, dem bisher nicht hinreichend Rechnung getragen wurde. <br>Die Arbeit befaßt sich aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht mit Supervision in der Krankenpflege. Sie stellt den Stand der Forschung dar und untersucht, ob und in welcher Weise Supervision zur Prävention und Bewältigung arbeitsbezogener Belastungen dient. <br>Untersuchungsfeld ist das Freiburger Universitätsklinikum, ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit rund 8000 Beschäftigten, in dem die über 2500 Pflegekräfte die größte Berufsgruppe darstellen. <br>Die Verfasserin ist als Diplom-Psychologin seit 1993 zur Supervision von Pflegenden und Stationsteams am Klinikum angestellt. Ziel ihrer Untersuchungen war es, den Stand der Supervision am Klinikum zu beschreiben und zu untersuchen, ob und inwieweit die intendierten Effekte und Ziele des Angebots erreicht werden. Pragmatische Perspektive war die Identifikation von Optimierungsmöglichkeiten, die für Konzeption und Durchführung der Supervision bedeutsam sind (formative Evaluation). <br>Die Hauptfragestellungen umfassten deskriptive und evaluative Aspekte der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Sie richteten sich auf das Erleben arbeitsassoziierter Belastungen, Erwartungen an Supervision, Akzeptanz und Inanspruchnahme, Inhalte der Sitzungen, Beurteilung des Nutzens und Prädiktoren für Supervisionsteilnahme. <br>Durchgeführt wurden drei Studien. Datenquellen waren die fortlaufende Dokumentation der Supervisorinnen und Erhebungen bei Supervisanden, ehemaligen Supervisanden und einer vergleichbaren Kontrollgruppe Pflegender: <br>Studie 1 Basisdokumentation <br>Studie 2 Prä-/Postbefragung <br>Studie 3 Katamnese mit Kontrollgruppe <br>Die psychometrische Überprüfung der Gütekriterien der Instrumente erbrachte gute bis befriedigende Resultate, die Überprüfung der Skalenbildungen Hinweise auf eine reliable Erfassung der Konstrukte und Konvergenz mit der Literatur. Hauptergebnisse: <br>• Pflege im Krankenhaus geht mit vielfältigen Belastungen einher. Zu den vorherrschenden zählen dabei neben hoher Arbeitsdichte Konflikte in der Zusammenarbeit im Pflegeteam und mit anderen Berufsgruppen. <br>• Im Erleben der Pflegenden haben psychosoziale Belastungen einen höheren Stellenwert als die körperliche Beanspruchung durch ihren Beruf. Stress kann auf Ebene des Individuums, an der Schnittstelle Individuum-Organisation (im Team), sowie auf Ebene der Organisation entstehen. Umschriebene personenbezogene Faktoren (Alter, Geschlecht, Funktion auf Station) moderieren das Belastungserleben. Deutliche Effekte finden sich auch für das bedingungsbezogene Merkmal Abteilungszugehörigkeit. <br>• Die Supervisionserwartungen und -bedürfnisse der Pflegenden sind realistisch an Möglichkeiten und Grenzen von Supervision geknüpft und dabei inhaltlich von den Arbeitsbelastungen auf Station bestimmt. Die Erwartungen sind in Abhängigkeit der Handlungserfordernisse Ziel- und Lösungsorientiert. <br>• Bereichsspezifisch ist Supervision mit einem deutlichen Rückgang im Belastungserleben assoziiert. Unabhängig von personenbezogenen Merkmalen beurteilt die große Mehrheit der Pflegenden Supervision als wirksam zur Bewältigung ihrer Anforderungen im Krankenhaus. <br>• Prädiktoren künftiger Inanspruchnahme sind neben den aktuellen Arbeitsbelastungen auch gute Erfahrungen mit bzw. ebensolche Erwartungen an Supervision. Letzteres verweist auf die Bedeutung einer bedarfsgerechten, umsetzungsorientierten Supervisionsgestaltung. <br> <br>Die Meta-Evaluation der Untersuchungen ergibt forschungsmethodische sowie praktische Konsequenzen für die Supervision im Krankenhaus: <br>Bei expliziten Effizienzbetrachtungen (Kosten-Nutzen-Analysen) ist eine Ausweitung der Zielkriterien nötig. Neben subjektiven Aussagen müssen dann, unter Einhaltung des Persönlichkeits- und Datenschutzes, weitere quantifizierbare Daten erhoben werden (z.B. Leistungsdaten, Abwesenheitstage). Gleiches gilt für die vertiefte Erfassung personen- und zielgruppenspezifischer Effekte im Längsschnitt. <br>Für die Supervision im Krankenhaus ergeben sich mehrere praktische Konsequenzen. Sie sollte niederschwellig angeboten werden, um zeitnah und bedarfsgerecht zum Einsatz zu kommen. Supervisoren sollten um die Determinanten arbeitsassoziierter Belastungen von Pflegenden wissen und diese situationsspezifisch sorgfältig identifizieren können. Bei Konflikten zwischen den Berufsgruppen ist es für die Effektivität einer Supervision unerläßlich, alle Konfliktparteien an einen Tisch zu holen. Ansatzpunkte von Supervision sind die individuelle Ebene, die Gruppenebene und die Schnittstelle Individuum – Organisation. Eine konsequent Lösungs- und Umsetzungsorientierte Supervision wird dem Bedarf von Pflegenden gerecht und erweist sich im Krankenhaus als effektiv.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Wittich, Andrea
Contributors dc:contributor
  • Schüpbach, Heinz

Subjects

dc:subject × 7

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https://freidok.uni-freiburg.de/data/1368
OAI identifier oai:identifier
oai:freidok.uni-freiburg.de:1368

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2026-07-24
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Wittich, Andrea. Supervision in der Krankenpflege : formative Evaluation in einem Krankenhaus der Maximalversorgung. https://freidok.uni-freiburg.de/data/1368