University of Freiburg
Auswirkungen des ökologischen Waldumbaus auf Bestand und Verjüngung : eine quantitative Strukturanalyse
Abstract
dc:description.abstractSpätestens seit den Stürmen „Wibke“ und „Lothar“ steigt in der Forstpolitik die Forderung nach standortgerechten und naturnahen Mischwäldern. Mit großflächig durchgeführten Umbaumaßnahmen von Wäldern soll eine Erhöhung der Diversität und Stabilität zukünftiger Bestände erzielt werden. Unklar dabei ist jedoch die konkrete Umsetzung auf operationaler Ebene, wobei insbesondere ein Wissensdefizit über die Entwicklung und räumliche Verteilung der Verjüngung sowie über den anzustrebenden „Zielzustand“ vorherrscht. <br>Ziel der durchgeführten Untersuchung ist daher die Analyse der Auswirkungen des Waldumbaus im Südschwarzwald auf den Bestand und die Verjüngung, vor allem im Hinblick auf deren Zusammensetzung und räumliche Struktur. <br> <br>Die Untersuchung wurde anhand drei exemplarischer Umbausequenzen in drei Forstbezirken des Südschwarzwaldes (Todtmoos, St. Blasien und Schluchsee) durchgeführt. Um gezielt den Einfluss waldbaulicher Umbaumaßnahmen untersuchen zu können, wurden nach dem Prinzip der isolierenden Abstraktion die Standortsbedingungen konstant gehalten und auf die flächenmäßig bedeutendste Standortseinheit beschränkt. Die zeitliche Entwicklung wurde, aufgrund des sehr langen Zeithorizonts eines tatsächlichen Waldumbaus, durch die räumliche Ausdehnung im Sinne einer Querschnittsanalyse ersetzt. Hierfür wurde jede Umbausequenz in drei Phasen eingeteilt (Umbau-, Überführungs- und Dauerwaldphase), die anhand eines Indikatorensets gegeneinander abgegrenzt wurden. <br>Diese a priori Klassifizierung der Umbauphasen wurde zusätzlich durch eine objektive, multivariate Analyse validiert. Es konnte gezeigt werden, dass die Stichproben einer Umbauphase hinsichtlich ihrer strukturellen Zusammensetzung homogen sind, so dass sie als Wiederholungen im statistischen Sinne aufgefasst werden konnten. Dabei unterschied sich die Dauerwald- von der Umbau- und Überführungsphase bezüglich der Merkmalsvariable „Grundfläche pro ha“ signifikant. Für die Trennung zwischen Umbau- und Überführungsphase waren dagegen die Höhenverteilungen maßgeblich. <br> <br>Es konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der Baumartenkombination des Bestandes und der Verjüngung in allen Umbauphasen nachgewiesen werden. Differenzen ergaben sich hauptsächlich in deren Anteilen an Tanne in der Dauerwaldphase, die in der Bestandesschicht deutlich über denen in der Verjüngung lagen. Um langfristig den Erhalt von Tanne als dritte Hauptbaumart neben Buche und Fichte zu wahren, ist eine Förderung auf Verjüngungsebene somit unerlässlich. <br>Mit zunehmender Struktur wurde eine steigende mittlere Überschirmung der Bestände festgestellt, wobei lediglich ein schwacher positiver Einfluss der Überschirmung auf die Verjüngungsdichte besteht. Für die Verjüngungshäufigkeit wirken anscheinend vielmehr kleinräumige Unterschiede im Lichtangebot strukturierend und differenzierend, welche in der Überführungsphase (Phase der Strukturanreicherung) am deutlichsten ausfallen. <br>Eine steigende (horizontale) Artendiversität ist ausschließlich auf Bestandesebene durch die anthropogene Baumartenanreicherung von der Umbau- zur Überführungsphase erkennbar. Für die Verjüngung konnte keine erhöhte Artendiversität im Verlauf des Umbauprozesses nachgewiesen werden. Es zeigt sich jedoch ein Anstieg der Strukturdiversität auf Bestandes- und Verjüngungsebene. <br> <br>Da der Einfluss des Waldumbaus auf die Verjüngung keinem eindeutig gerichteten Trend folgt, sollten Waldumbaumaßnahmen nicht einen einzigen Zustand zum Ziel haben, sondern im Sinne einer multifunktionellen Waldwirtschaft unterschiedlich zusammengesetzte und strukturierte Bestände anstreben. Dieses ist auch dann sinnvoll, wenn als räumliche Ebene nicht isolierte Bestände, sondern eine höhere Landschaftsebene ins Zentrum der Betrachtung rückt.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Kretschmer, Judith
- Contributors dc:contributor
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- Pelz, Dieter R.
Subjects
dc:subject × 7Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://freidok.uni-freiburg.de/data/1333
- OAI identifier oai:identifier
- oai:freidok.uni-freiburg.de:1333